Ergebnis 1 bis 6 von 6
  1. #1
    Awards:
    Posting Award
    Avatar von delle59




    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    NRW
    Beiträge
    6.118
    Points
    6.798
    Level
    54
    Level completed: 24%, Points required for next Level: 152
    Overall activity: 52,0%
    Achievements:
    SocialRecommendation Second Class7 days registered5000 Experience PointsOverdrive

    Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen

    Giftige Gefahr aus der Energiesparlampe



    Energiesparlampen enthalten bis zu fünf Milligramm Quecksilber. Das
    flüssige Schwermetall ist extrem giftig und ökologisch problematisch.


    In nahezu jedem deutschen Haushalt finden sich Energiesparlampen. Gehen sie zu Bruch, setzen sie das Nervengift Quecksilber frei – eine zerbrochene Lampe kann ein ganzes Haus auf Jahre hin verseuchen, zeigt ein neuer Dokumentarfilm.

    Vergiftete Arbeiter und ein Kind, dem urplötzlich die Haare ausfallen: Das ARD-Kulturmagazin „Titel Thesen Temperamente“ (ttt) stellt eine Doku vor. die die unschönen Seiten der neuen Lampen ausleuchtet. Den Quecksilberdampf einer zerbrochenen Energiesparlampe können Betroffene über die Atmung komplett aufnehmen – so wie Max, Sohn der im Film „Bulb Fiction“ vorgestellten bayerischen Familie Laus.

    Der austretende Dampf ist extrem toxisch, klärt Umweltmediziner Joachim Mutter die Zuschauer auf. Dem vergifteten kleinen Jungen fielen in Folge des Quecksilber-Unfalls büschelweise die Haare aus. Das flüssige Schwermetall wirkt auf das zentrale Nervensystem und zerstört dort Zellen; selbst das kleinste bisschen Quecksilber mache jedes Mal „ein klein bisschen dümmer “, erklärt Chemiker Gary Zörner den Zuschauern.

    Erinnerungslücken durch unbemerkte Quecksilber-Vergiftung

    Der Film berichtet auch von der Belegschaft einer Recyclingfabrik, die sich bis auf den letzten Arbeiter an dem Gefahrenstoff vergiftet hat. „Ich habe immer wieder Probleme, mich an Dinge zu erinnern“, sagt beispielsweise Andrew Makison, der in dem mittlerweile geschlossenen Werk als Praktikant arbeitete. Das Quecksilber „schleicht sich an einen heran, ohne dass man was merkt. Bis es zu spät ist“, beklagt Makison in „Bulb Fiction“.

    Eine Studie, die die Quecksilberbelastung durch zerbrochene Lampen untersuchen sollte, sei alles andere als wissenschaftlich sauber durchgeführt, kritisieren die Filmemacher. Eine winzige Stichprobe von fünf Lampen sei untersucht worden, zudem erst nach dem Bersten, wenn der Quecksilberdampf sich längst verflüchtigt habe. „Das entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage“, meldet sich im Film ein Wiener Physiker zu Wort. Und trotzdem hatte eben jene Studie den EU-weiten Beschluss zur Einführung der Energiesparlampen zur Folge.

    Endlagerungsfrage bleibt ungelöst

    Dazu kommt ein schwerwiegendes Endlagerungsproblem: Die Lampen gehören eigentlich auf die Sondermülldeponie – aber 80 Prozent der Lampen landen dem Film zufolge im normalen Hausmüll und das Gift gelangt schließlich ins Trinkwasser. Eine Lösung zur Endlagerung sei noch nicht gefunden – genau wie beim Atommüll. War die Einführung der Energiesparlampe also eine einzige Verbrauchertäuschung, gegründet auf finanziellen Interessen von Wirtschaftslobbyisten und abgenickt von der Politik, wie „ttt“ meint? Nach dem Film verspüren viele Zuschauer demnach jedenfalls sofort den Wunsch, alle Energiesparlampen aus ihren Häusern zu verbannen. „Bulb Fiction“ läuft am 31. Mai in Deutschland an.

    Ganz neu ist das Thema des Films indes nicht: Bereits 2010 warnte das Umweltbundesamt (UBA) vor Gesundheitsgefahren durch entweichendes Quecksilber zerbrochener Energiesparlampen. Verbraucherschützer forderten in der Folge ein Aussetzen des EU-Verbots für herkömmliche Glühbirnen: Es könne nicht sein, dass ein sicheres Produkt verboten und durch ein unsicheres ersetzt werde, klagte der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), Gerd Billen.

