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    30 Jahre Privatfernsehen - Innovation und Verdummung

    Eine Bilanz von Bernd Gäbler

    Vor 30 Jahren gingen RTL und Sat.1 auf Sendung - und verschafften dem deutschen TV einen Innovationsschub. Mit ihrer Quotenfixierung sorgten sie aber auch für eine Verflachung des Programms.


    Dieter Bohlen, Hans Meiser, Linda de Mol: Das sind nur drei Gesichter aus 30 Jahren RTL.
    © DPA/DF1
    Auch Öffentlichkeit ist ein Markt. Dies gehört zu den Standards der westlichen Demokratien. In Deutschland begann die nachholende und dann durchgängige Kommerzialisierung des - nach wie vor - meistgenutzten Mediums, also des Fernsehens, erst vor 30 Jahren. Damals gab es einige gesellschaftliche Aufregung. Aus heutiger Sicht betrachtet war es eine Normalisierung. Vieles hatte sich aufgestaut. Entsprechend rasch explodierte der Markt. Es entstanden neue Sender, eine mittelständische Zulieferindustrie, der Anschluss an den Weltmarkt. Einige Förderer des Privatfernsehens verbanden damit weitgehende politische Ambitionen.

    Insbesondere die Anhänger einer konservativen "geistig-moralischen Wende" erwarteten, das Privatfernsehen könne ein Gegengewicht zur kritischer werdenden Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden. Sie wurden enttäuscht. RTL und Co. wurden stattdessen kulturell prägend. Nicht nur die Herstellung des Fernsehens wurde industrialisiert, auch die Erzählweisen und Darstellungsformen veränderten sich.

    Trendsetter

    Erst jetzt entfaltete sich das Fernsehen voll als universelle Unterhaltungsmaschine. Im Großen und Ganzen förderte das Privatfernsehen folgende Tendenzen: weniger Kunst, mehr Handwerk; weniger Information, mehr Unterhaltung; weniger Haltung, mehr Bühne der Selbstdarstellung. Sozial öffnete sich das Fernsehen nach unten. Weniger denn je war es eine elitäre Veranstaltung. Plötzlich konnte jedermann auf dem Bildschirm erscheinen und sogar zum Star werden - ob im Nachmittagstalk, durch Casting-Shows oder "Reality-TV".

    Der erste RTL-Chef Helmut Thoma pflegt das Bonmot, neu entdeckt worden sei der Zuschauer. Tatsächlich hat das Privatfernsehen die Schwelle gesenkt und den bisher Sprachlosen eine Stimme gegeben. Man mag dies als "Demokratisierung" des Fernsehens deuten, aber viele, die nun einem breiten Publikum vorgeführt werden, haben wirklich nichts zu sagen. Als stabile Plattform für die Werbung war das Privatfernsehen bald so erfolgreich, dass es nicht nur eine eigene Identität ausbildete, sondern auf die gesamte TV-Landschaft abfärbte. Es erfand das Frühstücksfernsehen, das es bald überall gab. Es lenkte die Aufmerksamkeit auf Boulevardthemen, entsprechende Magazine gehören heute auch fest zum Repertoire auch öffentlich-rechtlicher Sender.

    Deren Unterhaltungs-Matadore (Pilawa, Kerner, Lanz) stammen allesamt aus dem Privatfernsehen, originäre öffentlich-rechtliche Unterhaltungsformate gibt es nicht mehr. Vor allem aber hat das Privatfernsehen drei Wirkungen entfaltet: Es hat die Zuschauerschaft nach Alterskohorten gespalten; es hat die Programmierung nach Maßgabe des "audience flow" populär gemacht und es hat die Quote als Fetisch etabliert.

    RTL und Sat.1

    Vor 30 Jahren war nicht ausgemacht, wie sich das Privatfernsehen entwickeln würde. Hinter dem "Kabelpilotprojekt", aus dem die Sat.1-Gruppe wurde, standen Verleger und der mächtige Medienmogul Leo Kirch, RTLplus sendete aus einer Garage in Luxemburg. RTL startete mit viel Getöse und Krawall, einigen Tabubrüchen ("Tutti-Frutti"), wenig Scham und Charme, aber einem klaren Kurs. Der zielte auf Marktführerschaft und ökonomische Effektivität. Serienproduktionen (GZSZ), ein günstiges Nachmittagsprogramm und als "Event" inszenierter Sport (Henri Maske, Formel 1, Skipringen) halfen dabei. Mit "RTL aktuell" und dem "RTL-Nachtjournal" um Mitternacht umrahmen seriöse Nachrichten weiträumig das Unterhaltungsprogramm. Heute gibt es zwar immer mal wieder Aufregung ("Dschungelcamp", "Bachelor"), aber vieles ist doch vor allem familienkompatible Unterhaltung ("Wer wird Millionär?", "Bauer sucht Frau", "Let's dance") geworden. Selbst Dieter Bohlens Urform der Casting-Show "DSDS" mutiert inzwischen zum Schlagerreigen.

    Sat.1 brachte zwar einige Innovationen ("Schreinemakers", "ran", "Talk im Turm"), oft die besseren Filme ("Wambo", "Tanz mit dem Teufel", "Das Wunder von Lengede"), sogar die interessanteren Persönlichkeiten (Harald Schmidt, Anke Engelke, Bastian Pastewka) auf den Bildschirm, wurde aber so diskontinuierlich mit wechselnden Eigentümern geführt, dass es nie gelang, eine eigene Identität auszubilden. Klarer positioniert in dieser Senderfamilie ist da schon das jugendaffine ProSieben mit vielen US-Serien, den Simpsons, Galileo und Stefan Raab als "King of Kotlett". Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es leider nichts.

    MTV war einemal eine Talenteschmiede. Wahrscheinlich wird dies bald Youtube sein. Murdochs Pay-TV-Sender Sky ist doch vor allem Fußballvermarkter und nicht - wie in den USA etwa HBO - Produzent eigener aufwändiger Formate. Denkbare hybride Formen - Sender könnten sich als Plattformen für Produzentenallianzen anbieten - sind nicht entstanden. Dies wird wohl erst der Fall sein, wenn das Internet noch stärker auch das Wohnzimmer erobert.

    Schöne Stunden, aber: Was fehlt?

    "Talk im Turm" und "Harald Schmidt", "Balko" und "Dr. House", "Ritas Welt" und "Mein Leben und ich", "Die Wochenshow" und "Wie bitte?", "Pastewka" und "Ladykracher", Henri Maske und Skispringen - das Privatfernsehen hat uns viele, schöne Stunden beschert. Aber es hat auch geholfen, vieles auszublenden: Hochkultur und Fremdsprachiges, Randsportarten und ein realistisches Bild von Afrika zum Beispiel. Seit 30 Jahren ist das Programm nicht mehr - wie im ursprünglichen Wortsinn - eine "Vorschrift", sondern ein plurales, oft auch recht belangloses Angebot. Es setzt weniger generationsübergreifende Themen. Noch immer fehlt dem Privatfernsehen publizistisches Gewicht. Vielleicht weil der Aufstieg so rasch erfolgte, wirkt das private Fernsehen noch immer so, als sei es zu wenig verwurzelt in der Geschichte und nationalen Kultur unseres Landes. Das Grundcredo der Manager, man müsse beim Programm auf jeden Fall absehen vom eigenen Geschmack, mag dazu immer noch beitragen.
    Quelle

    Word :yes:

    Bildergalerie: Von "Tutti Frutti" bis Dschungelcamp
    Die TV-Revolution nuschelt für ihre Kinder
    Geändert von delle59 (28.10.14 um 14:03 Uhr)
    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
    Thomas Alva Edison (1847 - 1931)
    [Regeln] News-Bereich


  2. #2



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    Ich bin soooo froh inzwischen das gesamte Sky-Angebot genießen zu können.

    Dierser Bodenlose Scheiss der auf RTL, Sat 1 & Co gezeigt wird und die andauernde Werbung gehen mir sowas von gegen den Strich :D

    Finde so Spartenprogramme wie sie Sky hat total super, da kann ich nach lust und laune switschen und alles was ich da nicht finde zieh ich mir als Stream direkt auff'n Fernseher ^^
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  3. #3
    Böse_Meise
    Avatar von Spammer_007



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    Zitat Zitat von StewieG.','index.php?page=Thread&postID=116372#pos t116372
    Ich bin soooo froh inzwischen das gesamte Sky-Angebot genießen zu können.

    Dierser Bodenlose Scheiss der auf RTL, Sat 1 & Co gezeigt wird und die andauernde Werbung gehen mir sowas von gegen den Strich

    Finde so Spartenprogramme wie sie Sky hat total super, da kann ich nach lust und laune switschen und alles was ich da nicht finde zieh ich mir als Stream direkt auff'n Fernseher ^^
    ware worte stew RTL , Sat1 , RTL 2 , müssen alle weg und da fehlen noch einige
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