Der WM-Druck lastet voll auf Vettel

Die Nummer fünf trägt Sebastian Vettel bereits auf seinem Boliden. Und mit seinem Ferrari will der 30 Jahre alte Deutsche endlich den fünften WM-Titel in der Formel 1 einfahren. Auch Dauerkonkurrent Lewis Hamilton fährt um diese Marke - der aber hat weniger Druck.

Es dreht sich in dieser Formel-1-Saison vieles um diese eine Zahl: die 5. Sebastian Vettel trägt sie auf seinem Rennwagen. Es ist die persönliche Startnummer des 30 Jahre alten Formel-1-Piloten. Ein Omen? Fünf Jahre benötigte Michael Schumacher, das Idol des Deutschen, dessen Rat Vettel so vermisst, um erstmals mit Ferrari Weltmeister zu werden. Der 5. Titel, das ist die Marke, die Vettel anpeilt. Geschafft haben fünf Triumphe nur zwei Piloten in der Motorsport-Königsklasse: Juan Manuel Fangio (5) und eben Rekordweltmeister Schumacher (7).

Um Titel Nummer 5 geht es nun in einem Duell der besonderen Art - Vettel gegen Lewis Hamilton. Beide sind viermalige Champions. Der Dauer-Herausforderer gegen den britischen Titelsammler der vergangenen Jahre. 21 Grand Prix, an diesem Wochenende geht es los mit dem Großen Preis von Australien. Für den einen scheint der Titel eher Pflicht, für den anderen Kür. Der Druck lastet auf Vettel. Sein Boss Sergio Marchionne ist ungeduldig. Ferrari ist ungeduldig. Zu lange liegt der bislang letzte Fahrertitel zurück.

2007 war es, als Vettels aktueller Kollege Kimi Räikkönen von einer gnadenlosen Fahrerfehde zwischen Hamilton und dessen spanischem McLaren-Kollegen Fernando Alonso profitierte und im letzten Saisonrennen Weltmeister wurde. Seitdem versucht Ferrari alles. Holte Alonso. Scheiterte an Vettel, als der für Red Bull viermal in Serie von 2010 bis einschließlich 2013 die WM gewann. Vettel musste her. Seit 2015 fährt er für die Scuderia, schaffte im ersten Jahr mit drei Siegen mehr als erwartet. Dann der Einbruch: 2016 gab es null Siege. Im vergangenen Jahr war er in der ersten Hälfte auf Titelkurs, fünf Siege insgesamt reichten aber nicht. Vettel wurde von Hamilton im Mercedes geschlagen.

Ferrari bremste sich selbst aus

Pannen, aber auch eigene Fehler - Vettel und Ferrari bremsten sich selbst aus. "Unterm Strich hat uns überall ein bisschen gefehlt", sagt Vettel. Hamilton glich nach Titeln aus. 199 Rennen, 99 Mal auf dem Podium, 47 Mal der Rennsieger, 50 Mal auf Pole Position - Vettels Bilanz ist die zweitbeste im Fahrerfeld. Besser ist nur Hamilton mit 62 Siegen, 117 Podiumsplätzen und 72 Poles. Den Unterschied zu dem 32 Jahre alten Briten machen die vergangenen vier Jahre aus. Schon im letzten Red-Bull-Jahr (2014) lief es für Vettel nicht mehr rund.

Dass Ferrari im vergangenen Jahr aber den Kampf lange offen gestalten konnte, nährt die Hoffnungen. Ross Brawn, einst Wegbegleiter und Erfolgsbereiter für Michael Schumacher bei Ferrari, meint gar, Vettel sei im dritten Jahr bei Ferrari eigentlich schon weiter als Schumacher in der Saison 1998. Die WM verlor Schumacher seinerzeit gegen Mika Häkkinen im McLaren. Erst 2000 begann die Ära der Roten, in der Schumacher fünfmal in Serie die WM gewann.

Vettel will nicht länger warten. Er will den Tifosi den Titel schenken. Gewohnt zurückgezogen bereitete er sich in seiner Schweizer Wahlheimat auf das Duell mit Hamilton und womöglich weiteren Titelkonkurrenten wie Max Verstappen im Red Bull auf die bis Ende November andauernde Saison vor. Vettel fuhr ein bisschen Ski, fieberte aus der Ferne mit den deutschen Eishockey-Cracks bei deren olympischem Silber-Coup mit und plauderte bei seiner Visite in Kitzbühel angeregt mit Streif-Sensationssieger Thomas Dreßen.

Vettel interessierte die Vor- und Nachbereitung eines Rennens. Ganz Vettel, immer wissbegierig. Immer auf der Suche nach Verbesserungen. Um Hamilton, der nach seiner Niederlage 2016 im WM- und Teamduell gegen Vettel-Landsmann Nico Rosberg die Grenzen seiner fahrerischen Klassen noch mal neu definiert hat, zu schlagen, muss vermutlich auch alles passen. "Wenn es am Ende klappen sollte, wäre es fantastisch", sagt Vettel. Dann hätte die Startnummer 5 auch Titel Nummer 5.

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