    Bis zu fünf Milligramm Quecksilber pro Lampe

    „Das Quecksilber ist die Achillesferse der Energiesparlampen. Daher brauchen wir mittelfristig eine Lampentechnik, von der keine Quecksilberbelastung ausgeht“, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Die richtige und notwendige Energieeinsparung von bis zu 80 Prozent gegenüber Glühbirnen müsse einhergehen mit sicheren Produkten, von denen keine vermeidbaren Gesundheitsrisiken ausgehen, so Flasbarth.
    Zurzeit dürfen Energiesparlampen noch bis zu fünf Milligramm Quecksilber enthalten, meistens sind rund drei Gramm enthalten. Verbrauchern rät Flasbarth, in Kinderzimmern und an anderen Stellen mit erhöhtem Bruchrisiko Energiesparlampen einzusetzen, die mit Kunststoff ummantelt sind – diese können nicht zerbrechen.
    Quelle


  2. Bedankos Struppi, märi bedankte(n) sich für diesen Post
  3. #2
    Avatar von Movienator


    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    Wer will das wissen? :P
    Beiträge
    459
    Points
    225
    Level
    4
    Level completed: 50%, Points required for next Level: 25
    Overall activity: 0%
    Achievements:
    Social250 Experience Points
    Tja, unsere lieben Politiker hatten damals son Aufstand gemacht wegen den Fiebertermometern mit Quecksilber (Ja, ist ja giftig und unsere Umwelt und blablabla) und jetzt son Mist.

    Hoch lebe unsere Politik. :stupid:
    Tipp- und Rechtschreibfehler sind absichtlich eingebaut und dienen der Belustigung des Lesers.
    Eine alte Indianische Weisheit: Wenn Dein Pferd tot ist, dann steig ab.




  4. Bedankos Struppi, märi bedankte(n) sich für diesen Post
  5. #3
    Awards:
    Posting Award
    Avatar von delle59




    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    NRW
    Beiträge
    6.118
    Points
    6.798
    Level
    54
    Level completed: 24%, Points required for next Level: 152
    Overall activity: 52,0%
    Achievements:
    SocialRecommendation Second Class7 days registered5000 Experience PointsOverdrive
    Gift-Konvention
    Staaten wollen Quecksilber-Emissionen reduzieren
    Vier Jahre dauerten die Verhandlungen - nun haben 140 Staaten endlich einen Kompromiss gefunden: Sie wollen den Quecksilber-Ausstoß weltweit und damit die Belastung von Mensch und Umwelt reduzieren. Das hochgiftige Metall wird unter anderem von Kohlekraftwerken freigesetzt.


    Kohlekraftwerk in Xining (China): Giftausstoß soll weltweit gesenkt werden
    (DPA)

    Genf - Nach fast vierjährigen Verhandlungen zur Reduktion von giftigem Quecksilber haben sich rund 140 Staaten in Genf über eine international verbindliche Konvention geeinigt. Dank dieses Abkommens werde es in Zukunft möglich sein, die für Mensch und Umwelt hochgiftigen Quecksilber-Emissionen weltweit zu senken, erklärte das Außenministerium der Schweiz am Samstag.

    Die Konvention wird nun im Oktober in der japanischen Stadt Minamata zur Unterzeichnung durch die beteiligten Staaten ausgelegt. Dort hatten in den 1950er Jahren Tausende von Menschen aufgrund von Quecksilbervergiftungen durch Abwässer eines Chemiewerkes schwere Schäden am zentralen Nervensystem erlitten.

    Die neue Konvention solle insbesondere die Produktion von Quecksilber und seine Verwendung bei der Herstellung von Produkten und in industriellen Prozessen einschränken, teilte das Ministerium mit. Darüber hinaus regele sie die Lagerung und Behandlung von quecksilberhaltigen Abfällen.

    Das giftige Quecksilber ist einer umfangreichen Studie des Uno-Umweltprogramms (Unep) zufolge in den vergangenen Jahren vor allem in Entwicklungsländern zu einer immer größeren Gefahr für Millionen von Menschen geworden. Quecksilber wird in der Produktion von Thermometern, Schaltern und Glühbirnen, aber auch in Zahnfüllungen und Gesichtscremes verwendet. Hohe Emissionen des flüssigen Schwermetalls entstehen zudem bei der Goldgewinnung sowie der Kohleverbrennung zur Stromerzeugung.

