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    US-Atomwaffen sollen in Deutschland modernisiert werden

    US-Atomwaffen sollen in Deutschland modernisiert werden
    Die Aufrüstungspläne der US-Regierung sind umfangreicher als bisher bekannt. Einem Bericht zufolge werden auch in Deutschland stationierte Sprengköpfe überarbeitet.


    Die United States Air Force führte 1998 Tests mit einem B61-11-Modell in Alaska durch
    © John Lasky/USAF/Reuters

    Die USA wollen einem Bericht des Spiegel zufolge ihre in Deutschland stationierten Atomwaffen modernisieren. Das geht nach Informationen des Magazins aus einem Bericht der Nationalen Nuklearen Sicherheitsbehörde an den US-Kongress hervor. Die Behörde behält sich demnach die Möglichkeit vor, Waffen mit neuen Fähigkeiten zu bauen. Die in Deutschland gelagerten freifallenden Atombomben des Typs B61 könnten demnach zu präzisen Lenkwaffen umgerüstet werden.


    Die Bundesregierung hatte in diesem Jahr in Antworten auf Anfragen (pdf) der Gru?nen und der SPD mitgeteilt, dass es bei der Modernisierung der Atomwaffen nicht darum gehe, "neue Waffen oder neue militärische Fähigkeiten zu schaffen". Dies entspreche den Vorgaben des US-Präsidenten Barack Obama.

    Die Vereinigten Staaten sind in Besitz von über 2.000 aktiven Atomsprengköpfen. Sie basieren auf der Technologie aus den siebziger Jahren. Seit den fu?nfziger Jahren stationieren die USA Atomwaffen in der Bundesrepublik. Geschätzte zehn bis 20 Exemplare der Atombombe B61 sollen noch auf dem Fliegerhorst des Eifeldorfs Büchel lagern. Ab 2019 sollen laut Spiegel nach aktuellen Plänen die runderneuerten B61-12-Bomben hergestellt werden, von denen ein Teil auch in Deutschland stationiert werden soll.

    US-Forscher kritisieren laut Spiegel vor allem die Modernisierung dieser B61-Fliegerbomben. Experten hielten die Waffen in ihrem heutigen Zustand für militärisch nutzlos und befürchten, Russland könnte die runderneuerten Waffen als erhebliche Bedrohung einstufen. In dem Anfang 2011 verabschiedeten "New Start"-Abrüstungsvertrag hatten sich die USA und Russland dazu verpflichtet, die Zahl ihrer einsatzfähigen strategischen Atomwaffen in den nächsten sieben Jahren auf jeweils 1550 zu reduzieren.

    60 Milliarden Dollar soll die Modernisierung kosten

    Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Gerhard Piper, kritisierten bereits im vergangenen Jahr, dass die Modernisierung der B61-Bomben eher auf eine neue, militärisch variablere Waffe hinauslaufe als auf einen reinen Ersatzteilaustausch. In einer Untersuchung, die sich auf amerikanische Regierungsdokumente stützt, beschrieben die beiden Autoren, dass die neue Waffe nach der Überholung "wesentlich zielgenauer als die bisherigen" werden könne.


    Einem Bericht des US-Forscherverbandes Union of Concerned Scientists (UCS) zufolge will die US-Regierung in den kommenden 25 Jahren 60 Milliarden Dollar in die Modernisierung ihres nuklearen Arsenals stecken. Erst im Juni hatte US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation angeboten, das US-Atomwaffenarsenal um ein Drittel zu verkleinern.
    Quelle

    Atombomben, ja bitte!
    Geändert von delle59 (23.09.15 um 11:52 Uhr)
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    Nuklearwaffen in Europa: USA machen Alt-Atombombe zu Allzweckwaffe


    USAF


    Die USA wollen Atombomben des Typs B61 noch umfassender modernisieren als bisher zugegeben. Die neue Variante soll jetzt alle bisherigen nuklearen Fliegerbomben ersetzen, sogar großformatige strategische Waffen - und auch in Deutschland stationiert werden.

