Bundeswehr in Afghanistan



Offiziere halten "Tiger" für unbrauchbar









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[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" sollen den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sichern. Doch die Truppe ist skeptisch. Offiziere kritisieren die mangelhafte Bewaffnung des Helikopters und zweifeln an dessen Eignung für den Einsatz. Der Fehler könnte den Steuerzahler Milliarden kosten.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Der Helikopter kommt später als geplant - und dann auch noch mit der falschen Bewaffnung. Das ist die Kritik von Bundeswehr-Offizieren in Afghanistan am Kampfhubschrauber "Tiger". Aus einer internen Mängelliste, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, geht hervor, dass die Soldaten die geplante Bewaffnung für "am Einsatz vorbei geplant" halten. Der von Eurocopter in deutsch-französischer Kooperation gebaute Hubschrauber sei für die Mission am Hindukusch "völlig unbrauchbar".



In der vertraulichen und von mit der Materie betrauten Offizieren erstellten Liste wird vor allem bemängelt, dass der Helikopter nur mit starren, unterhalb der Stummelflügel montierten Maschinengewehren ausgerüstet werden soll - im Gegensatz zum Beispiel zur französischen Version, die mit beweglichen Bordkanonen bestückt wird. "Das französische Modell hat eine 30-Millimeter-Kanone, die der Pilot per Kopfdrehung steuern kann", sagt einer der Kritiker. "Damit kann er quasi im Vorbeiflug nach links und rechts schießen." Das deutsche "Tiger"-Modell mit seinen "bescheidenen zwei 12,7-Millimeter-Maschinengewehren" müsse dagegen komplett auf das Ziel ausgerichtet werden, weil die Waffen nicht beweglich seien.



Klagen gibt es auch über die mangelnde Reichweite der Maschinengewehre: Diese sei mit etwa 1000 Metern nur halb so groß wie die der beweglichen Bordkanonen. "Nicht nur müssen unsere Piloten so manövrieren, dass die Aufständischen am Boden genau vor ihnen sind, sie müssen auch noch viel näher ranfliegen", sagt ein Offizier. "Damit sind wir das ideale Ziel für die
Taliban." Man könne den "Tiger" in der geplanten Version nicht guten Gewissens in den Einsatz schicken.[/font]