    In der Vergangenheit hatte ein ähnliches Abkommen bereits zu einem großen Erfolg geführt: das Montreal-Protokoll. Mit dem Vertrag von 1987 verpflichteten sich die Staaten der Welt, gegen den Abbau der Ozonschicht vorzugehen. Binnen kurzer Zeit verschwanden gefährliche Substanzen wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) vom Markt. Und mittlerweile ist erwiesen, dass sich die Ozonschicht, der lebenswichtige Schutzschild gegen die gefährliche UV-Strahlung der Sonne, tatsächlich erholt.
    Quelle
    Geändert von delle59 (28.01.16 um 13:11 Uhr)
    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
    Thomas Alva Edison (1847 - 1931)
    [Regeln] News-Bereich


  6. Bedankos Struppi, märi bedankte(n) sich für diesen Post
  7. #4
    Awards:
    Posting Award
    Avatar von delle59




    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    NRW
    Beiträge
    6.118
    Points
    6.798
    Level
    54
    Level completed: 24%, Points required for next Level: 152
    Overall activity: 52,0%
    Achievements:
    SocialRecommendation Second Class7 days registered5000 Experience PointsOverdrive
    Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen
    90 Staaten haben im japanischen Minamata ein Abkommen unterzeichnet, um die Umweltbelastung mit dem gefährlichen Schwermetall zu verringern. Experten betonen, das sei nur ein erster Schritt.


    Vor knapp 60 Jahren haben Ärzte eine rätselhafte Erkrankungswelle beobachtet: In der japanischen Küstenstadt Minamata, die vorher in der restlichen Welt fast unbekannt war, litten tausende Menschen an Gliederschmerzen, Lähmungen, Psychosen und permanenten Nervenschäden. Die Ursache war bald gefunden: Aus einer Chemiefabrik war jahrelang Quecksilber ins Meer geleitet worden.

    Über lokal gefangenen Fisch hatten die Betroffenen eine chronische Quecksilbervergiftung bekommen. Heute schätzen Mediziner, dass etwa 3000 Einwohner daran gestorben waren. Dieser Vorfall gilt als eine der schwersten Umweltkatastrophen des letzten Jahrhunderts. Der Name der Kleinstadt war weltweit mit Umweltverschmutzung verbunden - bis jetzt.

    Denn am Donnerstag (10.10.2013) haben Regierungen aus aller Welt dort die "Minamata-Konvention" verabschiedet - ein internationales Abkommen zur Quecksilber-Reduzierung. Das Ziel: Die Emission dieses Schwermetalls soll weltweit eingedämmt werden. Ab 2020 ist es damit grundsätzlich verboten, Produkte mit Quecksilber herzustellen oder zu verkaufen. Staaten, die das Abkommen unterzeichnet haben, dürfen künftig auch keine neuen Quecksilberminen mehr eröffnen.

    Ein Meilenstein, aber nur der erste Schritt

    Viele feiern das neue Abkommen als einen Meilenstein für den Umweltschutz. Doch Experten weisen darauf hin, das es nur ein "erster Schritt" in die richtige Richtung sei. "Es müssen langfristige Taten folgen, man darf sich jetzt nicht darauf ausruhen", betont Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe.




    Der Kampf gegen das Schwermetall wird nämlich nicht überall betrieben: In Entwicklungsländern wächst nach Information des UN-Umweltprogramms (UNEP) die Quecksilber-Emission sogar drastisch an. In den USA und in Europa sind die Regeln zwar viel strenger, aber über Rauchgase und andere Wege gelangt immer noch einiges in die Umwelt. In Deutschland zum Beispiel knapp zehn Tonnen pro Jahr.

    Vor allem ist Quecksilber auch jetzt schon in der Umwelt weiträumig verteilt. Sogar in die dünnbesiedelte Arktis gelangen jährlich durch Luft- und Meeresströmungen ungefähr 200 Tonnen Quecksilber. Und das Metall im Wasser und der Luft gefährdet über die Nahrungskette auch Menschen.

    Darüber hinaus betonen Experten, dass wegen der hohen Giftigkeit auch schon geringste Mengen Quecksilber gefährlich sein können. Insgesamt sind seit 1850 etwa 200.000 Tonnen Quecksilber in die Umwelt ausgestoßen worden. Niemand weiß, ob die Belastung durch das neue Abkommen schnell sinken wird.

