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    AW: Das Revival der Platten (Vinyl) ist das größte Musik-Comeback



    Im Vinyl-Presswerk in Leipzig stehen die Maschinen nie still

    Als fast niemand mehr Schallplatten kaufen wollte, übernahmen zwei Musiker ein altes Vinyl-Presswerk in Leipzig. Mittlerweile kommen sie mit dem Pressen nicht mehr nach. Der Boom wird ihnen langsam unheimlich.

    Von außen ähnelt das Plattenpresswerk R.A.N.D. Muzik in einem Leipziger Industriegebiet einem Verwaltungsgebäude. Helle Fassade, Blumenrabatten. Drinnen scheint man in eine andere Zeit einzutreten.

    Es riecht nach Werkunterricht in der Schule. Die Luft ist warm und etwas stickig. Im Hauptraum stehen in Reihe alte Maschinen. Sie rattern, pressen, schneiden rund um die Uhr - etwa 5000 Vinylscheiben jeden Tag . Dennoch belaufen sich die Lieferzeiten auf zwei bis drei Monate.

    Schallplatten erleben ein Revival, die Nachfrage steigt, und auch große Labels lassen zunehmend wieder Vinyls pressen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut Jahresstatistik des Bundesverbands Musikindustrie (BMVI) mehr als drei Millionen Schallplatten gekauft - ein Zehnjahreshoch.

    Als Jan Freund und Gunnar Heuschkel Ende der Neunzigerjahre ein Plattenpresswerk in Leipzig eröffnen wollten, war die Lage noch völlig anders. Die Verkaufszahlen sanken stetig, Schallplatten wollten nur noch wenige haben. Außer Freund und Heuschkel. Sie waren damals selbst als Musiker aktiv, betrieben eigene Labels und hatten es satt, dass sie auf bestellte Platten immer lange warten mussten.


    Umsatzentwicklung von Schallplatten und CDs



    Als sie hörten, dass das nötige Gerät zum Plattenpressen im bulgarischen Sofia zum Verkauf steht, beschlossen sie, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen. Für etwa 40.000 Mark wechselten drei Pressen und weiteres Zubehör den Besitzer. Heute kostet eine einzige Plattenpresse mindestens 120.000 Euro. Damals waren die Maschinen wenig gefragt, die Geräte in Sofia standen bereits seit Jahren still, viele andere wurden verschrottet.

    Seit Ende der Achtzigerjahre war die CD das angesagte Medium, Musik wurde fast nur noch auf den silbrig glänzenden Scheiben gekauft, für Platten interessierte sich kaum noch jemand. In den Nullerjahren wurde Musik dann zunehmend körperlos. 2016 machten laut BMVI physische Tonträger nur noch etwa 62 Prozent der Musikverkäufe in Deutschland. Fast die Hälfte der Verkäufe wird inzwischen digital getätigt, durch Downloads oder Audio-Streaming. Die Schallplatte ist der einzige physische Tonträger, dessen Verkaufszahlen seit Jahren wieder wachsen.


    Musikabsatz Schallplatten und CDs

    in Millionen Stück, ein Doppelalbum zählt als ein Produkt



    Zwischen 2007 und 2016 haben sich die Stückzahlen verkaufter Vinyls in Deutschland ungefähr verzehnfacht. Experten sind sich einig, dass Vinyl die CD wohl überleben wird. Die Produktion kommt der Nachfrage kaum hinterher. Die wachsende Beliebtheit lässt sich auch damit erklären, dass Platten einen gewissen Sammlerreiz haben.

    Schallplatten sind etwas Besonderes, findet Freund. Für eine Vinyl nimmt man sich Zeit und hört die Musik bewusst und nicht als Hintergrundgedudel. Auch er hört mittlerweile viel Musik digital: "Nur wenn ich etwas besonders gut finde, kaufe ich die Platte." Statistisch gesehen fällt er ins Profil eines typischen Plattenkäufers.

    Männlich, über 40, Musikliebhaber

    Laut BMVI-Statistik sind Vinyl-Käufer nämlich überwiegend männlich. Die meisten Kunden, die zu Platten greifen, sind demnach zwischen 40 und 59 Jahren. Einer Umfrage zufolge gaben neun von zehn Vinyl-Käufern an, große Musikfans zu sein. Bei etwa 89 Prozent vergeht nach eigenen Angaben kein Tag, an dem sie nicht Musik hören.

    Wie sich die CD- und Vinylkäufer auf Altersgruppen verteilen

    Anteile der Käufer je Medium nach Altersgruppen im Jahr 2016





    Als der gelernte Werkzeugbauer gemeinsam mit dem Maschinenbauer Heuschkel 1998 die Firma gründete, brachten sich die beiden im Selbststudium den Umgang mit den Maschinen bei. Und sie besuchten Ruheständler, die in der Blütezeit der Schallplatte Vinyls gepresst hatten, um mehr über die Vorgänge zu lernen.