[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Außerdem sei der "Tiger" mit Raketen ausgestattet, die zur Bekämpfung von Panzern taugten, nicht aber im Einsatz gegen "asymmetrisch kämpfende Aufständische, die zu Fuß und mit Autos unterwegs sind und aus dem Hinterhalt heraus schießen". Auch die Panzerabwehrlenkwaffe Pars 3, die der Bundesrechnungshof als zu teuer rügte, sei nicht für den Kampf gegen Extremisten geeignet. Bei Testschüssen sollen zudem durch den Raketenstrahl Teile des Hubschrauberleitwerks beschädigt worden sein. Sowohl bei den Maschinengewehren als auch bei der anderen Bewaffnung sei die Gefahr von "Kollateralschäden" sehr groß.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Lieferung verzögert sich[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Kampfhubschrauber dienen in Afghanistan vor allem dazu, am Boden operierende Truppen mit entsprechender Feuerkraft aus der Luft zu unterstützen. Bislang muss die Bundeswehr in brenzligen Situationen Hilfe anderer Nato-Staaten anfordern. Als etwa vor zwei Jahren ein deutscher Konvoi nahe Kunduz in einen Hinterhalt der Taliban geriet, mussten die Soldaten auf Unterstützung der US-Streitkräfte warten. Die schickten Kampfhubschrauber, die den Deutschen nach stundenlangen Gefechten den Rückzug ermöglichten. Am Ende waren drei Soldaten tot.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Wenigstens zur Absicherung des Abzugs soll die Bundeswehr deshalb künftig auf eigene Kampfhubschrauber zurückgreifen können. Derzeit hat Deutschland in Afghanistan lediglich Transporthubschrauber im Einsatz. Die Abzugsplanung hat längst begonnen, nicht mehr benötigte Ausrüstung wird schon jetzt zurückgeschickt. Spätestens im August sollten zunächst vier "Tiger" in Afghanistan sein, zwei für den Einsatz, zwei weitere als Reserve. Doch die Auslieferung verzögert sich auf Anfang 2013.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Der "Tiger" wurde ursprünglich in den achtziger Jahren, also während des Kalten Krieges, in Auftrag gegeben. Für damalige Krisen- und Kriegsszenarien machte ein sogenannter Panzerabwehrhubschrauber Sinn. Die Bundeswehr führt ihn nun als "Unterstützungshubschrauber". Für den Einsatz in Afghanistan werden insgesamt acht Hubschrauber modifiziert, sie erhalten spezielle Funkgeräte, Sandfilter für die Triebwerke, einen Schutz für die Rotoren, eine Anpassung für den Flug mit Nachtsichtgeräten - und eben die nach Ansicht mehrerer Offiziere ungeeignete Bewaffnung.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Milliardengrab "Tiger"?[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Die Kritik der Soldaten richtet sich vor allem gegen die Bundeswehrspitze, die trotz veränderter Herausforderungen an dem Modell aus Zeiten des Kalten Kriegs festgehalten habe. "Die Franzosen haben früh gemerkt, dass sie ihre Pläne ändern müssen", sagt ein Offizier. "Die Bundeswehrführung hätte ebenfalls reagieren müssen, zumal deutsche und französische Piloten eine gemeinsame Ausbildung durchlaufen." Die Australier haben ebenfalls die Version gewählt, die die Franzosen nutzen: mit 30-Millimeter-Bordkanone und Hellfire-Raketen. "Deutschland ist das einzige Land, das noch daran glaubt, Hubschrauber für den Kampf gegen Panzer auf mitteleuropäischen Schlachtfeldern zu benötigen."



Doch auch Politik und Rüstungsindustrie tragen nach Ansicht der Soldaten eine Mitschuld. Die Industrie habe "treudoof" die Aufträge der Bundeswehr erfüllt, anstatt darauf hinzuweisen, dass es auch andere, für die Herausforderungen von heute passendere Bewaffnungen gebe. Die Politik habe "verpennt", auf eine andere Ausstattung zu drängen. "Offensichtlich hat die niemand beraten", sagt ein Soldat, der in Afghanistan im Bereich der Hubschrauber arbeitet.



Politik und Industrie weisen diese Kritik von sich. Man könne nur das produzieren und liefern, was bestellt werde, heißt es bei Eurocopter in Donauwörth. Bundestagsabgeordnete sagen, sie hätten sich auf die "Expertise" der Bundeswehr verlassen. Selbst das für den Einkauf zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, das dem Verteidigungsministerium untersteht, schiebt die Schuld der Bundeswehrführung zu. "Unsere Aufgabe ist es, die Anforderungen, die die Soldaten formulieren, zur Kenntnis zu nehmen und nach diesen Anforderungen Verträge mit der Industrie abzuschließen", sagt ein Sprecher. "Wir stellen den Soldaten doch nichts hin, womit sie nichts anfangen können."[/font]




[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Der Hubschrauber könnte sich am Ende als Milliardengrab für die deutschen Steuerzahler herausstellen. Inklusive der Bewilligungen für 2011 wurden für den "Tiger" bislang knapp 2,6 Milliarden Euro ausgegeben. Bis Ende dieses Jahres sollen die Kosten gemäß Bundeshaushalt auf insgesamt 3,7 Milliarden Euro steigen. Unter Verteidigungs- und Rüstungspolitikern heißt es, dass sich der Kampfhubschrauber in Afghanistan bewähren müsse, um eine Zukunft zu haben. Ein Einsatz am Hindukusch ist daher unumgänglich. Doch in der jetzigen Version dürfte er sich als Problemfall herausstellen - und eine Umrüstung wäre nicht nur viel teurer, sie wäre auch nicht mehr rechtzeitig vor dem Abzug aus Afghanistan zu schaffen.[/font]



[font=verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif]Quelle: Spiegel.[/font]