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    Mali - Militärputsch, al Kaida und die internationale Gemeinschaft

    Mali-Einsatz
    Europas Freiheit wird jetzt in der Wüste verteidigt
    Lange galt Mali als afrikanisches Musterland. Dann traten Islamisten einen Feldzug an. Frankreich ist entschlossen, "vor den Toren Europas" einen Terrorstaat zu bekämpfen – ein Soldat starb bereits.

    In den letzten sechs Monaten hatte François Hollande stets betont, er werde keine Truppen nach Mali entsenden. Ein Versprechen, das der französische Präsident am Freitag kurzerhand über den Haufen warf. Jagdflugzeuge, Hubschrauber und einige Hundert Soldaten von Spezialeinheiten Frankreichs sind nun in Zentralmali im Einsatz.

    Sie bekämpfen dort radikale Islamisten, die den Norden Malis kontrollieren. Eine Region, die fast doppelt so groß wie Deutschland ist.

    Es sind drei extreme Gruppierungen, die dort einen exterritorialen Staat gebildet haben: Ansar al-Dine, die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) und al-Qaida im Maghreb (AQIM).

    Sie waren "Trittbrettfahrer" der Tuareg-Rebellion, die im März vergangenen Jahres das riesige Gebiet in nur drei Monaten erobert hatten. Nach Ausrufung eines unabhängigen Staates Azawad wurden die Tuareg von den radikalen Islamistengruppen vertrieben.

    Ein religiöses Paradies
    Rigoros diktierte man den Bewohnern der Städte Gao, Timbuktu und Kidal die Einhaltung der Scharia: Rauchen, Fernsehen, Musik und Alkohol sind nach islamischem Recht verboten. Es gab Steinigungen, mehreren vermeintlichen Dieben wurde die Hand abgehackt.

    Ein religiöses Paradies, das zunehmend strenggläubige Muslime aus aller Welt anzog. Rekruten aus Nigeria, Algerien, Libyen, dem Irak oder Pakistan wurden in Trainingslagern zu Dschihadisten ausgebildet. Eine Entwicklung, die die benachbarten Staaten Malis, aber auch die westlichen Staaten mit Sorge beobachteten. Einen afrikanischen Gottesstaat, ähnlich wie einst in Afghanistan unter der Ägide der Taliban, wollte man nicht tolerieren.

    Im Dezember autorisierte der UN-Sicherheitsrat die Internationale Unterstützungsmission in Mali (AFISMA). Eine 3000 Mann starke Eingreiftruppe der Ökonomischen Gemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas), die von europäischen Militärs ausgebildet werden sollte.

    Die EU hatte sich im vergangenen Jahr dazu bereit erklärt. Auch Soldaten der Bundeswehr sollten mit von der Partie sein. Wobei jedoch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle nun eine deutsche Beteiligung ausschloss. Zuerst müsse es einen "tragfähigen Fahrplan für die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung" geben, sagte Westerwelle in Berlin. "Eine allein militärische Lösung wird es nicht geben."

    Islamisten überschritten rote Linie
    Im März vergangenen Jahres hatte es in Mali einen Putsch gegeben. Die Armee setzte den demokratisch gewählten Präsidenten Amadou Toumani Touré ab, nachdem sie sich während der Tuareg- Rebellion als Kanonenfutter missbraucht sah.

    Die malischen Soldaten waren chancenlos gegen die Kämpfer des Nomadenvolks, die mit schweren Waffen aus dem libyschen Bürgerkrieg zurückgekommen waren.

    Frankreich hat, im Gegensatz zu Deutschland, keine Vorbehalte gegen einen militärischen Eingriff. Die Islamisten überschritten eine rote Linie, als sie am vergangenen Donnerstag die Kleinstadt Konna einnahmen. Sie bedrohten damit den strategisch wichtigen Militärflughafen von Sevare und das ebenfalls nahe liegende Mopti.

    Die Stadt in Zentralmali mit 100.000 Einwohnern, die als das Tor zum Süden des Landes gilt. Von hier aus sind es noch rund 600 Kilometer in die Hauptstadt Bamako.

    Alleingang durch UN-Resolution gedeckt
    "Das ist in der Tat eine signifikante Veränderung der Lage", sagte US-General Carter F. Ham, der Leiter des Afrikakommandos der USA. Der französische Präsident fand drastischere Worte: "Die Islamisten versuchen der Existenz Malis den Todesstoß zu versetzen", erklärte Hollande. "Frankreich wie auch seine afrikanischen Partner und die internationale Gemeinschaft können das nicht hinnehmen."

    In Laufe nur eines Tages wurden die Islamisten aus dem strategisch wichtigen Ort Konna vertrieben. Und dabei wird es vermutlich nicht bleiben.