    Kampfflugzeuge, die in Deutschland starten, Richtung Osten donnern und Atombomben auf angreifende Armeen werfen: Es ist, sollte man meinen, ein Szenario aus den lange vergangenen Tagen des Kalten Krieges. Dennoch sind in Europa noch immer nukleare Fliegerbomben der USA stationiert - auch in Deutschland, wo bis zu 20 Waffen des Typs B61 auf dem Fliegerhorst beim deutschen Eifeldörfchen Büchel lagern.

    Die werden keineswegs, wie von der Bundesregierung bereits mehrfach befürwortet, demnächst abgezogen - sondern sollen noch leistungsfähiger werden als bisher bekannt.

    Vertreter des Militärs, des Pentagons und des Energieministeriums haben vergangene Woche Details des B61-Programms vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses erläutert. Die neue Variante der Atombombe, genannt B61-12, soll demnach nicht nur die älteren Typen 3, 4, 7 und 10 ablösen, sondern auch den nuklearen Bunkerknacker B61-11 und die strategische B83-Bombe überflüssig machen. Letztere besitzt eine Sprengkraft von bis zu 1,2 Megatonnen TNT, was mehr als dem 90-fachen der Hiroshima-Bombe entspricht.

    Die erste B61-12 soll bis zum Jahr 2020 fertiggestellt werden. 2024 sollen alle alten Bomben abgelöst sein. Dann, so der Plan, kann die neue Waffe mit Kampfflugzeugen wie der F-16, dem neuen Jagdbomber F-35 und mit strategischen Bombern wie der B-2 "Spirit" oder dem geplanten neuen Bomber LRS-B eingesetzt werden.

    Auch die in Büchel stationierten Tornado-Jagdbomber sollen die neue B61-12 nutzen, allerdings nur als analoge ballistische Gleitbombe ("System 1"). Als "System 2" wird sie dagegen zur modernen, digitalisierten Lenkwaffe, zur atomaren Präzisionsbombe für moderne digitalisierte Flugzeuge wie die F-35, den "Joint Strike Fighter". Möglich macht das vor allem das moderne Heckleitwerk, das zeitgleich mit der B61-12 durch den Boeing-Konzern entwickelt wird und für rund 1,6 Milliarden Dollar in mehr als 800 Exemplaren beschafft werden soll.

    Von diesem "System 2" versprechen sich die US-Militärs besonders viel: Aufgrund der größeren Zielgenauigkeit benötigt die Waffe künftig eine deutlich geringere Sprengkraft als die meisten Vorgängerversionen. Die kleinste bisherige B61, die B61-4, besitzt eine Zerstörungskraft von 50 Kilotonnen TNT, das Vierfache der Hiroshima-Bombe. An Bord der neuen B61-12 soll das ausreichen, um all jene Ziele zu bekämpfen, für die bislang Waffen mit 300, 400 oder mehr Kilotonnen eingeplant waren.

    Warnung vor einer Waffe mit neuen Fähigkeiten

    Experten sehen in der B61-12 deshalb weit mehr als eine reine Lebenszeitverlängerung oder eine leicht aufpolierte Version alter Bomben. Man habe es de facto mit einer Waffe mit neuen militärischen Fähigkeiten zu tun - was ein Verstoß gegen die Vorgabe von US-Präsident Barack Obama wäre, keine neuen Nuklearwaffen und auch keine mit neuen militärischen Fähigkeiten mehr zu entwickeln.

    In Europa seien bisher keine Bomben mit den militärischen Fähigkeiten der B61-7, der B61-11 oder der B83 stationiert, schreibt Hans Kristensen von der Federation of American Scientists in einem Blog-Beitrag. Die neue B61-12 solle das Potential all dieser Waffen in sich vereinen. "Nicht schlecht für eine simple Lebensdauerverlängerung", meint Kristensen. Die B61-12 werde damit zur "All-in-One-Atombombe auf Steroiden".

