Die Vermessung der Insel-Welt
Erste globale Bestandaufnahme von Klima und physischen Eigenschaften aller Inseln

Ob Hawaii, die Galapagos Inseln oder Rügen: Sie alle sind nun in einem gewaltigen, globalen Katalog erfasst. Denn ein internationales Forscherteam hat nun erstmals alle Daten zum Klima, zur Ökologie und anderen Eigenschaften fast aller Inseln der Welt gesammelt und zusammengefasst. Diese Erhebung soll dabei helfen, die oft einzigartige Flora und Fauna der Eilande besser zu schützen, wie die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

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Tropische Insel mit vulkanischem Ursprung: die Îles de Salut vor der Küste Französisch-Guayanas.
© Universität Göttingen
Inseln machen gerade einmal fünf Prozent des Festlandes auf der Erde aus. Schätzungen zufolge existieren rund 100.000 Inseln - angefangen von echten Flächenriesen bis zu Winzlingen mit wenigen Metern Größe. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Inseln sind Heimat für eine überproportional große Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die nirgendwo sonst vorkommen. Gleichzeitig ist ihr Ökosystem besonders sensibel gegenüber Eingriffen. Doch um sie schützen zu können, ist es notwendig, die Merkmale dieser Inselwelten genauer zu kennen. Eine quantitative Beschreibung der ökologischen Bedingungen auf Inseln fehlte aber bislang. Wissenschaftler der Universität Göttingen und der US-amerikanischen Yale University haben dies nun nachgeholt.

Die Forscher sammelten für ihre Studie Daten zu knapp 18.000 marinen Inseln ab einer Fläche von mindestens einem Quadratkilometer. Diese machen zusammen immerhin 97,8 Prozent der gesamten Inselfläche der Erde aus. Für jede der Inseln trugen sie ökologisch wichtige Klimadaten und genau berechnete physisch-geografische Variablen wie die Fläche, Entfernung zum nächstgelegenen Festland oder den Anteil von Festland in der Umgebung der Inseln zusammen. Die Forscher nutzten moderne statistische Verfahren, um die Inseln zu beschreiben, zu klassifizieren und auf Weltkarten darzustellen.

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Weltkarte der physisch-geographischen und klimatischen Eigenschaften von Inseln.
© Universität Göttingen
Letzter Zugang während der Eiszeit
Dadurch ist es nun möglich, Inseln mit ähnlichen Merkmalen zu lokalisieren und für weitere Studien oder Naturschutzmaßnahmen gezielt auszuwählen. „Bisherige Daten – auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen – waren oft zu ungenau oder schlicht falsch“, erläutert Erstautor Patrick Weigelt von der Universität Göttingen. Die isoliertesten, am weitesten vom Festland entfernt liegenden Inseln sind nicht die Inseln von Hawaii, sondern die Gesellschaftsinseln, West Tuamoto in Französisch Polynesien und Tahiti, wie die Forscher berichten.

Die Erhebung zeigte auch, dass 75 Prozent aller erfassten Inseln zuletzt während der letzten Eiszeit mit dem Festland verbunden waren. Der damals rund 122 Meter niedrigere Meeresspiegel ließ Landbrücken zwischen den Inseln und dem Kontinent entstehen und ermöglichte damals einen Austausch von Flora und Fauna. „Unsere Daten erlauben einen ganz neuen Blick auf die tausenden von Inseln auf unserem Planeten“, ergänzt Studienleiter Holger Kreft von der Universität Göttingen.

Regen vor allem auf den bergigen Inseln
Beispielsweise liegen 65 Prozent aller Inseln in den tropischen Breiten, und im Vergleich zum Festland herrscht auf Inseln überwiegend kühl-feuchtes Klima. „Wir haben auch herausgefunden, dass es überraschend viele Inseln mit gemäßigtem Regenwaldklima gibt, einem der seltensten Ökosysteme der Erde“, so Kreft. Besonders regenreich sind vor allem die Inseln, die in den Tropen liegen und zudem noch Berge und andere Erhebungen besitzen. Innerhalb des Marquesas-Archipels erhalten nur die Inseln mehr als 3.000 Millimeter Regen pro Jahr, deren Topografie mindestens 800 Meter hoch reicht. "Im Kontrast dazu können flache Inseln extrem trocken sein", erklären die Forscher.

Die neuen Erkenntnisse können bei der weiteren Erforschung von biologischer Vielfalt auf Inseln eine wichtige Rolle spielen. „Inseln sind Mikrokosmen, auf denen wir die Evolution von biologischer Vielfalt sowie ökologische Prozesse untersuchen und besser verstehen können. Zum ersten Mal haben wir nun einen standardisierten globalen Datensatz, der als Grundlage für die weltweite Erforschung von Inseln und ihren Lebensgemeinschaften dienen kann“, so Kreft.
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