    "Französische Truppen unterstützten die malische Armee im Kampf gegen terroristische Elemente", erklärte Hollande in Paris vor erstaunten Pressevertretern. "Die Operation wird so lange dauern, wie es eben nötig ist."

    Der französische Alleingang in Mali ist durch die Resolution 2085 des UN-Sicherheitsrats gedeckt. Aber auch durch ein offizielles Hilfegesuch der malischen Regierung an die ehemalige Kolonialmacht, von der man 1960 unabhängig geworden war. Die Intervention Frankreichs kam überraschend, man hatte sie aber offensichtlich längst vorbereitet. Truppenkontingente waren bereits im Senegal, in Burkina Faso und an der Elfenbeinküste stationiert.

    Spezialeinheiten seit Monaten in Mali
    Zudem gab es Berichte, dass sich französische Spezialeinheiten seit Monaten in Mali befanden. Frankreich kann auch vorgeben, die Interessen von über 6000 ihrer Staatsbürger zu schützen, die im Land ansässig sind. Das Militär und der Geheimdienst haben zudem mit al-Qaida eine Rechnung offen.

    Im August 2010 versuchte ein Kommando Michel Germaneau, der von den Terroristen entführt worden war, vergeblich zu befreien. Damals stürmten Elitetruppen ein Lager von Schmugglern statt das der Islamisten. Die Falschinformation war vom algerischen Geheimdienst (DRS) gekommen.

    In der Region halten sich vehement Gerüchte, dass die Islamisten im Norden Malis vom DRS logistisch unterstützt werden.

    USA sagen logistische Hilfe zu
    Einen Schatten auf die Intervention wirft der erste getötete französische Soldat. Der Hubschrauberpilot sei verwundet worden und später seinen Verletzungen erlegen, gab der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian bekannt. Aber Frankreich sei zum Kampf entschlossen, "um einen Terrorstaat vor den Toren Frankreichs und Europas" zu verhindern.

    Bei einem französischen Alleingang wird es nicht bleiben. Die USA haben zugesagt, logistische Hilfe zu leisten, schlossen aber einen Einsatz von Bodentruppen aus.

    Wie es mit der Intervention weitergeht, wird hinter den Kulissen zwischen Washington, Paris und afrikanischen Regierungen verhandelt. Man will die Islamisten ein für alle mal loswerden. Aber es soll kein zweites Afghanistan entstehen, in dem islamistische Terroranschläge zum Alltag gehören.

    Der Sprecher von Ansar al-Dine, einer der größten Rebellengruppen, bat bereits die aufrechten Muslime der Region um ihre Unterstützung. Die Gefahr, dass seine Worte Gehör finden, ist groß. Noch mehr Dschihadisten werden herbeieilen, um ihren bedrohten Brüdern beizustehen. Anschläge in Paris oder anderen europäischen Städten sind nicht ausgeschlossen. Frankreich hat ein gefährliches Abenteuer begonnen, dessen Ausgang ungewiss ist.
    Quelle


    Frankreich erhöht Sicherheitsvorkehrungen
    Geändert von delle59 (11.11.14 um 08:54 Uhr)
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    Islamisten schlagen zurück und drohen Paris
    Frankreich habe "das Tor zur Hölle geöffnet", propagieren al-Qaida-nahe Extremisten bei der Eroberung der malischen Stadt Diabaly.


    Foto: REUTERS
    Nairobi/Bamako/Paris/Berlin. Nach dreitägigen französischen Luftangriffen haben die islamistischen Rebellen in Mali eine Gegenoffensive gestartet. Die al-Qaida-nahen Extremisten hätten nach schweren Kämpfen am Montag die Stadt Diabaly im Landeszentrum erobert, erklärte das französische Verteidigungsministerium. Wie Anwohner berichteten, waren die Islamisten in der Nacht heimlich in den Ort eingedrungen. Die Extremisten drohten, die Regierung in Paris in einen langwierigen Konflikt zu ziehen: "Frankreich hat das Tor zur Hölle für alle Franzosen geöffnet." Die Regierung sei in eine Falle getappt, die weit gefährlicher als der Irak, Afghanistan und Somalia sei, sagte ein Sprecher der Gruppe Mujwa dem Rundfunksender "Europe 1".

    Die Nato befürwortete die Militärintervention Frankreichs. Eine Anfrage auf Unterstützung liege der Militärallianz nicht vor, fügte eine Sprecherin hinzu. Deutschland will sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen, prüft aber eine anderweitige Unterstützung des EU-Partners.

