Forschern der Universität in Honolulu gelang es, einen Galaxien-Supercluster zu definieren, zu dem auch unsere Milchstraße gehört – neben circa 100.000 anderen Galaxien.

„Stephen Dedalus, Class of Elements, Clongowes Wood College, Sallins, County Kildare, Ireland, Europe, The World, The Universe“: So beschreibt Stephen Dedalus im „Portrait Of The Artist As A Young Man“ von James Joyce sich und seine Adresse. Heute würde er die letzteren Angaben wohl etwas konkretisieren: Erde, Sonnensystem, Milchstraße, Universum. Die Milchstraße mit ihren 100 bis 300 Milliarden Sternen – von denen die Sonne einer ist – ist unsere Galaxie, eine von circa 50 Milliarden Galaxien, die wir theoretisch im Universum beobachten könnten.

Doch Galaxien sind keinesfalls die größten astronomischen Strukturen im Universum. Sie gruppieren sich zunächst zu Galaxienhaufen: Die Milchstraße etwa ist eine der beiden großen Galaxien in der „lokalen Gruppe“, die andere ist der Andromedanebel, dazu kommen einige kleinere Galaxien, etwa die Magellanschen Wolken.

Die Galaxienhaufen wiederum bilden Cluster (Superhaufen), in unserem Fall ist das der Virgo-Cluster. Er enthält 100 bis 200 Galaxienhaufen, seine Masse wird auf 10 hoch 15 Sonnenmassen geschätzt, sein gravitatives Zentrum ist der Virgo-Galaxienhaufen, nach dem er benannt ist.

Was heißt gravitatives Zentrum? Nun, die Kraft, die solche Strukturen zusammenhält, ist naturgemäß die Gravitation, die Schwerkraft. Sie wirkt gegen die kosmische Expansion, in der sich das ganze Universum immer weiter ausdehnt und alle Galaxien sich immer weiter voneinander entfernen. Und in jedem gravitativ gebundenen System lässt sich ein Zentrum definieren, im Sonnensystem ist das naturgemäß die Sonne, das weitaus massivste Objekt in ihm.

Seit Langem sind die Astronomen – die man in diesem Fall wohl fast schon Kosmologen nennen darf – auf der Suche nach noch größeren, gravitativ gebundenen Strukturen, die sie Supercluster nennen. In unserem aktuellen Weltbild hat das Universum eine schaum- oder wabenartige Struktur. Im Inneren der Waben – respektive der Schaumblasen – sind riesige Leerräume (Voids), die Wände der Waben bestehen aus Galaxien-Clustern. So muss man sich Supercluster nicht als Scheiben oder Kugeln vorstellen, sondern als Gebiete, in denen die besagten Wabenwände dichter liegen als anderswo.

Galaxienkatalog ausgewertet
Einen solchen Supercluster – patriotisch gesagt: unseren Supercluster – konnten nun Astronomen um Brent Tully (University of Hawaii, Honolulu) definieren (Nature, 513, S. 71). Sie werteten dazu Cosmicflows-2 aus, das ist ein riesiger Katalog von Galaxien, der auch die Geschwindigkeiten enthält, mit denen sich diese jeweils von uns im Rahmen der kosmischen Expansion entfernen. Da es die Schwerkraft ist, die diese Expansion bremst, kann man aus den Geschwindigkeiten auf die größten Strukturen schließen, die die Schwerkraft gerade noch zusammenzuhalten versucht: also auf Supercluster.

Der Supercluster, den die Astronomen so definieren konnten, hat einen Durchmesser von ca. 500 Millionen Lichtjahren (zum Vergleich: Die Milchstraße hat ca. 100.000 Lichtjahre), seine Masse ist in der Größenordnung von 10 hoch 17 Sonnenmassen. Zu ihm gehören – außer „unserem“ Virgo-Cluster – auch Galaxienhaufen wie Norma, Centaurus und Hydra. Und eine Struktur mit dem großartigen Namen Great Attractor, so benannt, weil man schon länger weiß, dass sie auf andere Strukturen wie Virgo anziehend wirkt.

Der Name, den die Astronomen diesem Supercluster, also der größten Heimat, die wir derzeit definieren können, geben, kommt von einem Ort ihrer näheren Heimat: Laniakea, das ist ein Strand in Hawaii, der weniger poetisch auch Turtle Beach heißt. Das Wort kommt aus dem Hawaiianischen: „Lani“ heißt Himmel, „akea“ heißt unermesslich, riesig.
Quelle

Heimat der Milchstraße ist viel größer als gedacht