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    Tragödie vor der südkoreanischen Insel Jindo

    "Ich kannte alle. Nur zwei von ihnen wurden gerettet"

    Auf dem Schiff, das vor der südkoreanischen Insel Jindo gekentert ist, befanden sich Hunderte Schüler auf Exkursion. In der Schule in Ansan bei Seoul warten verzweifelte Familien auf Neuigkeiten.


    Vor der Südwestküste Südkoreas ist das Passagierschiff "Sewol" mit knapp 500 Menschen an Bord gesunken. Etwa 300 Gymnasiasten auf dem Weg zu einem Schulausflug waren darunter. Mittlerweile ist es am Ort des Untergangs dunkel geworden.

    Für Jeong Song-Sin war es ein langer Tag. Die 49-Jährige ist erst seit zwei Jahren Englischlehrerin an der Danwon-Schule hier in Ansan in der Nähe von Seoul. Doch dieser Mittwoch begann anders als sonst. Wenn sie davon erzählt, hier in der Danwon-Schule, spät abends, spricht sie extra leise, weil um sie herum so viele Eltern stehen, die von dem Unglück betroffen sind. "Nach der ersten Stunde wurde über Lautsprecher verkündet, das der Unterricht für heute ausfalle", sagt sie. "Kurz darauf kamen die ersten besorgten Eltern in die Schule." Eltern, die schrien und weinten, weil sie in den Nachrichten erfahren hatten, dass ihre Kinder zu den Opfern eines Schiffsunglücks gehören können.

    Um 8.59 Uhr Ortszeit traf der erste Notruf des Schiffes "Sewol" ein, das vor Jindo gekentert war. 459 Passagiere waren an Bord, 164 konnten schnell gerettet werden, 291 sind am Abend noch vermisst. Offiziell ist bis dahin von vier Toten die Rede, mindestens einer davon ein Schüler der Danwon-Schule. Später korrigierte der Krisenstab, etwa 280 der rund 460 Passagiere würden noch vermisst. 174 Menschen seien gerettet worden.

    Auch hier, in der Turnhalle im dritten Stock der Schule, ist ein Video-Beamer aufgebaut worden, auf dem der Sender Yonhap News läuft. In der oberen rechten Ecke sind diese vier Zahlen konstant abgebildet: 459, 164, 291, 4. Der Ton ist leise gestellt, aber weil so viele Menschen miteinander reden, könnte man ohnehin nichts verstehen. Die Verwandten geben einander Trost, umarmen sich oder raunen dem Nachbarn etwas zu, Neuigkeiten, die man gehört habe. Vielleicht eine neue Hoffnung: Ursache sei offenbar ein Felsen gewesen, auf den das Schiff auftraf. Einsatzkräfte sind noch immer auf der Suche. Aber auch: "Hast du gehört, morgen soll das Wetter noch schlechter werden, ein Sturm, das macht die Suche noch schwieriger."

    Reise zur Ferieninsel Jeju



    Frau Lee ist eine ältere Frau, die den ganzen Tag Zuhause ferngesehen hat: "Mein Enkel war auf dem Schiff, Lee Cheong-Hee", sagt sie und dreht sich kurz noch einmal weg, als ob das Aussprechen des Namens ihn noch einmal präsenter macht, hier in dieser Turnhalle voller fremder Menschen. "Aber ich bin nicht in die Schule gekommen, weil mein Rücken so schmerzt." Sie habe den ganzen Tag mit ihrer Tochter, der Mutter von Cheong-Hee telefoniert. "Sie ist jetzt auch nach Jindo gefahren", sagt sie und umklammert ihr Handy. Dann schaut sie nach unten und sagt leise, dass es im Gewühl der Turnhalle fast untergeht: "Ich glaube, es gibt nicht viel Hoffnung."

    Den ganzen Tag über war die Schule belagert: Von Eltern, von Medien des ganzen Landes, von Politikern, die sich auf die Bühne der Turnhalle stellten und versicherten, dass alles getan werde, um die Schüler zu retten. Der Bürgermeister von Ansan war da, Kim Cheol-Min, mehrere Abgeordnete und die Präsidentin Park Geun-Hye hat ebenfalls auf der Leinwand den Angehörigen Mut zugesprochen.

    Die Lehrerin Jeong Song-Sin hat den Tag über mit vielen ihrer Schüler gesprochen, einige von ihnen sitzen noch am Abend weinend in den Stuhlreihen. "Das hier sind die Oberstufen-Schüler, die viele von den Betroffenen kennen", sagt sie. "Fast alle der 325 Schüler waren rund 17 Jahre alt, also in der 2. Oberstufe." Die Fahrt sollte eine gemeinsame Exkursion nach Jeju sein, einer Insel im Süden von Südkorea, die als Ferienort gilt, meist gutes Klima hat und eine atemberaubende Vulkan-Kulisse.