    Frankreich hatte am Freitag in die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen eingegriffen und seitdem mehrfach deren Stellungen im Norden des afrikanischen Landes bombardiert. Dabei kamen Dutzende islamistische Kämpfer ums Leben. Die Islamisten beherrschen den Norden des afrikanischen Landes. Befürchtet wird, dass sie ihre Stellungen dort als Ausgangsbasis für Angriffe auf den Westen sowie für die Zusammenarbeit mit al-Qaida im Jemen, Somalia und Nordafrika nutzen.

    Frankreich schickt 550 Soldaten
    Inzwischen hat Frankreich laut BBC 550 Soldaten in die malische Hauptstadt Bamako und in die zentralmalische Stadt Mopti entsandt. Währenddessen sagen immer mehr afrikanische Länder ihre Unterstützung zu. An der Eingreiftruppe unter nigerianischem Kommando wollen sich Benin, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Senegal, und Togo beteiligen.

    Die leitenden Offiziere dieser Einheiten kamen laut RFI am Sonntag in Bamako zusammen, um den von der Uno mandatierten Einsatz zu planen. Die ersten Soldaten werden der BBC zufolge innerhalb der nächsten Tage in Mali erwartet. Laut RFI stehen 500 nigrische Soldaten bereits zum Abmarsch bereit. Benin und Togo wollen gemeinsam ein Bataillon stellen, Senegal hat ebenfalls 500 Soldaten zugesagt, Nigeria will 600 entsenden.

    Auch einige westliche Staaten haben zugesagt, die französische Intervention namens "Serval" zu unterstützen. Großbritannien will laut BBC zwei Transportflugzeuge vom Typ C 17 bereitstellen. Auch die USA und Dänemark sagten Unterstützung zu.

    Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatte einen deutschen Militäreinsatz in Mali am Sonntag erneut ausgeschlossen. Deutschland unterstütze aber die Aufstellung einer afrikanischen Einsatztruppe in Mali. Weitere Zusagen könnten geprüft werden, wenn die "Eckdaten einer afrikanischen Mission stehen und die Einbettung in einen politischen Prozess geklärt ist".
    Quelle

    Die Mali-Intervention ist gut begründet
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    Deutschland schickt zwei Transall-Flugzeuge nach Afrika
    Zwei Transport-Flugzeuge der Bundeswehr sollen ins afrikanische Mali geschickt werden. Der Einsatz soll sofort beginnen – offenbar ohne ein Mandat des Bundestags.


    Eine Transall C-160 (dpa)
    Mit der Entsendung, die unverzüglich erfolgen solle, wolle Deutschland einen Einsatz der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas logistisch unterstützen, kündigte CDU-Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am Mittwoch in Berlin an.

    Die deutschen Flugzeuge sollten einen Einsatz der Ecowas unterstützen, nicht aber den Einsatz Frankreichs, betonte der Verteidigungsminister. Frankreich habe bereits im Gegensatz zur Ecowas Transporthilfe von anderen Staaten angeboten bekommen. FDP-Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte zu der geplanten Entsendung der Flugzeuge: „Das zeigt, wir kennen unsere Verantwortung“. Deutschland werde zudem ein Million Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung stellen.

    Bundestagsmandat nicht nötig
    Ein Mandat des Bundestags für den Einsatz ist nach Ansicht der beiden Minister nicht nötig. Es handele sich um eine Maßnahme unterhalb der Schwelle, die ein Bundestagsmandat erfordern würde, sagte de Maizière. Die Entsendung sei bereits mit den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag erörtert worden.

    Unterdessen sind französische Bodentruppen auf dem Vormarsch in den von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden Malis. Bisher hätten die Soldaten die Hauptstadt Bamako gesichert, die Menschen dort, Franzosen und EU-Bürger, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch dem französischen Sender RTL.

    Kidnapper in Algerien
    Kanzlerin Angela Merkel trifft am frühen Nachmittag mit dem Vorsitzenden der westafrikanischen Wirtschaftsunion Ecowas, Alassane Ouattara, in Berlin zusammen. Die Mitglieder der Wirtschaftsunion wollen rund 3300 Soldaten dorthin schicken. Derzeit befinden sich etwa 800 französische Soldaten in Mali – bis zu 2500 sollen es werden.

    In Malis Nachbarland Algerien schlugen indessen Kidnapper zu. Wie der Sender France Info berichtete, wurden sechs Männer – ein Franzose und fünf Japaner – von einer Ölproduktionsstätte bei In Amenas nahe der libyschen Grenze entführt. Am vergangenen Freitag war parallel zum Beginn des französischen Mali-Einsatzes eine Geiselbefreiung in Somalia gescheitert.