    Etwa zwei Jahre, nachdem ein überladener Lieferwagen aus Bulgarien die Maschinen gebracht hatte, wurde in Leipzig die erste Platte gepresst. Heute entstehen bei R.A.N.D. Muzik etwa eine Millionen Vinyls im Jahr. Vor zwei Jahren ist die Firma umgezogen, auch weil die alten Räume zu klein wurden. "Wir wollen nicht zwangsläufig wachsen, aber seit etwa vier Jahren ist die Auftragslage so stark gestiegen, dass wir im Drei-Schicht Betrieb arbeiten," sagt Freund.

    Endlich eigene Platten?

    In Leipzig werden vor allem die kleinen Kunden bedient - davon aber immer mehr. Während die ersten Aufträge aus dem eigenen Freundeskreis stammten, kommen die Kunden heute aus Europa, Japan und den USA. Etwa die Hälfte der Bestellungen bleibt in Deutschland. Dabei wollen die Kunden oft kleine Auflagen. Eine Bestellung von 1000 Vinyls kostet etwa 2000 Euro, mit geringer Auflage steigt der Stückpreis - der Aufwand bleibt für die Hersteller gleich.

    Durchschnittlich bestellen Kunden bei R.A.N.D. Muzik eine Auflage von etwa 500 Stück. "Wir wollen uns nicht von großen Labels abhängig machen", sagt ein Mitarbeiter. "Eine hohe Auflage kostet viel Zeit, dann müssen andere Kunden warten. Ist dann der Großkunde weg, stehen plötzlich die Pressen still, das wollen wir nicht."

    Stattdessen wollen die Leipziger künftig selbst wieder aktiv werden und Musik produzieren. Der ursprüngliche Plan, die eigenen Platten zu pressen, ist nämlich bisher nicht aufgegangen. Als das Presswerk gegründet wurde, blieb dafür schlicht keine Zeit mehr.
    spiegel.de

    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
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    AW: Das Revival der Platten (Vinyl) ist das größte Musik-Comeback

    HD-Vinyl: Schallplatte ist nicht nur zurück, sondern wird auch verbessert

    Die alte Vinyl-Schallplatte hat sich über viele Jahre in einigen Nischen gehalten und feierte in den letzten Jahren quasi eine Wiederbelebung. Das ganze geht nun soweit, dass nicht nur große Firmen ihre alten Produktionsanlagen wieder reaktivieren, sondern die ganze Technologie sogar weiterentwickelt wird - HD-Vinyl wird bald kommen.

    Das zugehörige Verfahren wurde vom österreichischen Startup Rebeat Innovation bereits vor gut zwei Jahren zum Patent angemeldet. Und wie Firmengründer Günter Loibl nun gegenüber dem Musikmagazin Pitchfork mitteilte, erhielt die Firma jüngst eine Finanzierung in Höhe von 4,8 Millionen Dollar. Das macht den Weg frei, um bereits Anfang des kommenden Jahres erste Alben in dem neuen Format in den Handel zu bringen.

    Bei dem neuen Fertigungsprozess wird mit digitalem Ausgangs-Material gearbeitet. Eine Software erstellt aus diesem erst einmal ein dreidimensionales Modell des Negativs, das dann mit einem Laserverfahren auf die eigentliche Press-Matrize übertragen wird. Dadurch sollen Schallplatten entstehen, die präzisere Klanginformationen enthalten und weniger Verluste verursachen.




    Mehr Spielzeit, besserer Klang

    Doch das ist nicht der einzige Vorteil von HD-Vinyl. Die genauere Übertragung der Audiodaten und die vorhergehende digitale Optimierung ermöglichen auch die Steigerung der Spielzeit um rund 30 Prozent. Ein wesentlicher Anteil der Begrenzung lag bisher auch daran, dass insbesondere zur Mitte hin die Klangqualität schlechter wurde - mit dem besseren Verfahren kann man hier für einen Ausgleich sorgen. Weiterhin bekommt man von den neuen Medien eine um 30 Prozent gesteigerte Amplitude und insgesamt einen satteren Klang, hieß es.

    Für die Produzenten hat der Prozess außerdem den Vorteil, dass vor allem bei der Produktion der Negative für das Presswerk diverse Chemikalien wegfallen können. Immerhin müssen hier nicht mit mehreren Arbeitsschritten erst weiche Modelle erzeugt und dann kräftig gehärtet werden. Es spricht also wenig dagegen, dass das neue Verfahren durchaus schnell in die Praxis übernommen werden könnte - zumal auf Seiten der Nutzer keine neuen Abspielgeräte benötigt werden.
    winfuture.de
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