    Problem: Energiesparlampe

    In Deutschland kommt Quecksilber vor allem noch in Energiesparlampen vor. "Diese Lampen enthalten kleine Mengen von Quecksilber und müssen eigentlich getrennt gesammelt werden", erklärt Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe gegenüber der DW. Allerdings werden viele Energiesparlampe gar nicht ordentlich entsorgt.


    Die Sammelquote in Deutschland liege in Unternehmen etwa bei 40 Prozent, und nur etwa 10 Prozent der Menschen in privaten Haushalten bringen ihre Lampen zu Sammelstellen. Wenn die Lampen im Müll oder auf dem Weg zu den Recyclinganlagen zerbrechen, gelange das Schwermetall sofort in die Umwelt, betont Müller.

    Zwar müssen in Deutschland alle Hersteller von Energiesparlampen ihre alten Lampen zurücknehmen, doch in der Praxis funktioniert das nicht sehr gut. Anders als bei Batterien sind Händler nicht verpflichtet, eigene Sammelstellen für Energiesparlampen einzurichten. Obwohl manche Handelsfilialen freiwillig alte Lampen zurücknehmen, hätten Verbraucher "keine flächendeckende Entsorgungsmöglichkeit", betont die Umweltschützerin Müller. Der Handel müsse richtig zur Rücknahme der alten Lampen verpflichtet werden, um die Quecksilbergefahr zu verringern.
    Quelle

    Kleines Foto: Quecksilber kennt keine Grenzen. Durch Fischfang gelangt es auf viele Teller
    Geändert von delle59 (28.01.16 um 13:13 Uhr)
    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
    Thomas Alva Edison (1847 - 1931)
    [Regeln] News-Bereich


  8. Bedankos Struppi, märi bedankte(n) sich für diesen Post
  9. #5
    Awards:
    Posting Award
    Avatar von delle59




    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    NRW
    Beiträge
    6.118
    Points
    6.798
    Level
    54
    Level completed: 24%, Points required for next Level: 152
    Overall activity: 52,0%
    Achievements:
    SocialRecommendation Second Class7 days registered5000 Experience PointsOverdrive

    AW: Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen


    Quecksilber in flüssiger Form CC BY 3.0: Wikipedia

    Unfassbar giftig

    Eine Studie zeigt: Kohlekraftwerke schleudern riesige Mengen Quecksilber in die Luft. Das Metall ist überall – im Essen, in Zähnen, in Lampen. Wie gefährlich ist es?

    Der Hutmacher in Alice im Wunderland sitzt am Tisch mit Märzhase, Haselmaus und Alice und spricht in wirren Sätzen. Der Hutmacher ist unfreundlich, pampig und hibbelig.

    Was weder er selbst noch Alice und vielleicht nicht mal Lewis Carroll wissen: Er leidet am Hutmachersyndrom. Symptome: Entzündungen, angegriffene Organe, Nervenschäden, Unruhe, nachlassende Intelligenz. Ursache: regelmäßiger Umgang mit einer Chemikalie zum Aushärten von Biberfilz. Für extrasteife Hüte. In England ist der Zusammenhang schon lange bekannt, man sagt, jemand sei mad as a hatter, verrückt wie ein Hutmacher. Der bekannteste Hutmacher der Welt leidet an Vergiftung mit Quecksilber.

    Das silbrig schwappende Metall ist nicht nur Stoff für große, steife Hüte und andere Verrücktheiten. In den meisten Mündern ist das giftigste nicht radioaktive Element als Amalgam heimisch. Es ist in beinahe jedem Haar weltweit nachweisbar. Im antarktischen Pinguin steckt’s und im arktischen Inuit, auch aus aktiven Vulkanen und den Schloten der Kohlekraftwerke dampft Quecksilber. Doch wenn man glaubt, das ubiquitäre Gift verstanden oder verortet zu haben, ist es plötzlich verschwunden.

    Es versteht sich von selbst, dass dieses Teufelszeug ein Alarmstoff erster Güte ist. Energiesparlampe zerbrochen: Himmel hilf! Amalgam im Mund: Wir werden vergiftet! Auch das neue Jahr begann mit Quecksilberwarnungen. Kurz nach Silvester meldete sich das Hamburger Institut für Ökologie und Politik (Ökopol), das im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion den Zusammenhang zwischen Kohlekraft und der Chemikalie untersucht hat. Resultat: Fische sind zunehmend stärker belastet, als das Lebensmittelrecht erlaubt. Manche Quecksilberverbindungen schädigen das Erbgut und können Krebs erzeugen. Und Deutschland ist gemeinsam mit Polen und Portugal "Spitzenreiter der Quecksilberfreisetzung in Europa". Gegen uns sind die USA mit extrem niedrigen Grenzwerten bei der Quecksilberemission ein Öko-Musterknabe.