    Terroristen im Osten gestoppt
    Nach Medienberichten rücken gegenwärtig etwa 30 Panzer, die erst wenige Stunden zuvor aus der Elfenbeinküste eingetroffen waren, in Mali in nördlicher Richtung vor. Außerdem wollten französische und malische Verbände die von den Rebellen gehaltene Stadt Diabali im Zentrum des Landes zurückerobern. Mehr als 300 französische und malische Soldaten seien auf dem Weg nach Diabali rund 250 Kilometer nordöstlich von Bamako, meldete der französische Auslandssender RFI.

    Nach Angaben von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sind gegenwärtig zwölf Kampfflugzeuge vom Typ Rafale und Mirage in Mali im Einsatz. Wie ein Sprecher der malischen Streitkräfte mitteilte, griffen französische Jets erneut auch Stellungen der Rebellen in Gao, Kidal und Timbuktu im Norden des Landes an. Neben Diabali wird nach französischen Angaben auch die Stadt Konna im Zentrum Malis weiterhin von Rebellen kontrolliert. Im Osten sei es gelungen, die Offensive der terroristischen Gruppen zu stoppen, sagte Le Drian.

    Zugeständnisse an Tuareg gefordert
    Nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker kann der Konflikt nur durch Verhandlungen gelöst werden. Die Gesellschaft erinnerte daran, dass nicht radikale Islamisten, sondern ein Tuareg-Aufstand den Konflikt ausgelöst hätten. „Ohne maßgebliche Zugeständnisse an die Tuareg wird es auch keinen dauerhaften Frieden im Norden Malis geben“, erklärte der Afrikareferent der Gesellschaft, Ulrich Delius.
    Quelle

    [spoiler=Wie kam es zum Konflikt in Mali?]Mali galt jahrelang als Vorzeigedemokratie in Afrika, aber seit dem Putsch im März 2012 driftete das Land immer weiter ins Chaos: Soldaten stürzten damals Präsident Amadou Toumani Touré - sie rechtfertigten ihren Putsch damit, dass Touré dem Aufstand der Tuareg im Norden des Landes machtlos zugeschaut habe. Anfang April 2012 erklärten die Tuareg nach einer Reihe militärischer Erfolge ihr erobertes Gebiet für unabhängig. Die Tuareg, die jegliche staatliche Ordnung ablehnen, stießen mit diesem Plan aber auf Widerstand bei der früheren Kolonialmacht Frankreich sowie bei den Nachbarländern Malis. Ihre vorübergehend starke Rolle haben die Tuareg inzwischen eingebüßt, längst haben im Norden Malis islamistische Rebellen das Sagen. Zuletzt boten sich die Tuareg nun sogar als Verbündete Frankreichs im Kampf gegen die Islamisten an. [/spoiler]
    [spoiler=Warum hat Frankreich so schnell in den Konflikt eingegriffen?]Frankreichs Alleingang in Mali hat eine lange Vorgeschichte. Seit Monaten schon drängt Paris auf dem internationalen Parkett erfolglos um eine multinationale Intervention in Mali, doch bisher konnte die Regierung von François Hollande dieses Ziel nicht erreichen - von rhetorischer Unterstützung durch EU und USA abgesehen. Als ehemalige Kolonialmacht fürchtet Paris nicht nur eine Gefahr für die rund 7000 in Mali lebenden Franzosen. Auch in Frankreich selber lebt eine große malische Gemeinde. Fiele nun der Norden Malis komplett an die Islamisten und entwickelte sich das Gebiet zu einem neuen Trainingslager von al-Qaida, müsste Frankreich auch im eigenen Land Anschläge und neue Terrorzellen fürchten. Die Regierung in Paris hat zuletzt die Sicherheitsvorkehrungen im eigenen Land erhöht. Man müsse angesichts der terroristischen Bedrohung alle "notwendigen Vorkehrungen" treffen, erklärte Hollande. Entsprechend wurden Schutz und Überwachung von Regierungsgebäuden verstärkt, auch der öffentliche Nahverkehr wird stärker überwacht.[/spoiler]
    [spoiler=Welche Rolle spielen Bodenschätze?]Daneben verfolgt Paris aber auch wirtschaftliche Interessen. So liegen rund um Nordmali viele der von Frankreich ausgebeuteten Uranminen, die das Land dringend für seine Atomkraftwerke braucht. Der staatliche französische Atomkonzern Areva fördert Uran in Malis Nachbarland Niger, das inzwischen der größte Uranproduzent des Kontinents ist. Auch in Mali selbst wurde Uran gefunden. Die atomare Unabhängigkeit ist in Frankreich mehr oder minder eine Frage der Staatsräson und ganz oben auf der Agenda jeder Regierung. Entsprechend kam in den vergangenen Tagen bei Kritikern der französischen Intervention schnell der Verdacht auf, es gehe Paris nicht allein um die Bekämpfung von Terroristen. Das militärische Engagement Frankreichs diene "auch der Sicherung seiner eigenen Energieversorgung mit preiswertem Uran aus Malis Nachbarland Niger", erklärte etwa die Gesellschaft für bedrohte Völker. [/spoiler]
    [spoiler=Wer sind die Rebellen?]Die selbsternannten Rebellen haben in den vergangenen Monaten einen regelrechten Siegeszug hingelegt, sie nutzten das Machtvakuum in dem westafrikanischen Staat geschickt aus. Zunächst zettelten Tuareg-Milizen gemeinsam mit einigen islamistischen Gruppen eine Revolution an. Dabei halfen ihnen Waffen aus den Depots des gestürzten libyschen Despoten Muammar al-Gaddafi, die schwache malische Armee war binnen weniger Tage aus den drei nordmalischen Zentren Timbuktu, Gao und Kidal vertrieben.