    Schnelle Hilfe der Schule

    Nur drei Stunden nach dem Unglück wurden Busse organisiert, die betroffene Eltern nach Süden fahren sollen. Kurz darauf gab es erste Rot-Kreuz-Stände, die kostenlos Wasser verteilten, schließlich auch Essen, Kaffee und Decken für Menschen, die an diesem kalten Frühlingstag in der Eile zu leicht bekleidet kamen. Das Turnhallenparkett wurde mit einer grünen Plane zugedeckt und am Abend gab es kostenlose Aufladestationen für alle Handy-Typen, schließlich auch W-LAN, damit das Funknetz nicht überlastet wird.

    Kim A-Ram kam erst später dazu. "Ich musste bis eben noch arbeiten", sagt sie und hält dabei ein Tuch schützend vor ihr Gesicht. "Meine jüngere Schwester Su-Cheong ist auf dem Schiff gewesen, ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört." Ihre Mutter ist auf dem Weg nach Jindo, um Genaues zu erfahren. Wir gebannt starrt Kim A-Ram auf die Leinwand, liest dort, dass der Navigator, der sonst immer diese Strecke mit dem Schiff fährt, an diesem Tag Urlaub hatte. Der Ersatz-Navigator hatte offenbar nicht so viel Erfahrung mit der Strecke. Vielleicht ist das eine Erklärung für das Unglück? Rechts oben im Bildschirm sind noch immer die Zahlen zu sehen, von denen die meisten wissen, dass sie nicht mehr stimmen: 459 Passagiere, 164 gerettet, 291 vermisst, 4 tot.

    Ein Mann liest stoisch die Namen vor

    Gegen neun Uhr Abends steht in der Danwon-Schule ein Mann vorn am Mikrofon, er verliest stoisch die Namen derer, die gerettet wurden. Sie haben sich seit Stunden nicht verändert. Plötzlich ruft eine Frau etwas auf Koreanisch dazwischen. Die Englischlehrerin Jeong übersetzt. "Die Frau ist aufgeregt, weil sie seit Stunden nichts Neues mehr erfahren hat", sagt sie. "Sie hat gerufen: Sagen Sie mir endlich, wie viele wirklich überlebt haben." Der Mann macht eine lange Pause und liest dann weiter die Namen vor, die auf seiner Liste stehen. Die Namen Lee Cheong-Hee und Kim Su-Cheong sind nicht dabei.

    Jeong Song-Sin denkt nicht nur an die Schüler. 14 Lehrer dieser Schule waren auch an Bord. "Ich kannte alle", sagt sie. "Nur zwei von ihnen wurden bisher gerettet."

    Abends gegen elf Uhr wird das Stimmengewirr durch einen älteren Mann unterbrochen, der mitten in der Turnhalle schwere Anschuldigungen erhebt: "Die Regierung hat uns doch bisher nur belogen." Shim Myeong-Seok ist der Vater von Shim Jang-Young, einem Wirtschafts-Schüler der Danwon-Schule, der auch auf dem Schiff war. "Erst sagen sie uns, dass fast alle gerettet wurden und dann sind plötzlich ein Großteil doch tot!"

    Er sagt, dass seine Frau, die jetzt auf dem Weg nach Jindo ist, noch eine Stunde nach dem Unglück mit Jang-Young gesprochen habe. "Er hat gesagt, über Lautsprecher hätte er die Anweisung bekommen: 'Bleiben Sie, wo Sie sind.'" Daran habe sich der Sohn gehalten, die Schwimmweste angezogen und sei im Zimmer geblieben. Der Vater ruft: "Vielleicht ist er deswegen nicht mehr am Leben!"

    Quelle
    Geändert von salviner01 (22.10.14 um 19:53 Uhr)
    Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
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    Mehr als 120 Leichen geborgen
    Am sechsten Tag nach dem Unglück haben Taucher mittlerweile mehr als 120 Leichen aus der havarierten südkoreanischen Fähre "Sewol" geborgen. Gutes Wetter erleichtert ihnen die Arbeit. Die Bergungskräfte hoffen sogar auf Überlebende.

    Die Zahl der geborgenen Leichen hat über Nacht die Hundert überschritten, und heute werde man noch viele weitere der bisher Vermissten bergen können. Da ist sich der Sprecher der Küstenwache, Ko Myung-suk, sicher: "Die Höhe der Wellen ist auf einen halben Meter zurückgegangen. Die Strömung hat nachgelassen, die Bedingungen, unter denen wir suchen, sind gut."