    Ähnlich äußert sich Stephen Young von der Union of Concerned Scientists. Die zuständige Nationale Nukleare Sicherheitsbehörde (NNSA) selbst nenne bei 15 der 16 geplanten Verbesserungen nicht etwa verbesserte Sicherheit und Schutz vor Überalterung als Zweck - sondern eine Verbesserung der Leistung. Das zeigt laut Young, dass die Leistungssteigerung die "treibende Kraft" hinter dem Modernisierungsvorhaben sei.

    Doch die Frage nach den Motiven der NNSA hält Oliver Meier von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) nicht einmal für entscheidend. Denn: "Die neuen Fähigkeiten werden in jedem Fall da sein." Das hätten nicht nur externe Experten, sondern auch der US-Rechnungshof GAO bereits betont. Und mit dieser Realität, meint Meier, "muss man sich auseinandersetzen."

    Gefahr für Abrüstungsverhandlungen

    Die NNSA versucht zu beschwichtigen: Man benutze für die B61-12 überarbeitete nukleare Komponenten einer vorhandenen Bombe und schaffe keine neuen militärischen Fähigkeiten. Schließlich könnten alle Ziele, für die die B61-12 gedacht sei, bereits jetzt bekämpft werden - mit Waffen, die eine wesentlich größere Sprengkraft besitzen. Außerdem könne man mit Hilfe der B61-12 den Gesamtbestand der luftgestützten US-Atombomben auf rund die Hälfte des heutigen Werts reduzieren.


    Doch Beobachter warnen vor einer Gefahr für die Abrüstungsverhandlungen zwischen Nato und Russland. Dass die B61-12 nun auch den Bunkerknacker B61-11 und die strategische B83 ersetzen soll, sei "in der Tat beunruhigend", sagt Meier. "Die Russen modernisieren ihr Arsenal zwar auch, werden das B61-Programm aber sicher dankbar aufgreifen, um die Ernsthaftigkeit der Nato in Frage zu stellen." Bei den Abrüstungsbemühungen sei die B61-Modernisierung deshalb "bestimmt nicht hilfreich".

    Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik sieht die kommende Bundesregierung in der Pflicht. "Sie sollte in Washington klar machen, dass Europa die neue Bombe nicht braucht und keine Trägersysteme dafür zu Verfügung stellt." Die Nato müsse Russland dringend konkrete Angebote machen, auch bezüglich der umstrittenen US-Raketenabwehr, die von Moskau als Bedrohung empfunden wird. "Wenn dies alles scheitert", so Neuneck, "werden neue taktische Nuklearwaffen in Europa stationiert, und nukleare Abrüstung wird für Jahrzehnte unmöglich."

    "Wir müssen das Programm zu Ende bringen"

    Die NNSA hält derweil eisern an der B61-Modernisierung fest - trotz der Kritik von Abrüstungspolitikern und einer enormen Kostenexplosion. Denn für die Behörde ist das B61-Projekt nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem moderneren, deutlich effizienteren Nuklearwaffenpotential der USA. Im November 2012 beschloss das Nuclear Weapons Council, ein Ausschuss der zuständigen Staatssekretäre, die sogenannte 3-plus-2-Strategie, mit der die Atomwaffen der USA bis weit in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts einsatzbereit gehalten werden sollen.


    Washington plant künftig nur noch mit drei Atomsprengköpfen für see- und landgestützte Langstreckenraketen. Zwei weitere sollen an Bord von Kampfflugzeugen zum Einsatz kommen: Eine Bombe, die B61-12, und ein noch zu definierender Sprengkopf für die künftigen luftgestützten Marschflugkörper der USA, der aber ebenfalls auf der B61 basieren soll.