    Wir wollen in mehreren Anläufen versuchen, den verrufenen Stoff in den Griff zu bekommen. Das "quicke Silber", chemisches Symbol Hg, Hydrargyrum, von griechisch hydrárgyros, "Wassersilber", englisch mercury, nach dem fixen Götterboten Mercurius, ist allerdings kaum zu fassen. Weder im physisch-materiellen Sinn, wie jeder weiß, dem schon mal ein altes Fieberthermometer zerbrochen ist. Noch im übertragenen Sinn.

    Es muss eine Landschaft von gewaltigen Dimensionen und märchenhafter Pracht gewesen sein – das Grab des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi. 210 vor Christus war der grausame Herrscher gestorben. Beinahe jedem ist seine aus mehr als 7.000 Soldaten bestehende "Terrakotta-Armee" ein Begriff. 100 Jahre später berichtete der Historiker Sima Qian über die innere Grabkammer der 56 Quadratkilometer großen Mausoleumsanlage, an deren Bau Hunderttausende von Arbeitern mitgewirkt haben müssen. Auf dem Boden erstrecke sich ein Modell des vom Kaiser geeinten China, mitsamt seiner hundert wichtigsten Seen und Flüsse. In den Flüssen soll, ununterbrochen und von einer geheimnisvollen Mechanik gefördert, eine magische Flüssigkeit geströmt sein: Quecksilber.

    Ähnliche Berichte hört man von anderen Grabstätten. Auch auf der anderen Seite der Erde, unterhalb der mexikanischen Ruinenstadt Teotihuacán, haben Forscher soeben große Mengen Quecksilber entdeckt. Sie glauben, es handele sich um ein präkolumbisches Herrschergrab; das Quecksilber könnte – analog zum altgriechischen Styx – den Fluss zur Unterwelt dargestellt haben.

    Unser Verhältnis zum Quecksilber war lange Zeit bestimmt von Enthusiasmus. Seine faszinierenden physikalischen Eigenschaften als einziges bei Normaltemperatur flüssiges Metall und seine magische optische Wirkung haben den Stoff seit der Antike wertvoll erscheinen lassen. König- und Kaisertum umgaben sich seit je mit dem geheimnisvollen Metall. Bis ins 20. Jahrhundert liebten die Maler das Mineral, aus dem das Quecksilber gewonnen wurde: Cinnabarit oder Zinnoberrot. Ein Quecksilbersulfid (HgS), das man auch rösten konnte. Bei der Oxidation entstanden dann Schwefeloxid und eben das begehrte elementare Quecksilber.

    Über Jahrhunderte erste Wahl bei Hautkrankheiten

    Was es noch weitaus begehrter machte: Es war immer schon aufs Engste mit dem edlen Gold verbunden. Das wussten nicht erst die Alchimisten. Diese glaubten, alle Metalle seien aus den drei Grundstoffen Quecksilber, Schwefel und Salz zusammengesetzt. In einem Reifungsprozess entstünden dann aus unedlen edle Metalle wie Gold. Quecksilber braucht man, wie schon Plinius der Ältere in seiner Naturalis historia (77 nach Christus) beschreibt, zur manuellen Goldgewinnung aus Erz. Bereits er kannte die Amalgamation, also das Verfahren, wie man Gold chemisch, mittels Quecksilber, aus Erz herauslöst. Dazu mischt man dem goldhaltigen Erz Quecksilber bei, das daraufhin mit dem edlen Metall ein Amalgam bildet. Dieses setzt sich am Grund der Sammelgefäße ab.

    Und genau dieses antike Verfahren hat sich um keinen Deut geändert. Mit ihm holen noch heute Goldwäscher weltweit Gold aus Erz heraus, in einem verblüffenden Ausmaß. Neben den großen Energiekonzernen, die Kohlekraftwerke betreiben, sind die zweitgrößten Verursacher von Quecksilberemissionen kleine, dezentrale Goldwäschereien. Mehr als 30 Prozent der weltweiten Hg-Emissionen stammen von den Goldwäschern, typischerweise aus Afrika und Südamerika.