    Marine- und Ziviltaucher konzentrieren sich bei ihrer Suche auf die Decks 3 und 4 des Schiffes, wo die meisten der 476 Passagiere eingeschlossen waren. Sie werden von Tauchrobotern unterstützt, die länger als Menschen unter Wasser bleiben können und die Leichen besser aufspüren. Auch die drei Ausländer an Bord, ein russischer Student und ein Pärchen aus China, konnten nur noch tot geborgen werden.

    Rettungskräfte hoffen auf Luftblasen
    Dennoch verbreiten die Bergungskräfte Hoffnung auf Überlebende. "Das Wichtigste ist es, aufsteigende Blasen zu finden. Da könnten noch Überlebende sein. Ich glaube daran, und diese Blasen müssten sich finden lassen. Dann erst kommt die Suche nach den Leichen. Ich glaube, es gibt noch Hoffnung", sagt Choung Doug Nam, Präsident der Koreanischen Rettungswacht.

    Insgesamt wurden bisher lediglich 174 Passagiere gerettet, seit die Fähre vor sechs Tagen vor der Südspitze Südkoreas kenterte. Am Montag war die südkoreanische Präsidentin Park hart mit der Schiffsführung ins Gericht gegangen. Der Kapitän und Teile seiner Mannschaft hätten sich unfassbar benommen. Ihr Verhalten komme einem Mord gleich. Doch was, wann und wie es in den entscheidenden Minuten geschah, ist noch nicht ergründet.

    Verkettung unglücklicher Umstände?
    Es scheint eine Verkettung unglücklicher Umstände zu sein, in der eine unentschlossene Besatzung entweder nichts oder das Falsche tat, die Katastrophe zu vermeiden. Dass sich der Kapitän als einer der ersten rettete, dass überhaupt zwei Drittel der Crew überlebten, aber nur ein Drittel der Passagiere, lässt auf schwere Verantwortungslosigkeit schließen.

    Inzwischen geraten auch die Umweltschäden der Havarie ins Visier. Der dicke Ölfilm aus dem Schiff behindert die Sicht der Taucher. Wenn das Öl nicht bald beseitigt wird, wird es die gesamte Gegend verseuchen, sagt der Kapitän eines Fischerbootes.
    Quelle


    Geändert von delle59 (11.11.14 um 13:08 Uhr)
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    Taucher finden 48 tote Mädchen in einer Kabine
    In der gesunkenen Fähre vor Südkorea haben Taucher in einem Raum 48 Leichen mit Schwimmwesten entdeckt. Auch eine weitere Nachricht erschüttert die Angehörigen: Die Behörden gaben zu, Tote an die falschen Familien übergeben zu haben.

    Jindo - Taucher haben in einer Kabine der gesunkenen südkoreanischen Fähre die Leichen von 48 Mädchen mit Schwimmwesten gefunden. Der Raum sei nur für 30 Personen zugelassen gewesen, berichtet CNN. Das lasse darauf schließen, dass viele Passagiere in die Kabine gerannt seien, als das sinkende Schiff Schlagseite bekomme habe. Immer wieder stießen Einsatzkräfte auf derart überfüllte Kabinen.

    Schlechte Sicht, Treibgut und starke Strömungen erschweren die Bergungsarbeiten. Laut CNN lassen sich manche Türen wegen des Wasserdrucks nicht öffnen; Fenster müssten eingeschlagen werden.

    Die meisten Leichen tragen Schwimmwesten. Das hat ihnen möglicherweise die Flucht erschwert - als sich das Schiff zur Seite neigte, waren die Ausgänge womöglich schon unter Wasser. Einem Offizier der südkoreanischen Marine zufolge müssen Taucher erst die Westen entfernen, bevor die Leichen geborgen werden können.

    Leichen falsch idenzifiziert
    Die südkoreanischen Behörden mussten eingestehen, dass manche Leichen falsch identifiziert worden sind. Die sterblichen Überreste seien in mehreren Fällen an die falschen Familien übergeben worden. Ein Aktionsplan soll derartige Fehler künftig verhindern. Erst nach einem DNA-Test sollen die Leichen freigegeben werden.

    Bisher haben Taucher 183 Leichen geborgen. Fast 120 Personen werden noch vermisst. Hoffnung, jemanden lebend zu finden, gibt es praktisch nicht. An Bord waren 476 Menschen, die meisten davon Schüler.