    Das B61-Programm darf aus Sicht der NNSA auch deshalb nicht kippen, weil es sonst wie ein Dominostein nachfolgende Projekte der 3-plus-2-Strategie mit umreißen würde. Selbst das geplante neue Abrüstungsabkommen mit Russland, in das erstmals nicht-strategische Atomwaffen einbezogen werden sollen, wäre aus ihrer Sicht kein Argument. "Täuschen Sie sich nicht", sagte Pentagon-Staatssekretärin Madelyn Creedon Ende Oktober vor dem Kongress. "Selbst wenn die Nato mit Russland ein Abkommen über eine wechselseitige Reduzierung der taktischen Nuklearwaffen aushandeln würde, müssten wir das B61-12-Programm im Rahmen der derzeitigen Zeitplanung zu Ende bringen."

    Auch die anderen vier Sprengkopftypen sollen gründlich modernisiert werden. Ob dabei nicht weitere weitgehend neue Waffen entstehen, ist offen. In einer Zukunftsplanung der NNSA, die kürzlich dem Kongress zuging, hieß es: "Die NNSA wird keine neuen nuklearen Sprengköpfe entwickeln oder neue militärische Fähigkeiten bereitstellen - es sei denn, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit zu verbessern."
    Quelle
    Geändert von delle59 (23.09.15 um 11:55 Uhr)
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    Nuklearwaffen werden nicht abgezogen, sondern modernisiert
    Politisch war der Abzug der US-Atombomben von deutschem Boden eigentlich schon entschieden. Aber jetzt werden sie offenbar durch hochmoderne neue Waffen ersetzt. Die Bundesregierung windet sich.


    Luftaufnahme vom Fliegerhorst Büchel - Foto: pa/dpa

    Aus der Zeit des Kalten Krieges lagern noch immer bis zu 20 alte Atombomben der USA in der Eifel. Politisch war ihr Abzug eigentlich schon entschieden. Doch bald sollen sie durch neue, hochmoderne Nuklearwaffen ersetzt werden.

    Was ist konkret vorgesehen?

    Bis 2020 plant die US-Regierung, ihre rund 180 in Europa lagernden Nato-Nuklearwaffen zu modernisieren. Wichtige Hürden hat das Vorhaben jüngst im US-Kongress genommen. Vom sogenannten „Lebensdauerverlängerungsprogramm“ ist auch Deutschland betroffen, genauer gesagt der Fliegerhorst Büchel. In der Vulkaneifel, zwischen Koblenz und Trier, werden aus der Zeit des Kalten Krieges noch immer bis zu 20 in die Jahre gekommene Atombomben der Typen B61-3 und B61-4 aufbewahrt – die letzten hierzulade.


    Diese Waffen sind für den Abwurf durch ein Flugzeug gebaut und besitzen die 13-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Mit der Lagerung auf deutschem Boden entspricht die Bundesrepublik der Nuklearen Teilhabe, also der Abschreckungstaktik der Nato.

    Wie steht die Bundesregierung zu den Modernisierungsplänen?
    Die Atombomben von Büchel gelten als offenes Geheimnis. Offiziell aber will die Bundesregierung deren Existenz nicht bestätigen. Doch wenn im schwarz-roten Koalitionsvertrag vom angestrebten „Abzug der in Deutschland und Europa stationierten taktischen Atomwaffen“ die Rede ist, erklärt sich das von selbst. Eigentlich galten die Atombomben auf deutschem Boden politisch schon mehrfach als tot. Die Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Guido Westerwelle (FDP) machten sich in ihren Amtszeiten für einen endgültigen Abzug der Nato- Bomben stark, ebenso Verteidigungsminister Peter Struck und Rheinland-Pfalz’ langjähriger Regierungschef Kurt Beck (beide SPD). Auch der Bundestag sprach sich 2010 mit großer Mehrheit für dieses Ziel aus. Lange schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Bundesregierung von den USA verlangen würde, die Nuklearwaffen aus Deutschland abzuziehen. Gekommen ist es dazu bis heute nicht.

    Auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung antwortet das federführende Auswärtige Amt: „Solange Kernwaffen als Instrument der Abschreckung im strategischen Konzept der Nato eine Rolle spielen, hat Deutschland ein Interesse daran, an den Diskussionen und Planungsprozessen teilzuhaben. Das wäre durch eine Politik der einseitigen Schritte gefährdet.“ Wenn die USA also bald wie geplant ihre in die Jahre gekommenen Atombomben gegen die neuentwickelte B61-12 austauschen sollten, werden auf deutschen Boden die modernsten Nuklearwaffen der Welt lagern – ebenfalls für den Abwurf durch einen Bomber. Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums kostet das Modernisierungsprogramm bis zu zehn Milliarden Dollar.

    Wie leben die Menschen in Büchel mit diesen Waffen vor ihrer Tür?
    Schon früh am Morgen steigen in dem idyllischen Eifeldörfchen die Kampfflugzeuge der Bundeswehr auf und fliegen ihre Übungsmanöver. Den ohrenbetäubenden Lärm und den Anblick der Jagdbomber sind die 1200 Einwohner gewohnt. „Wer gegen den Fliegerhorst ist, ist hier allein“, sagt der ehemalige Ortsbürgermeister Richard Benz, der nur zwei Kilometer von der Startbahn entfernt wohnt. Der pensionierte Tischler stellt klar: „Viele von uns hätten keine Arbeit, gäbe es die Tornados nicht.“ Würde der Fliegerhorst geschlossen, verlöre die Region auf einen Schlag 2000 Arbeitsplätze verlieren, darunter 800 zivile – und in den Jahren danach wohl noch viel mehr. Das relativiere in einer strukturschwachen Region vieles. Sogar, dass bald neue Atombomben in Büchel einziehen sollen. Doch nicht alle hier denken so. An der Einfahrt zum Fliegerhorst Büchel, kurz vor dem Schlagbaum, wehen die deutsche und die US-amerikanische Flagge einträchtig im Wind. An diesem Ort hat Elke Koller schon oft gestanden und mit Gleichgesinnten gegen die Atombomben in ihrer Nachbarschaft demonstriert. Ihre Mitstreiter kommen aus ganz Deutschland. Meist singen oder fasten die Friedensaktivisten und Atomwaffengegner. Es ist auch schon vorgekommen, dass einige Wagemutige den Zaun durchgeknipst haben, um dann zu testen, wie nah sie den Bomben wohl kommen können. „Hier wird internationales Recht gebrochen“, ist Koller überzeugt. Die 71-Jährige hat viele Jahre eine Apotheke im nahen Cochem betrieben und sich bei den Grünen engagiert – bis diese unter Kanzler Schröder dem Bundeswehreinsatz im ehemaligen Jugoslawien zustimmten. Koller will, dass die Atombomben aus Büchel verschwinden. Deutschland habe 1969 den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, die Bomben in ihrer Nachbarschaft seien jedoch ein klarer Verstoß dagegen.

    [spoiler=Wie sich das mit dem Atomwaffensperrvertrag vereinbart] Über die vertraglichen Feinheiten lässt sich streiten. Genau genommen hat die Atommacht USA ihre Waffen in Büchel nicht der Bundesrepublik übergeben. Innerhalb des Fliegerhorsts lassen die Amerikaner die Bomben von den 140 Soldaten einer eigenen Munitionssicherungs-Einheit bewachen. Deutsche Soldaten können diesen Bereich nicht einfach betreten. Das Areal mit den entsprechenden Flugzeug-Sheltern ist mit einem zusätzlichen Doppelzaun geschützt, die US-Soldaten tragen Waffen. Die Verfügungsgewalt über die Atombomben liegt bei US-Präsident Barack Obama. Dennoch sind die Bücheler Bomben auch eine deutsche Angelegenheit. Sollten die Atombomben jemals zum Einsatz kommen, gäbe es vor Ort keine Flugzeuge der US-Air-Force. In Büchel stünden für ihren Abwurf allein Bundeswehr-Tornados mit ihren Zweierbesatzungen aus deutschen Piloten und Waffensystemoffizieren bereit. Aus US-Atombomben könnten im Handumdrehen deutsche werden.