    Bei steigenden Goldpreisen kann sich inzwischen sogar das Durchkämmen alter Abraumhalden nahe wichtigen Erzlagerstätten rentieren. In Almadén in Südspanien zum Beispiel, im Monte Amiata, einem erloschenen Vulkan südlich von Siena, in den slowenischen Alpen oder in finnischen Bächen.

    Gesund ist das aber in keinem Fall. Besonders die Trennung von Gold und Quecksilber durch Erhitzen, wobei das gasförmige Quecksilber sich in der Werkstatt oder der Küche verteilt, hat meist fatale Folgen. Nicht nur für die direkt Beteiligten, sondern auch für die Umwelt – am Ende landet das Zeug in der Atmosphäre.

    Unsere innigste Verbindung mit dem Quecksilber jedoch ist eine andere: In Europa, aber auch in arabischen Ländern und besonders Indien gilt das quicke Silber seit Jahrtausenden als medizinisches Mittel bei Hautkrankheiten. Quecksilbersalben hielt schon Aristoteles für heilsam. Läuse, Jucken, Geschwüre, Krebs und Lepra behandelte man im mittelalterlichen Europa mit den bekannten grauen Salben. Und noch heute ist Hg in der Zahnmedizin nicht wegzudenken.

    Fast so alt wie die Quecksilbermedizin ist allerdings auch die Kritik an ihr, denn die Nebenwirkungen sind heftig, bisweilen tödlich. Vergiftungserscheinungen wie Tremoranfälle, Lähmungen und Anorexie sind von Berufen bekannt, in denen man mit Quecksilber in Berührung kam, bei Vergoldern, Chemikern, Spiegelmachern, Malern und Heilkundlern. Im 16. Jahrhundert entstand darum ein erbitterter Streit in der Medizin zwischen "Mercurialisten" und "Antimercurialisten". Letztere verfluchten das flüssige Metall und empfahlen stattdessen Aderlass, Frömmigkeit und Enthaltsamkeit. Bei diesen Alternativen war es vielleicht kein Wunder, dass Quecksilber über Jahrhunderte erste Wahl bei Hautkrankheiten war – drängte es doch zumindest für eine gewisse Zeit die Symptome zurück. Bis der Tod durch Vergiftung eintrat.



    Ihren Höhepunkt erlebte die europäische Quecksilbermedizin in der frühen Neuzeit, als sich in Europa die Syphilis epidemisch ausbreitete. Man glaubte auch hier an eine Hauterkrankung. Bader und Quacksalber (deren Name wahrscheinlich vom Quecksilber herrührt) behandelten die "Lustseuche" bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts mit Quecksilber-Einreibungen. Der Marquis de Sade, Cyrano de Bergerac und Casanova, Franz Schubert, Friedrich Nietzsche und Charles Baudelaire waren prominente Opfer – der Syphilis, doch vermutlich und hauptsächlich der Hg-Therapie. Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts Arsenpräparate entwickelt wurden, mit deren Hilfe die Krankheit gezielt behandelt werden konnte, wurde auf Quecksilbersalben verzichtet. Seit Mitte des Jahrhunderts therapiert man die Krankheit mit Antibiotika.

    Und heute? Ist die Medizin dem Jahrtausende währenden üppigen Einsatz von Quecksilber entwachsen? Mitnichten! Neben dem Amalgam im Mund gibt es auch heute noch quecksilberhaltige Impfstoffe. Ayurvedische Mediziner nutzen das Schwermetall – und gelegentlich hört man von massiven Vergiftungen ihrer Patienten. In Afrika wird Hg-Salbe benutzt, um die Haut zu bleichen. Und auch die klassische Homöopathie wartet mit dem Stoff auf: Mercurius solubilis wird gern gegen Unruhe, Impulsivität und Arroganz verschrieben. Zum Glück für die Kranken allerdings hochverdünnt.

    Quecksilber gelangt in die Atmosphäre – und wandert so um die Welt

    Alle bisher geschilderten Beziehungen zwischen Mensch und mercury beruhen mehr oder weniger auf Freiwilligkeit. Die zunehmende technische Nutzung des flüssigen Metalls aber hat die gesundheitlichen Kollateralschäden globalisiert und unausweichlich gemacht. Das erkannte die Menschheit jedoch erst Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals erkrankten zahlreiche Menschen in der südjapanischen Küstenstadt Minamata an einer rätselhaften, oft tödlich verlaufenden Vergiftung. Der Chemiekonzern Chisso hatte Quecksilberschlämme aus der Acetaldehyd-Produktion im Meer vor Minamata verklappt. Über die marine Nahrungskette reicherte sich das Gift an – die vom Fischen lebenden Bewohner der Gegend erkrankten massenhaft, es kam zu einer Katastrophe, die nach heutigen Schätzungen mehr als zehntausend Menschen betraf; über tausend sollen daran gestorben sein. Die chronische Vergiftung durch organische Quecksilberverbindungen nennt man seitdem Minamata-Krankheit.