    Unterdessen wurden vier weitere Besatzungsmitglieder wegen des Vorwurfs der Fahrlässigkeit in Untersuchungshaft genommen. Ein Gericht in der Stadt Mokpo habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen die vier Crewmitglieder - darunter zwei leitende technische Offiziere - erlassen, berichtete der Rundfunksender KBS.

    Die vier Crewmitglieder werden beschuldigt, ihre Verantwortungspflicht zum Schutz der Fahrgäste nicht erfüllt und damit den Tod vieler Passagiere in Kauf genommen zu haben. Den Berichten zufolge wurden bislang elf Besatzungsmitglieder festgenommen.
    Quelle
    Sicherheitsmängel auf dem Schwesterschiff der "Sewol"

    Wenige Tage nach dem Unglück waren bereits der Kapitän, die dritte Offizierin und der Steuermann verhaftet worden. Die Unglücksursache ist weiter unklar. Ermittler gehen menschlichem Versagen wie auch möglichen technischen Fehlern nach. Ein Grund könnte sein, dass die etwa 3500 Tonnen schwere Ladung auf der Auto- und Personenfähre nicht richtig gesichert worden sei, berichtete der staatliche Sender Arirang. Die Fahrzeuge und Container könnten verrutscht sein, so dass das Schiff in Schieflage geriet.

    Nach Angaben der Ermittler kenterte das Schiff an der Stelle, an der es einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Laut Arirang war vor dem Unglück auch ein Problem an der Ruderanlage festgestellt worden, ohne dass der Defekt behoben wurde.

    Auch andere Sicherheitsmängel werden offenbar in Betracht gezogen. Am Schwesterschiff der "Sewol" wurden laut CNN 40 defekte Rettungsinseln gefunden. Die Notrutschen funktionierten nicht, es gab keine Möglichkeiten, Autos festzumachen. Auch die Verankerung von Containern habe nur schlecht funktioniert.
    Quelle


    Geändert von delle59 (11.11.14 um 13:08 Uhr)
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    Kapitän wegen Totschlags angeklagt
    Es geht um "Totschlag durch grobe Fahrlässigkeit". Nach dem Untergang der Fähre "Sewol" in Südkorea sind der Kapitän und drei Crew-Mitglieder angeklagt worden. Den Männern droht die Todesstrafe.

    Einen Monat nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" sind der Kapitän und drei Crew-Mitglieder wegen Totschlags angeklagt worden. Ihnen werde "Totschlag durch grobe Fahrlässigkeit" zur Last gelegt, meldete die Nachrichtenagentur Yonhap. Bei einer Verurteilung drohen Kapitän Lee Joon Seok, zwei Steuermännern und einem Ingenieur die Todesstrafe. Die vier sollen zu den ersten gehört haben, die nach der Havarie der Fähre am 16. April das sinkende Schiff verließen und hunderte Passagiere im Stich ließen.

    Insgesamt wurden 15 Mannschaftsmitglieder angeklagt. Den elf anderen Personen wird vorgeworfen, mutmaßlich fahrlässig gehandelt und die Passagiere allein gelassen zu haben, als sie gebraucht wurden. 476 Menschen waren bei dem Unglück an Bord, die meisten Schulkinder auf einem Klassenausflug. Am späten Mittwochabend wurden fünf weitere Leichen aus dem Wrack geborgen. Die Zahl der bestätigen Todesopfer liege damit bei 281, wie ein Sprecher der Küstenwache mitteilte.

    Am Dienstag nahmen südkoreanische Taucher nach dreitägiger Pause wegen stürmischen Wetters im Wrack "Sewol" ihre Suche nach den letzten Opfern wieder auf. Insgesamt 16 Taucher seien seit den frühen Morgenstunden an der Suche beteiligt, doch bislang sei keine weitere Leiche geborgen worden, teilte ein Sprecher der Küstenwache mit. 23 Passagiere werden auch vier Wochen nach der Tragödie noch vermisst. Deren Angehörige machen Druck, dass die letzten Opfer so schnell wie möglich geborgen werden.

    Fähre war hoffnungslos überladen
    Die Suche geht an die Grenzen der körperlichen und psychischen Belastung der Taucher. Sie können in dem Wrack so gut wie nichts sehen und müssen somit regelrecht nach den Leichen tasten. Vor einer Woche war ein Taucher bei dem gefährlichen Einsatz ums Leben gekommen, rund zwei Dutzend mussten wegen Verletzungen oder gesundheitlicher Beschwerden behandelt werden. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes sagte den Bergungskräften nun psychologischen Beistand zu.

