Angst vor Stromausfällen: Minisatelliten sollen vor Sonnenstürmen warnen

DPA/ SDO/ NASA
Krankenhäuser ohne Strom, Kühlsysteme von Atomkraftwerken fallen aus - ein auf die Erde treffender solarer Supersturm könnte Schäden in Billionenhöhe verursachen. Als Lösung schlagen Forscher nun einen Ring aus brotdosengroßen Satelliten vor.

Auch das Weltraumwetter kann rau sein. Zwar hat es heftige Sonnenstürme in der Erdgeschichte immer schon gegeben, doch erst die Verbreitung von Elektrik und Elektronik haben ihr Schadenspotenzial in schwindelnde Höhen getrieben: Eine gewaltige Sonneneruption, die auf der Erde als magnetischer Supersturm ankäme, könnte zu großflächigen Stromausfällen führen. Eine Gruppe von Experten schlägt deshalb vor, ein Frühwarnsystem aus 16 die Sonne umkreisenden Satelliten einzurichten.

Die Satelliten müssten nur so groß wie Brotdosen sein, schreibt Ashley Dale von der Bristol University in Großbritannien in der Zeitschrift "Physics World". Ein solches System würde etwa 500 Millionen Dollar kosten, was nur drei Prozent des jährlichen Budgets der US- Weltraumbehörde Nasa ausmache.

Der britische Astroingenieur gehörte 2013 zu der 40-köpfigen Expertenkommission SolarMAX. Sie machte sich an der International Space University in der Nähe von Straßburg in Frankreich Gedanken über den Umgang mit Extremereignissen des Weltraumwetters.

Energie von zehn Milliarden Hiroshima-Atombomben
Das Frühwarnsystem könne einerseits dazu genutzt werden, die Sonne und ihr Magnetfeld besser zu erforschen. Andererseits könnten bei Anzeichen eines solaren Supersturms Hochspannungs-Wechselstrom-Transformatoren und andere neuralgische Knotenpunkte der Stromnetze vorsorglich abgeschaltet werden, bevor sie durch extreme Stromflüsse zerstört würden, erklärt Dale.

Dass die Befürchtungen solarer Superstürme nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt das sogenannte Carrington-Ereignis, benannt nach dem englischen Astronomen Richard Carrington. Er entdeckte Anfang September 1859 eine Sonneneruption, von der man heute schätzt, dass dabei eine Energie von zehn Milliarden Hiroshima-Atombomben freigesetzt wurde.

Der gewaltige Strom aus einer Billion Kilogramm geladener Teilchen, die mit 3000 Kilometern pro Sekunde auf das Magnetfeld der Erde zurasten, sei in Form von Polarlichtern bis in tropische Regionen sichtbar gewesen. Die Auswirkungen auf die Zivilisation seien indes gering gewesen, da erst etwa 200.000 Kilometer Telegrafenleitungen installiert gewesen seien, schreibt Dale.

Häufig und riskant
Ganz anders sehe die Situation heute aus: Da die moderne Zivilisation stark auf die elektrische Versorgung angewiesen sei, könne ein großflächiger, lange andauernder Stromausfall verheerende Folgen haben, schreibt Dale. Nicht nur käme das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen, auch die Notstromaggregate der Krankenhäuser funktionierten irgendwann nicht mehr. Gefährdet wären auch die Kernkraftwerke, in denen bei längerem Ausfall der Kühlsysteme eine Kernschmelze drohe.

Satellitenmessungen von zahlreichen Sternen der Milchstraße hätten ergeben, dass solare Superstürme viel häufiger vorkämen als lange Zeit gedacht, warnt Dale. Erst kürzlich berichteten Astronomen, ass mehrere Sonnenstürme in der Stärke des Carrington-Ereignisses am 23. Juli 2012 die Erde nur knapp verfehlt hatten.

"Als Spezies waren wir nie verwundbarer durch die unberechenbaren Launen unseres nächsten Sterns, aber es liegt in unserer Fähigkeit, unserem Geschick und unserer Expertise als Menschen, uns selbst zu schützen", lautet Dales Fazit.
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