    Das rätselhafte Verschwinden des Quecksilbers

    Ein weiteres schweres Unglück geschah zu Beginn der siebziger Jahre im Irak. Hier benutzte man zum Brotbacken irrtümlich mit Quecksilber gebeiztes Saatgut. Tausende erkrankten, rund 500 Tote wurden registriert, die wirklichen Zahlen liegen wohl noch deutlich höher. Fast zur gleichen Zeit entdeckte man in skandinavischen Seen massenweise Fische mit so hohen Quecksilberkonzentrationen, dass der Verzehr gesundheitsschädlich war.

    Was man lange nicht verstand: In der Nähe der betroffenen Seen gab es weit und breit keine Fabriken, die mit Quecksilber hantierten. Erst als sich neue Forschungsbereiche wie Umweltchemie und Ökotoxikologie und eine verbesserte Spurenanalytik entwickelt hatten, fand man eine Erklärung. Die Giftfracht war auf dem Luftweg aus der DDR gekommen. Zum Beispiel aus Bitterfeld und dem damaligen "Plaste und Elaste"-Werk Buna in Schkopau.

    Über die Atmosphäre, so realisierte man, kann Quecksilber in ferne Gegenden gelangen. Eine Sensation, die zu einer wichtigen Einsicht führte: Verseuchung entsteht eben nicht unbedingt an der Emissionsquelle, also am Kraftwerk oder an einer Fabrik. Quecksilber ist ein globales Thema. Weltweit entstand nun ein Netz von Messstellen. Von der EU finanziert, kümmert sich das GMOS, das Global Mercury Observation System, um die Mobilität des flüssigen Silbers.



    Bei der Datenanalyse fanden die Wissenschaftler Beunruhigendes heraus. Quecksilber wird nicht nur über tausend Kilometer verweht. Es kann sich ein halbes Jahr lang oder länger in der Atmosphäre aufhalten und in dieser Zeit rund um den Globus transportiert werden. Wird in China ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb genommen, haben auch wir Europäer mit den Emissionen zu tun. Weiteres Resultat: Fast 50 Prozent der Emissionen weltweit sind menschengemacht. Künstliche Quellen sind vor allem Kohlekraftwerke und die Feuerstellen der Goldwäscher.

    Um den anthropogenen Anteil an der globalen Quecksilberfracht herauszufinden, muss man die natürlichen Quellen studieren. So wie Andreas Weigelt. Auf einem Foto sieht man den Mann im Frachtraum eines italienischen Forschungsflugzeuges eingeklemmt zwischen Messgeräten. Bei einer Untersuchung am Ätna fahndete er in der Abluftfahne des Vulkans nach natürlichem Quecksilber. Man kann den Mitarbeiter des Helmholtz-Zentrums für Material- und Küstenforschung in Geesthacht (HZG) aber auch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs von TUI Cruises treffen, wie er eine ähnliche Messanlage installiert. Vom Schiff aus lassen sich Abgasfahnen von Kraftwerken und anderen Schiffen untersuchen oder die Emissionen, die bei großen Waldbränden entstehen. Der Geesthachter Umweltchemiker will Genaueres über den Transport von Quecksilber in der Atmosphäre wissen: wo sind Hg-Quellen. Er möchte aber auch in Erfahrung bringen, wo das Metall in Reservoirs (Quecksilbersenken) aufgenommen und gespeichert wird. Sogenannte Senken reduzieren den Anteil eines Stoffs in der Luft – wie man es von der CO₂-Senke Regenwald kennt.

    Die Frage nach dem Verschwinden des Quecksilbers ist keineswegs trivial. Die Forschungen der Geesthachter Wissenschaftler führen nicht nur zu einem differenzierteren Bild vom globalen Quecksilberkreislauf. Sie fördern auch Mysteriöses zutage. Ralf Ebinghaus, Leiter der Abteilung Umweltchemie am HZG, erinnert sich gut an die Verblüffung, als man Ende der neunziger Jahre feststellte, dass in polaren Regionen zu Beginn des arktischen beziehungsweise antarktischen Frühlings plötzlich alles Quecksilber aus der Atmosphäre verschwand.