    Die Allianz zwischen den Tuareg und den Islamisten der Gruppe Ansar al-Din ("Verteidiger des Glaubens") sowie der eng mit dem Terrornetz al-Qaida verbundenen Gruppe Mujao ("Bewegung für Einheit und den Dschihad in Westafrika") hielt nicht lange. Durch ihre Kampferfahrungen übernahmen die Islamisten kurz nach der Revolution in Nordmali das Kommando, verjagten ihre einstigen Tuareg-Verbündeten aus den Städten und etablierten einen fundamentalistischen Gottesstaat nach dem Vorbild der afghanischen Taliban. Statt Richter fällen nun Geistliche vor Standgerichten Todesurteile gegen vermeintliche Gotteslästerer, amputieren Dieben die Hände und verfolgen Frauen, die sich gegen Zwangsheiraten wehren wollen.

    Derzeit boomt in dem Land der Waffenmarkt, in keiner anderen Region der Welt sind moderne Boden-Luft-Raketen oder Sturmgewehre so günstig zu haben wie im Norden Malis. Nachrichtendienste gaben die Zahl der Kämpfer der Islamisten zuletzt meist mit etwa 2000 an, allerdings zieht der Gottesstaat seit Monaten Dschihad-Rekruten aus aller Welt an. Nach der Intervention der Franzosen dürften Reisen von Terror-Touristen in die Krisenzone noch attraktiver werden. Zu militärischen Großoperationen sind die Kämpfer zwar wohl nicht in der Lage, doch gegen die mit ihren Pick-ups sehr mobile Kleinarmee ist ein Krieg mehr als schwierig.[/spoiler]
    [spoiler=Wie steht es um die Wirtschaft in Mali?]Mali gilt als eines der ärmsten Länder der Erde, für den Anbau etwa von Reis und Gemüse ist der Boden häufig zu trocken, ein Großteil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mali verfügt aber über zahlreiche Bodenschätze, die meisten von ihnen sind noch nicht erschlossen. So soll es in dem Land neben Uran unter anderem auch Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten und Kupfer geben. Internationale Unternehmen sind schon seit längerem in Mali aktiv, um die begehrten Rohstoffe zu finden. [/spoiler]
    [spoiler=Warum ist das malische Militär so schwach?]Das malische Militär, da sind sich die westlichen Regierungen und Geheimdienste einig, ist in einem desolaten Zustand. Seit Jahren schon wurde die Ausbildung und die Ausrüstung der Streitkräfte völlig vernachlässigt. Zwar betätigen sich die hohen Generäle kräftig am Machtpoker in der Hauptstadt Bamako, die Soldaten jedoch desertierten in den vergangenen Jahren massiv, auch wegen einer geringen Bezahlung von umgerechnet fünf Dollar pro Monat für die unteren Dienstränge.

    Militärisch besitzt die Armee fast gar keine Schlagkraft und verfügt laut dem amtierenden Verteidigungsminister nur über 200 geländefähige Fahrzeuge, einige altersschwache Panzer aus DDR-Beständen und kaum schwere Waffen. Die Luftwaffe ist völlig auseinandergefallen, von vier noch vorhandenen Hubschraubern sind nur zwei einsatzfähig, Lufttransportfähigkeiten sind gar nicht vorhanden.