    Sind die deutschen Soldaten auf einen Einsatz der Atomwaffen vorbereitet?

    Wer mit den Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel sprechen oder überhaupt den Fliegerhorst von innen sehen will, muss seine Fragen zu den Atombomben draußen lassen. Ob die deutschen Tornado-Crews diesen Ernstfall trainieren oder ob sie überhaupt bereit wären, den Befehl zum Abwurf einer Atombombe auszuführen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. In einer noch 2008 gedruckten Taschenkarte für Soldaten – der zentralen Dienstvorschrift 15/2 – heißt es eindeutig, der Einsatz atomarer Waffen sei deutschen Soldaten verboten. Dieser Passus findet sich seit der Überarbeitung der Dienstvorschrift im vergangenen Jahr im umfangreichen Handbuch allerdings nicht mehr wieder. Warum, das mag das Bundesverteidigungsministerium nicht kommentieren. Selbst Hellmut Königshaus (FDP), Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags und eigentlich erster Anwalt aller Soldaten, will darüber nicht reden und lässt nur knapp ausrichten, er habe keine Erkenntnisse dazu.

    Im Fliegerhorst darf Dieter Nestler, stellvertretender Kommodore des Geschwaders, nur über die Weiterentwicklung des Tornados Auskunft geben. Neben Nestler sind nicht weniger als acht Militärs gekommen, um Fragen zu beantworten, von denen sie wissen, dass sie hier nicht die existenziellsten sind. Bis Ende 2015 bekommen die rund 40 in Büchel stationierten Tornados nach und nach ein Software-Upgrade, das die Sicherheit der Besatzung deutlich erhöht. Außerdem wird eine neue lasergesteuerte GPS-Waffe integriert. „Unsere ersten Tests haben gezeigt, dass das Zusammenspiel phänomenal funktioniert“, sagt der Waffensystemoffizier, der namentlich nicht genannt werden will. Auch über die anderen kompatiblen Waffen spricht er. Dass der Tornado als einziges Bundeswehrflugzeug unter seinen Tragflächen aber auch Halterungen für zwei B61-Nuklearwaffen besitzt, das verschweigt er – anders als etwa das offizielle Youtube-Video der Bundeswehr zum Tornado.

    Welche Kosten entstehen Deutschland durch die Modernisierung der Waffen?

    Offiziell antwortet die Bundesregierung auf die entsprechende Frage: „Beim sogenannten Lebensdauerverlängerungsprogramm der US-amerikanischen Nuklearwaffen handelt es sich um ein nationales Programm der USA, bei dem keine Kostenbeteiligung ausländischer Streitkräfte vorgesehen ist.“ Doch Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit weist darauf hin, dass es schon jetzt Forderungen von Abgeordneten aus dem US-Kongress gebe, „die europäischen Verbündeten an den gesamten Kosten für die Entwicklung der B61-12 zu beteiligen“. Nato-Atombomben lagern zum Beispiel auch in Belgien und Italien. Und wenn die USA die neuen B61-12-Nuklearwaffen nach Büchel bringen, müssten zumindest die Halterungen am Tornado an die neuen, digital gesteuerten Bomben angepasst werden. Die Millionen für die Umbauten an den Maschinen müssten wahrscheinlich aus dem Bundeshaushalt kommen. Ob es in Deutschland überhaupt soweit kommt, wird allerdings nicht in Washington entschieden, sondern in Berlin. „So etwas geht nicht am Parlament vorbei“, sagt Agnieska Brugger, Obfrau der Grünen im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Es ist schwer, Bundestagsabgeordnete wie Brugger zu finden, die bereit sind, in dieser Frage offen über ihre Haltung zu sprechen. „Viele geben nur vorneherum die Abrüstungsbefürworter“, findet Brugger.[/spoiler]
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    AW: US-Atomwaffen sollen in Deutschland modernisiert werden


    Moderne US-Atomwaffen für Deutschland

    Seit 2009 fordert die Bundesregierung den Abzug der amerikanische Streitkräfte. Die hingegen beginnen mit der Modernisierung ihres internationales Atomwaffen-Arsenals in Deutschland. Gegen den internationalen Trend.