    Die Fähre "Sewol" war Mitte April mit 476 Menschen an Bord gekentert, unter den Passagieren waren 325 Schüler auf Klassenfahrt. Alle 15 überlebenden Besatzungsmitglieder, einschließlich des Kapitäns, wurden festgenommen, weil sie die Evakuierung verzögert und dann als Erste die sinkende Fähre verlassen hatten. Auch der Besitzer der Reederei und vier seiner Manager wurden festgenommen. Unter anderem hatte sich herausgestellt, dass die Fähre hoffnungslos überladen war.
    Quelle
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    AW: Tragödie vor der südkoreanischen Insel Jindo

    36 Jahre Haft für Kapitän der Unglücksfähre «Sewol»

    Seoul (dpa) - Rund sieben Monate nach der «Sewol»-Katastrophe mit Hunderten Toten ist der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre zu 36 Jahren Haft verurteilt worden.

    Lee Joon Seok habe seine Pflichten verletzt und trage die volle Verantwortung für das Unglück, erklärten die Richter am Dienstag. 295 Menschen waren beim Untergang der «Sewol» am 16. April 2014 offiziell ums Leben gekommen, 9 werden noch immer vermisst. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug. Der Kapitän war unter den ersten, die das Schiff verließen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe verlangt, die in Südkorea aber seit längerem nicht mehr vollstreckt wird.

    Das Bezirksgericht in der südkoreanischen Stadt Kwangju sprach den 69-jährigen Kapitän jedoch vom Mordvorwurf frei: Er trage die volle Verantwortung, aber Tötungsabsicht könne ihm nicht unterstellt werden, hieß es in der Urteilsbegründung. Kurz zuvor hatte das südkoreanische Ministerium für Ozeanangelegenheiten angekündigt, die Suche nach den neun letzten Vermissten einzustellen.

    Der erste Maschinist des Schiffes wurde wegen Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, wie Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Er habe zwei verletzte Crewmitglieder in voller Absicht ihrem Schicksal überlassen. 13 weitere Besatzungsmitglieder wurden zu Haftstrafen zwischen 5 und 20 Jahren verurteilt.

    Die Angehörigen der Opfer zeigten sich nach dem Urteil enttäuscht: Man solle die Angeklagten doch gleich freilassen, wenn das Leben ihrer Kinder so wertlos sei, zitierten Medien die Hinterbliebenen.

    An Bord der «Sewol» hatten sich zur Zeit des Unglücks vor der Südwestküste des Landes 476 Menschen befunden. Viele waren Schüler, unterwegs zur Ferieninsel Cheju. Als die Auto- und Personenfähre «Sewol» am Vorabend des 16. April von Inchon abfuhr, war sie deutlich überladen, wie Ermittler später herausfanden.

    Bei der Katastrophe kippte die «Sewol» plötzlich zur Seite und lief schnell mit Wasser voll. Viele der Insassen wurden eingeschlossen. Es setzte eine dramatische Rettungsaktion ein. An den Fernsehern erlebten die Südkoreaner mit, wie die Küstenwache mit Hubschraubern und Booten versuchte, Insassen zu retten, bevor das Schiff binnen weniger Stunden komplett sank.

    Kurz vor dem Urteil am Dienstag verkündete Südkoreas Minister für Ozeanangelegenheiten, Lee Ju Young, dass die Suche nach den Vermissten im Wrack eingestellt werde. Die Umstände seien zu gefährlich. In den vergangenen Monaten waren zwei Rettungstaucher ums Leben gekommen. Der Minister entschuldigte sich, dass die Regierung ihr Versprechen, alle Leichen zu bergen, nicht halten könne.

    Anfang November hatte das südkoreanische Parlament als Konsequenz aus der Katastrophe ein Gesetzespaket verabschiedet. Das sogenannten «Sewol»-Spezialgesetz zielt auf eine unabhängige Untersuchung des Unglücks. Die Angehörigen hatten auf ein Mitspracherecht bei der Besetzung der Kommission gedrängt. Außerdem werden die Küstenwache als auch die Nationale Agentur für Notfallmanagement aufgelöst und in einem Ministerium für Katastrophenmanagement zusammengefasst.

    Künftig wird es darüber hinaus möglich sein, das Vermögen von Unfallverantwortlichen einzuziehen. Kurz nach dem Urteil am Dienstag kündigte das südkoreanische Parlament an, bald mit den Beratungen über die Entschädigung der Opferfamilien zu beginnen.
    sueddeutsche.de


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  6. Bedankos Rungor, salviner01 bedankte(n) sich für diesen Post

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