Anthrax-Alarm bei der US-Gesundheitsbehörde CDC
Die Labore der US-Gesundheitsbehörde CDC gelten als extrem sicher. Trotzdem wurde dort jetzt mit dem tödlichen Milzbrand-Erreger Anthrax herumgeschlampt. Die Folge: Bis zu 75 Forscher könnten sich infiziert haben.

Es war Freitag, der 13., ausgerechnet. Kurz vor Feierabend wollte ein Team der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) vorige Woche noch eben ein paar harmlose Laborschalen entsorgen.

Entsetzt stellten die Forscher jedoch fest, dass die Schalen keineswegs harmlos waren: Sie enthielten lebende Anthrax-Sporen - einer der tödlichsten Krankheitserreger der Welt.

Sofort stellten die CDC den Labortrakt in ihrer Zentrale in Atlanta unter Quarantäne. Mehr noch: Rund 75 CDC-Mitarbeiter seien womöglich mit dem tödlichen Milzbrand-Erreger in Berührung gekommen, bestätigte eine CDC-Sprecherin auf Nachfrage. Sie seien "aus reiner Vorsicht" unter Beobachtung gestellt worden und würden mit Antibiotika behandelt, um einer Erkrankung vorzubeugen.

Die lakonische Meldung täuscht darüber hinweg, wie selten, gefährlich und bedenklich dieser Vorfall ist - zumal im inneren Sanktum der bestgeschützten US-Forschungsstätte. Anthrax ist eine tödliche Infektionskrankheit, ausgelöst durch winzige Sporen, die jahrzehntelang überleben. Sie gelten auch als Biowaffe, weshalb die US-Regierung sie konstant erforscht, um Abwehrmittel zu finden.

Zuletzt herrschte in den USA kurz nach den 9/11-Anschlägen große Anthrax-Panik. Die Sporen fanden sich damals in anonymen Postsendungen, unter anderem an Medien und zwei Senatoren. 23 Menschen wurden infiziert, fünf starben. Die Anschläge sind bis heute nicht aufgeklärt. Ein Verdächtiger nahm sich 2008 das Leben, er wurde posthum entlastet.

Keine Schutzausrüstung

Wie konnte nun der jüngste Vorfall passieren? "Sicherheitsvorkehrungen wurden missachtet", so die CDC knapp. Ersten Ermittlungen zufolge stammten die Sporen aus einem Labor mit der zweithöchsten Biosicherheitsstufe 3. Von dort seien die Anthrax-Proben an drei andere CDC-Labore mit einer niedrigeren Sicherheitsstufe gegangen, ohne "ausreichend unwirksam" gemacht, sprich abgetötet worden zu sein.

Die betroffenen Wissenschaftler hätten die Anthrax-Proben ahnungslos für Experimente in drei CDC-Laboren genutzt, die aber für aktive Sporen nicht ausgestattet gewesen seien, hieß es. Sie hätten dabei keine Schutzausrüstung getragen, wie es dafür sonst üblich wäre.

Erste Milzbrand-Symptome gleichen einer Grippeerkrankung. "Du fühlst dich krank", sagte der Bioterror-Experte Leonad Cole auf CNN. "Du kriegst Kopfschmerzen. Deine Knochen schmerzen." Weitere Anzeichen: Fieber, Atembeschwerden, Schweißausbrüche.

Schon einen Tag nach den ersten Symptomen kann der Tod eintreten. Sofern nicht "sofort und aggressiv" behandelt, schreibt das US-Militär in einem Anthrax-Merkblatt, könnten "45 bis 80 Prozent der Patienten sterben".

"Keiner der Mitarbeiter hat bisher Symptome gezeigt", versicherte der für Arbeitssicherheit zuständige CDC-Direktor Paul Meechan der Nachrichtenagentur Reuters. Die eigentliche Zahl der Betroffenen, die direkt mit Anthrax in Kontakt gekommen sein könnten, sei zwar nur sieben, doch man wolle ganz sicher gehen. Die normale Inkubationszeit betrage fünf bis sieben Tage, die Krankheit könnte aber auch erst 60 Tage nach dem Kontakt ausbrechen.

Infektionsrisiko "sehr gering"
"Irgendwann" zwischen dem 6. und 13. Juni, so die CDC, seien die Sporen in zwei Laboren sogar "versprüht" worden. Labore und Flure seien vorsichtshalber dekontaminiert worden.

Mit diesen "aggressiven Schritten" wolle man die Gesundheit "aller Beteiligen schützen". Das Risiko einer potenziellen Infektion sei allerdings "sehr gering". Auch andere CDC-Mitarbeiter, Familienangehörige oder auch die allgemeine Öffentlichkeit bräuchten sich nicht zu sorgen. Fest stehe jedenfalls, dass, "sofern nötig, Disziplinarmaßnahmen eingeleitet" würden.

Zunächst blieb unklar, ob dies ein Unfall war, das Resultat von Fehlern im Arbeitsablauf oder schlimmstenfalls Absicht. Alle CDC-Mitarbeiter, die mit Erregern wie Anthrax arbeiten, müssen sich bei ihrer Einstellung einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Eine interne Untersuchung soll nun Klarheit schaffen.

"Das hätte nicht passieren dürfen", so Meechan jedenfalls. "Wir nehmen uns der Sache an. Wir setzen unsere Leute keiner Gefahr aus".

Quelle

Da sieht man mal wieder, wie schnell es zu gefährlichen Epedemien kommen kann. Auch wenn es hier glücklicherweise glimpflich ausgegangen ist :whew: .