    Sie sind die letzten ihrer Art in Europa: Rund 150 bis 200 amerikanische Atombomben – davon bis zu 20 auf dem US-Stützpunkt bei Büchel in der Eifel. Seit 2009 hat die deutsche Regierung immer wieder ihren Abzug gefordert. Doch nun beginnen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit ihrer Modernisierung. Dazu werden auch die Sicherheitsvorkehrungen auf ihren sechs europäischen Atomwaffen-Standorten umfassend erneuert. Das bestätigte Otfried Nassauer vom Berliner Institut für Transatlantische Sicherheit unter Berufung auf Etat-Planungen der USA und der Nato. Die Atomwaffen der früheren Sowjetunion lagern heute ausschließlich in Russland.
    Höchste Geheimhaltung

    Das US-Programm steht unter höchster Geheimhaltung. Dennoch sickern immer wieder Einzelheiten durch. So wurde vor zwei Jahren ein Bericht der Nuklearen Sicherheitsbehörde über das Vorhaben an den Kongress bekannt. Im vorigen Jahr gab die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen zu, dass die USA ihre Bomben einem „Lebensverlängerungsprogramm“ unterziehen – ohne darüber mit ihr zu verhandeln. Außer in Büchel lagern die Bomben in Kleine Borgel (Belgien), Volkel (Niederlande), Aviano und Ghedi (Italien) sowie im türkischen Incirlik.

    Von dem Stützpunkt in der Türkei aus – wo mehr als 80 Atomwaffen lagern sollen – fliegen US-Flugzeuge Angriffe gegen den „Islamischen Staat“. Satellitenaufnahmen zeigen umfangreiche Bauarbeiten. Dagegen haben Investitionen der Bundeswehr von über 100 Millionen Euro in den Standort Büchel nicht unmittelbar mit den Maßnahmen für die Atomwaffen zu tun. Diese werden aus den Etats der USA und der Nato finanziert.

    Über die Modernisierung der Waffen selbst gibt es nur Berichte von Experten. In Europa lagern gegenwärtig verschiedene Varianten der Atombombe B 61. Seit Ende der 60er Jahre wurden davon mehr als 3000 Stück gebaut, von denen sich noch etwa 300 im aktiven Bestand befinden. Sie haben eine Sprengkraft die dem etwa vier- bis mehr als zehnfachen der Hiroshima-Bombe entspricht. Sie ist als einzige Atomwaffe außerhalb der USA stationiert.

    Die B61 kann auf verschiedene Sprengstärken eingestellt werden. Die modernisierten Waffen haben eine erheblich geringere Zerstörungskraft als die bisherigen. Dafür treffen sie genauer, weil sie nicht mehr nur aus Flugzeugen abgeworfen, sondern auch gesteuert werden können, so dass sie ihre Ziele so sicher finden wie auf moderne Raketen montierte Sprengköpfe. Damit heben sie den Unterschied zwischen kürzer reichenden „taktischen“ und den weiter reichenden „strategischen“ Atomwaffen auf. Es kommt nur noch darauf an, welche Reichweite die Trägerflugzeuge haben.



    Mitnehmen können sie auch Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr. Aber nur prinzipiell. Die „nukleare Teilhabe“ ist lediglich für den Ernstfall gedacht. Verfügungsgewalt über Atomwaffen hatte Deutschland nie. Im Kalten Krieg übte die Bundeswehr mit Attrappen aus Eisen. Dieses Training ist seit Jahren eingestellt.

    Regierung desinteressiert

    Die Modernisierung der B61 verfolgt nicht nur militärische Ziele. In einer Analyse des Programms schreiben die Sicherheitsexperten Otfried Nassauer und Gerhard Pieper auch, dass sie der Erhaltung industrieller Kapazitäten sowie der Qualifikation von Atomwissenschaftlern dienen.