    "Das war ein Rätsel für uns", sagt er. Bis er herausfand: Das Zeug sank mit einem Schlag zu Boden. "100 bis 300 Tonnen des reaktionsträgen gasförmigen Quecksilbers gelangten so ins Eis." Das ist beträchtlich! Als wasserlösliche und bioverfügbare Verbindung gelangt das Gift in die Körper dort lebender Menschen und Tiere. Fisch essende Inuit macht es krank und genauso Wale, Robben und Möwen.

    Je mehr man von dem Element weiß, desto weniger versteht man es

    Doch fast hat es den Anschein, dass man umso weniger vom Quecksilber versteht, je mehr man von ihm weiß. So erzählt Ralf Ebinghaus von einer Zone am Cape Point südlich von Kapstadt. Auch hier hat man das Phänomen entdeckt, dass innerhalb von Stunden alles Quecksilber aus der Atmosphäre verschwindet. Und niemand hat eine Idee, wie das passieren kann. Wir kennen zwar viele Quellen, aber zu wenig Senken. Überall, gerade in asiatischen Schwellenländern, steigen seit Jahren die Quecksilberemissionen rapide an. Und trotzdem sinkt weltweit die Konzentration in der Atmosphäre. Die globale Bilanz ist unverstanden.
    So hat die Quecksilberforschung etwas von dem Versuch, eines der silbernen Kügelchen mit den Fingern zu fassen. Das Metall ist überall. Nicht einmal die Wissenschaftler sind sauber von ihrem Forschungsgegenstand zu trennen. Bis zu 2.200 Tonnen Quecksilber lagern in den Zähnen der EU-Bewohner – als Amalgamplomben. Wir alle sind Quecksilbersenken!
    zeit.de

    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
    Thomas Alva Edison (1847 - 1931)
    [Regeln] News-Bereich


  10. Bedankos Buster01, reho, Struppi, märi bedankte(n) sich für diesen Post
  11. #6
    Awards:
    Posting Award
    Avatar von delle59




    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    NRW
    Beiträge
    6.118
    Points
    6.798
    Level
    54
    Level completed: 24%, Points required for next Level: 152
    Overall activity: 52,0%
    Achievements:
    SocialRecommendation Second Class7 days registered5000 Experience PointsOverdrive

    AW: Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen

    BGH verbietet Energiesparlampen mit zu viel Quecksilber

    Wenn Energiesparlampen kaputt gehen, kann giftiges Quecksilber austreten. Nun hat der Bundesgerichtshof entschieden: Exemplare mit hohem Quecksilbergehalt dürfen nicht länger verkauft werden.

    Im Streit über überhöhte Quecksilberwerte in Energiesparlampen hat sich die Deutsche Umwelthilfe gegen ein niedersächsisches Unternehmen durchgesetzt. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom Oktober 2015, das den Vertrieb der bestimmten Lampen untersagte.

    Der Quecksilbergehalt in den betroffenen Energiesparlampen habe die im Elektrogesetz festgelegten Grenzwerte überstiegen, hieß es. Gleichzeitig bejahte der BGH erstmals, dass bei Verstößen gegen die Umweltauflage Verbände und Konkurrenten ein Klagerecht haben und sich auf die Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb berufen können. Der Grenzwert diene auch dem Gesundheitsschutz der Verbraucher, begründete der Senat das Klagerecht der Verbraucherschützer.

    Der EU-weite Grenzwert liegt seit 2013 bei 2,5 Milligramm pro Lampe. Die Deutsche Umwelthilfe hatte im Jahr 2012, als noch ein Grenzwert von 5 Milligramm galt, in zwei getesteten Lampen einmal 13 und einmal 7,8 Milligramm Quecksilber entdeckt. Der Hersteller vertrat die Ansicht, dass einzelne Ausreißer nach oben nicht zählten und man den Durchschnittswert aus je zehn Lampen betrachten müsse. Dem schlossen sich die Karlsruher Richter nicht an. Sie sehen in den überschrittenen Grenzwerten einen klaren Verstoß gegen die gesetzlichen Regeln.
    (AZ: I ZR 234/15)
    spiegel.de
    Ich bin fest davon überzeugt, daß es für den Tonfilm einen Markt gibt.
    Thomas Alva Edison (1847 - 1931)
    [Regeln] News-Bereich


  12. Bedankos reho, märi bedankte(n) sich für diesen Post

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •