Gewerkschaft spricht von "Mord am Arbeitsplatz"


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Bei einem Grubenunglück in der Stadt Soma im Westen der Türkei sind mindestens 238 Bergleute ums Leben gekommen.

Hunderte weitere Kumpel sind noch in der Mine eingesperrt.

Die Regierung rechnet damit, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen wird.


Gewerkschaftsbund ruft zur Arbeitsniederlegung auf


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Explosion während des Schichtwechsels: Das Grubenunglück ereignete sich in einem Kohlebergwerk in Soma in der Provinz Manisa, etwa 250 Kilometer südwestlich von Istanbul. Während des Schichtwechsels hatte ein Fehler in der Elektrizitätsanlage eine Explosion ausgelöst, die daraufhin zu einem Brand führte. Die Flammen sind nach Angaben von Energieminister Taner Yıldız immer noch nicht unter Kontrolle. "Es ist schlimmer als zunächst erwartet", sagte er. Als sich die Explosion in der Grube ereignete, seien 787 Menschen unter Tage gewesen, sagte Yıldız. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan sprach bei seinem Besuch an der Unglücksstelle von mindestens 238 Toten. Die Regierung fürchtet, dass die Zahl noch deutlich steigen wird. Viele der Opfer sind erstickt. Einer der Toten soll erst 15 Jahre alt gewesen sein, wie die Zeitung Hürriyet berichtet. Yıldız sagte dagegen, es könne nicht sein, dass ein 15-Jähriger in einem Bergwerk arbeite.


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Rettungsarbeiten sind "Wettlauf gegen die Zeit": Die meisten Bergleute stecken in 2000 Metern Tiefe etwa vier Kilometer vom Eingang der Grube entfernt fest. Ihre Bergung sei "ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte Yıldız. Mut machten Medienberichte über sechs weitere Überlebende, die mehr als 18 Stunden nach dem Unglück geborgen werden konnten. Unklar sei, ob die Männer verletzt seien, meldete Hürriyet. Deutschland hat der Türkei Hilfe angeboten. "Deutschland steht bereit, zu helfen, wenn die Türkei das wünscht", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Bundeskanzlerin Angela Merkel wandte sich mit ähnlichen Worten an Erdogan und erklärte, Deutschland sei "zur Hilfe bereit". Auch Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in einem Kondolenztelegramm an seinen Kollegen Abdullah Gül, er habe "mit Trauer und Bestürzung" von dem Unglück erfahren.


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Dreitägige Staatstrauer ausgerufen: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat eine geplante Reise nach Albanien abgesagt und ist zum Ort des Unglücks gereist. Er drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die Regierung hat eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Im ganzen Land und an den türkischen Vertretungen im Ausland würden am Mittwoch die Flaggen auf halbmast gesetzt, teilte Erdoğans Büro mit. Präsident Abdullah Gül sagte seine Reise nach China ab, um an den Unglücksort zu reisen. Erdogan hat umfassende Ermittlungen angekündigt. Die Unglücksursache müsse "vollständig" untersucht werden, sagte er bei einer Pressekonferenz in Soma.


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Gewerkschaftsbund ruft zur Arbeitsniederlegung auf: Der größte türkische Gewerkschaftsbund Türk-Is hat seine Mitglieder zur Niederlegung der Arbeit an diesem Donnerstag aufgerufen. Gewerkschafter sollten stattdessen am Arbeitsplatz den mehr als 230 Bergleuten gedenken, die bei dem Unglück ums Leben kamen, teilte Türk-Is mit. Der Gewerkschaftsbund sprach im Zusammenhang mit der Katastrophe vom größten "Mord" am Arbeitsplatz in der Geschichte der türkischen Republik, gegen den protestiert werden müsse. Bei Türk-Is sind 35 Einzelgewerkschaften organisiert.


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Ausschreitungen in Ankara: Türkische Medien berichten, die Regierungspartei AKP habe in den vergangenen Monaten eine Forderung der Opposition nach einer Überprüfung der Zeche zurückgewiesen. Für den linken Gewerkschaftsbund DISK ist das Unglück von Soma ein "Massaker", wie der Vorsitzende Kani Beko sagt. In Gruben wie in der von Soma seien ganze Ketten von Subunternehmern am Werk, die nicht vernünftig kontrolliert würden. Sicherheitsvorschriften würden außer Acht gelassen. In Ankara kam es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zu gewaltsamen Protesten: Etwa 800 Demonstranten wollten zum Energieministerium maschieren - die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.


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Demonstranten fordern Erdogans Rücktritt: Auch in Soma selbst kommt es zu Protesten. Dutzende Einwohner haben bei dem Besuch von Regierungschef Erdogan dessen Rücktritt gefordert. Wütende Demonstranten traten mit Füßen gegen das Auto des Ministerpräsidenten, wie die private Nachrichtenagentur Dogan berichtete. Viele hatten vor dem Gebäude, in dem Erdogan seine Pressekonferenz gab, bereits gesungen und gepfiffen. Erdogan hatte jede Verantwortung der Regierung zurückgewiesen: Derlei Arbeitsunfälle passierten "überall auf der Welt".


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Schwerstes Unglück in Geschichte der Türkei: Nach Regierungsangaben ist das Unglück in Soma wahrscheinlich das schwerste in der Geschichte des Landes. In der Türkei kommt es immer wieder zu tödlichen Grubenunfällen. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen oder es wurden veraltete Arbeitsgeräte eingesetzt. Das bislang folgenschwerste Unglück der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich 1992 in einem Bergwerk in der Provinz Zonguldak. Dort starben bei einer Gasexplosion 263 Menschen.


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<span style="font-size:12px;">Quelle:sueddeutsche.de