    Das Interesse der Bundeskanzlerin am Abzug der Waffen ist übrigens nicht sonderlich groß. Als Außenminister Guido Westerwelle sich in der letzten schwarz-gelben Koalition vehement für den Abzug starkmachte, ging Merkels außenpolitischer Berater Christoph Heusgen 2009 in Gesprächen mit Washington auf Distanz, wie durch die „Wikileaks“ bekanntwurde
    .
    Unabhängig von der politischen Ausrichtung der Regierung setzen die USA auf die Modernisierung ihrer Atomwaffen. Aus Haushaltsunterlagen für den Kongress geht hervor, dass 2038 mit der Entwicklung einer B61-13 begonnen werden soll.
    fr-online.de

    Die sollen ihren Mist behalten die Amis.
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    AW: US-Atomwaffen sollen in Deutschland modernisiert werden

    Russland droht USA mit Gegenmaßnahmen

    Berichte über eine mögliche Aufstockung des US-Atomwaffenarsenals auf deutschem Boden haben Moskau offenbar in Aufregung versetzt. Russland würde darauf reagieren, um seine nationale Sicherheit zu gewährleisten, teilte ein Kremlsprecher mit.

    Russland hat vor einer möglichen Stationierung neuer taktischer US-Atomwaffen in Deutschland gewarnt und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Kremlsprecher Dmitri Peskow warf den USA am Mittwoch in Moskau vor, mit diesem "ernsten Schritt" die Spannungen in Europa zu verschärfen. Er reagierte damit auf einen Bericht des ZDF-Fernsehmagazins "Frontal 21" vom Dienstag, wonach die USA neue Atombomben vom Typ B 61-12 auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz lagern wollen. Eine offizielle Bestätigung für solche Pläne gab es nicht.

    "Das kann zu einer Zerstörung des strategischen Gleichgewichts in Europa führen", warnte Peskow. Russland werde durch die "Pläne" der USA gezwungen, seine nationale Sicherheit zu gewährleisten.

    Als Reaktion könne Moskau etwa taktische ballistische Raketen vom Typ Iskander in der Ostseeexklave Kaliningrad stationieren, sagte General Juri Balujewski der Agentur Interfax. Auch verstärkte russische Manöver in der Ostsee und im Schwarzen Meer könnten Maßnahmen sein.

    "Frontal 21" hatte sich auf US-Haushaltspläne berufen. Rüstungsexperten meinten in der Sendung, dass die neuen taktischen Nuklearwaffen zielgenauer seien als die Atombomben, die bislang in Büchel gelagert würden. Dem SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler zufolge soll der Bundeswehrstandort Büchel in den kommenden Jahren für 120 Millionen Euro modernisiert werden.

    Im Kriegsfall könnten dem Bericht zufolge deutsche Tornado-Piloten im Auftrag der Nato Angriffe mit den US-Bomben fliegen. In dem Bericht war von rund 20 neuen Atomwaffen die Rede, die zusammen die Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben haben.

    Deutschland hat keine eigenen Nuklearwaffen, doch ist seit Jahren bekannt, dass US-Atombomben auch hier lagern sollen. Offizielle Angaben darüber gibt es aber nicht.

    Offiziell haben die fünf UN-Vetomächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China Atomwaffen. Der von rund 190 Staaten unterzeichnete Atomwaffensperrvertrag von 1968 soll die Weiterverbreitung verhindern. Dennoch sollen etwa auch Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea, die den Vertrag nicht angenommen haben, über nukleare Waffen verfügen. Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa kritisierte angesichts der Berichte einen Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag.

    Experten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri schätzen die Zahl der weltweit existierenden Atomwaffen auf rund 16 000. Den Löwenanteil besitzen demnach die USA mit etwa 7300 und Russland mit 8000 Sprengköpfen.
    rp-online.de
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