Diese "Sanktion" würde Russland richtig wehtun: Die EU denkt offenbar zum ersten Mal ernsthaft über eine Boykott-Empfehlung für die Fußball-WM 2018 nach. Fifa-Chef Blatter und IOC-Präsident Bach halten jedoch nichts davon.


ngesichts der militärischen Intervention Russlands in der Ukraine wird unter Diplomaten der Europäischen Union erstmals der Boykott von Sportveranstaltungen als Teil möglicher Sanktionen gegen die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin erwogen. Das berichten unter anderem die spanische Zeitung "El Pais" und die Londoner "Financial Times". Dabei spiele auch die Fußball-WM 2018 eine Rolle, die vom Internationalen Fußballverband Fifa an Russland vergeben worden war. Angesichts des völkerrechtswidrigen Verhaltens hatten verschiedene deutsche Politiker einen Boykott oder Entzug der Weltmeisterschaft gefordert, zuletzt Rebecca Harms, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im EU-Parlament. In Berlin sagte Regierungssprecher Steffen Seibert, ein Boykott der Fußball-WM 2018 sei nichts, was heute zu diskutieren sei.


Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist ein Beschluss auf EU-Ebene in dieser Frage höchst unwahrscheinlich, da unter den Mitgliedsstaaten der Union keine einheitliche Meinung zu einem solchen Schritt besteht. Unter Diplomaten in Brüssel heißt es, der Umgang mit den zahlreichen internationalen Sportveranstaltungen, die in den kommenden Jahre in Russland stattfinden, angefangen mit dem am 12. Oktober erstmals in Sotschi ausgetragenen Großen Preis von Russland in der Formel 1 und der WM der Schwimmer in Kasan im kommenden Jahr, werde Teil der jeweiligen Politik der nationalen Regierungen bleiben.


Eine Option bleibe allerdings der Versuch, Einfluss auf die Fifa und deren Vergabeentscheidung an Russland zu nehmen. Deren Präsident Joseph Blatter hat bisher eine Neuvergabe strikt abgelehnt.


Blatter, Bach und Niersbach gegen Boykott


Blatter hatte Russland noch am Dienstag das volle Vertrauen ausgesprochen. "Wir stellen die WM in Russland nicht infrage", sagte der Schweizer am Rande von "Camp Beckenbauer" in Kitzbühel. Ein Boykott sei keine Lösung: "Das hat noch nie etwas gebracht." Thomas Bach warnte vor einem Boykott. Der Sport dürfe sich nicht verleiten lassen, den Boden der politischen Neutralität zu verlassen, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).


Ähnlich hatte sich zuvor auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geäußert. Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau habe nichts gebracht. "Er hat nur den Sportlern geschadet. Der Versuch, über den Sport auf politische Dinge Einfluss zu nehmen, ist gescheitert. Niemand von uns nimmt das Wort Boykott in den Mund und das wird auch nicht von der Politik erwartet", sagte Niersbach.

Quelle:faz.net