    Am Beispiel Mali zeigt sich auch, dass die Militärhilfe aus dem Ausland inklusive der Ausbildung von Offizieren in den USA oder Europa wenig gebracht hat. Ziel solcher Missionen ist es, besonders aufstrebende Offiziere an demokratische Werte heranzuführen. Im Fall von Mali jedoch war es vor allem der in den USA ausgebildete Hauptmann Sanogo, der im März 2012 ein politisches Vakuum für einen Militärputsch ausnutzte und sich selbst kurzzeitig als Präsident krönte.[/spoiler]
    [spoiler=Wie sehen die militärischen Pläne aus?]Am vergangenen Freitag startete Frankreich überraschend seinen militärischen Alleingang in seiner früheren Kolonie und erhält dafür inzwischen logistische Unterstützung von mehreren Ländern, unter anderem von Großbritannien und den USA. Die Regierung in Paris strebt ein rasches Ende des Einsatzes an - doch ob dies gelingt, darf bezweifelt werden: Das französische Verteidigungsministerium plant mehreren Berichten zufolge die Entsendung von bis zu 2500 Soldaten, Präsident François Hollande hatte zuvor von 750 Soldaten gesprochen. Zudem verlegte Frankreich zuletzt rund 30 Panzer aus der Elfenbeinküste nach Mali. Ein Indiz dafür, dass die Angriffe mit Kampfflugzeugen allein nicht ausreichen, um die gut ausgerüsteten Rebellen zurückzudrängen.

    Noch ist Frankreich allein an der Front, geplant ist allerdings ein vom Uno-Sicherheitsrat genehmigter Einsatz von 3300 Soldaten der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas. Die EU will den Einsatz mit einer militärischen Ausbildungstruppe unterstützen. Experten rechnen allerdings damit, dass die Operation in dem Krisenland nicht vor dem Herbst beginnen kann, möglicherweise sogar erst später.[/spoiler]
    [spoiler=Welche Rolle spielt Deutschland?]Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat mehrfach betont, dass Deutschland keine Kampftruppen nach Mali schicken wird. Man werde aber mit Frankreich besprechen, "welche Unterstützung politisch, logistisch, medizinisch und humanitär sinnvoll ist". In Berlin kündigten Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maiziére mittlerweile an, dass zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr Ecowas-Soldaten nach Mali transportieren sollen. [/spoiler]
    Quelle
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    Nervenkrieg auf algerischem Gasfeld
    Geiseln fordern Rückzug der Armee
    Die Geiseln, die wegen der Offensive Frankreichs in Mali auf einem Gasfeld in Algerien festgehalten werden, fürchten um ihr Leben. In einem Telefonat forderten sie den Abzug der algerischen Soldaten.


    Gilt als Extremist der zu allem entschlossen ist: Mokhtar Belmokhtar
    führt angeblich die Geiselnehmer in Algerien an.
    © Reuters/Belmokhtar Brigade/Handout
    Nach der Geiselnahme von mehr als 40 Menschen auf einem Gasfeld in Algerien haben drei der mutmaßlichen Geiseln einen Rückzug der algerischen Armee gefordert. Ein Brite, ein Ire und ein Japaner sagten dem Fernsehsender al-Dschasira am Donnerstag am Telefon, die rund um das Gasfeld stationierten algerischen Soldaten müssten abziehen und die Schüsse gegen die Anlage einstellen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden und eine Verhandlungslösung zu ermöglichen.

    Die mutmaßlichen Geiseln wiederholten damit eine Forderung von einem der Entführer, der sich mit dem Pseudonym Abu al-Baraa präsentierte und sich zuvor auf al-Dschasira zu Wort gemeldet hatte. "Wir fordern den Rückzug der algerischen Armee, um Verhandlungen ermöglichen zu können", sagte al-Baraa dem Sender. Offenbar wurden die Geiseln von den Kidnappern vorgeschickt, um die Forderungen untermauern.

    Al-Kaida-Ableger bekennt sich zur Tat
    Zu der Geiselnahme auf dem Gasfeld des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil im Osten Algeriens bekannte sich eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe. Diese forderte ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali, den sie als "Kreuzzug" bezeichneten. Die Gruppe hat sich auf der mauretanischen Website Alakhbar erklärt. Die algerischen Einsatzkräfte umstellten das Gelände der Geiselnahme am Donnerstag.

    Algerien sei als Ort der Geiselnahme ausgewählt worden, weil der algerische Luftraum für die französische Luftwaffe geöffnet worden sei, hieß es in der Erklärung am Mittwochabend weiter. "Wir bestätigen, dass die Geiseln mehr als 40 Kreuzfahrer sind, darunter sieben Amerikaner und zwei Briten", hieß es in der Mitteilung der Gruppe des Algeriers Mokhtar Belmokhtar weiter. Belmokhtar ist einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegers AQMI. Auf der Website Alakhbar werden regelmäßig Mitteilungen von Dschihadisten publiziert.

    Weitere 150 Menschen in der Hand der Kidnapper?
    Der britische Außenminister William Hague bestätigte, dass bei der Geiselnahme auf einem Standort des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil im Osten Algeriens ein Brite getötet worden sei. Hague verurteilte den "kaltblütigen Mord" während eines Besuchs in Sydney. Zur Zahl der Geiseln konnte er keine Angaben machen. Ein Sprecher der Islamisten hatte zuvor nach Angaben von zwei mauretanischen Nachrichten-Websites erklärt, fünf Geiseln würden in der Fabrik festgehalten. 36 weitere befänden sich in einer Unterkunft.

    Laut dem algerischen Innenministerium starben ein Brite und ein Algerier bei dem Überfall. Drei Ausländer sowie drei algerische Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Neben den westlichen Geiseln halten die Angreifer offenbar auch 150 örtliche Kräfte eines Catering-Unternehmens fest.

    Eine französische Geisel sagte laut dem Fernsehsender France 24, unter den Entführten seien Briten, Japaner, Philippiner und Malaysier. Laut dem Sender sagte der Franzose, die Geiseln würden in einem mit Sprengfallen präparierten Gebäude auf dem Gasfeld unweit der Grenze zu Libyen festgehalten. Mehrere Geiseln trügen Sprengstoffgürtel, um mögliche Angriffe von Sicherheitskräften zu verhindern. Frankreich hat bislang nicht offiziell bestätigt, dass einer seiner Staatsbürger unter den Geiseln ist. Die Regierung in Washington erklärte, dass eine nicht näher genannte Zahl von US-Bürgern unter den Festgehaltenen seien.

    Islamisten wollen Gesinnungsgenossen freipressen
    Die Islamisten wollen mit der Geiselnahme offenbar auch die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen erpressen. Ein Augenzeuge der Geiselnahme und Angestellter sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, die in Algerien inhaftierten Islamisten sollten in den Norden Malis gebracht werden, dann würden die Geiseln freigelassen.

    Der algerische Innenminister Dahou Ould Kablia sagte am Mittwoch, sein Land werde nicht mit den Geiselnehmern verhandeln. Armee und Sicherheitskräfte hätten die Islamisten "eingekesselt".

    EU-Staaten beraten über Einsatz in Mali
    Aus der malischen Stadt Diabali kommen unterdessen Berichte über schwere Kämpfe französischer und malischer Einheiten mit islamistischen Rebellen. Der französische Sender BFM TV berief sich auf Augenzeugen. Die Rebellen hatten die Stadt am Montag eingenommen.

    Die EU will den Einsatz von Militärausbildern in Mali beschleunigen. Insgesamt soll die Ausbildungsmission rund 450 Personen umfassen. Außer Frankreich haben bisher Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Estland, Slowenien und Belgien die Bereitschaft zur Teilnahme erklärt. Die Außenminister der 27 EU-Staaten befassen sich an diesem Donnerstag bei einer Sondersitzung in Brüssel mit den möglichen Risiken.

    Die Minister wollen auch über finanzielle und logistische Hilfe für die Entsendung der 3300 Mann starken Kampftruppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas sprechen. Die Afrikaner sollen an der Seite Frankreichs gegen die radikalen Islamisten in Mali kämpfen.

    Einsatz deutscher Transall-Maschinen "kurzfristig"
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, der Einsatz der Transall-Maschinen werde "sehr kurzfristig" erfolgen. Der islamistische Terrorismus in Afrika sei auch für Europa eine Bedrohung. "Ich glaube, dass wir hier unter einem hohen Zeitdruck stehen", sagte sie nach einem Treffen mit dem Ecowas-Vorsitzenden Alassane Ouattara, der Präsident der Elfenbeinküste ist. Der Bundeswehr-Einsatz könnte noch in dieser Woche anlaufen.

    Wie viele deutsche Soldaten genau entsandt werden, ist noch unklar. Normalerweise besteht eine Transall-Besatzung aus sechs Soldaten. Zwischenzeitlich hatte die Bundesregierung die Verlegung von insgesamt fünf Flugzeugen nach Afrika geprüft. Dem Kampfgebiet sollen die Transporter aber fernbleiben. Direkte Unterstützung für die französischen Truppen leistet Deutschland zunächst nicht.
    Quelle


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    Ruf nach deutscher Militärhilfe wird lauter
    Jetzt fordern im Mali-Konflikt auch afrikanische Politiker militärische Unterstützung aus Deutschland. Noch will Außenminister Westerwelle aber über finanzielle Hilfe nicht hinausgehen.


    Ein Konvoi von einheimischen Soldaten in Mali Foto: AFP
    In Deutschland aber auch international ist eine Debatte über eine Ausweitung des Bundeswehr-Einsatzes in Mali entbrannt. Während afrikanische Politiker explizit ein bewaffnete Engagement der Bundeswehr in Mali fordern, versucht Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) dies bislang mit finanziellen Versprechungen abzuwehren.

    Politiker aus Koalition und Opposition hatten der Bundesregierung schon in der vergangenen Woche vorgeworfen, zu wenig zu tun.

    Westerwelle stellt finanzielle Hilfe in Aussicht
    Nun sagt Westerwelle Mali im Kampf gegen Islamisten weitere Hilfe zu – freilich keine militärische. "Die afrikanischen Truppensteller brauchen finanzielle Unterstützung", schreibt Westerwelle in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

    Daher werde Deutschland bei der Geberkonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba Ende des Monats "seiner Verantwortung gerecht werden". Es gehe darum, "Mali und die Afrikaner zu befähigen, die Terroristen zu besiegen". Die europäische Mission zur Schulung der Armee Malis solle so schnell wie möglich beginnen.

    Niebel gegen militärisches Engagement der Bundeswehr
    Auch Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) wandte sich gegen ein größeres militärisches Engagement der Deutschen in Mali. Militärische Interventionen seien kein "Allheilmittel", sagte Niebel der "Welt am Sonntag". "Das schärfste Schwert gegen Extremismus ist die Entwicklungspolitik."

    Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS müsse "so bald wie möglich" eine ordnende Rolle in Mali übernehmen. "Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass es sich um Postkolonialismus handelt."

    Afrikaner fordern Militärhilfe aus Deutschland
    Unterdessen forder der derzeitige Vorsitzende der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), Alassane Ouattara, den Einsatz deutscher Soldaten in Mali. "Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen", sagte der Präsident der Elfenbeinküste dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

    Ängste, Mali könne zu einem zweiten Afghanistan werden, hält Ouattara für unbegründet: "Ich sehe keine Parallelen." Der radikale Islam habe in Mali keinen Rückhalt in der Bevölkerung.

    "Die meisten Terroristen sind Ausländer"
    "Es gibt nur wenige Terroristen in Mali. Die meisten sind Ausländer." Auch gebe es kein Land in der Umgebung, das – wie Pakistan die afghanischen Taliban – die Fanatiker heimlich unterstütze.

    Die Staatengemeinschaft ECOWAS plant derzeit den Einsatz einer Eingreiftruppe von 3300 Mann in Mali. Seit mehr als einer Woche führen in dem westafrikanischen Land malische und französische Truppen eine Offensive gegen Isalmisten, die seit April 2012 den Norden des Landes kontrollieren.

    Auch die ECOWAS will Malis Armee dabei unterstützen, den von Islamisten kontrollierten Norden des Landes zurückzuerobern. Die ersten 2000 Soldaten der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) sollen bis zum 26. Januar in Malis Hauptstadt Bamako eintreffen. Bis Samstag waren aber erst rund hundert Soldaten aus Nigeria und Togo vor Ort.

    "Die Bundesregierung setzt auf eine Minimallösung"
    In Deutschland musste sich die Bundesregierung am Wochenende den ungewöhnlichen Vorwurf gefallen lassen, militärisch zu wenig zu tun. "Die Bundesregierung setzt beim Mali-Einsatz auf eine Minimallösung", monierte der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

    Deutschland müsse eine größere Flexibilität zeigen. "Das kann bedeuten, dass die Bundeswehr in Mali auch andere Flughäfen als Bamako anfliegt, auch militärisches Gerät transportiert und dass wir im Sanitätswesen helfen." Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz.

    "Die Lage ist im Fluss, und es kann etwa möglich werden, dass Transporte der Bundeswehr auch näher an die Kampflinie geflogen werden müssen", sagte er derselben Zeitung.
    Quelle

    Islamisten in Mali fliehen nach Luftangriffen aus Diabaly
    Opfersuche nach Geiseldrama: Armee findet zahlreiche Leichen in Gasanlage

    Geändert von delle59 (11.11.14 um 08:56 Uhr)
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    Kabinett beschließt Mali-Einsatz der Bundeswehr
    Ein Kampfeinsatz bleibt zwar tabu, dennoch wird der deutsche Einsatz in Mali deutlich ausgeweitet werden. Die Bundesregierung will bis zu 330 Soldaten schicken.


    Deutsche Transall-Maschine am Flughafen in Bamako, Nigeria (Archivbild)
    © Eric Gaillard/Reuters
    Deutschland will sich mit mehreren Hundert Soldaten am Militäreinsatz in Mali beteiligen. Das Kabinett beschloss, dass die Bundeswehr bis zu 330 Soldaten in das Kriegsgebiet schicken darf. Für die geplante EU-Ausbildungsmission will die Bundesregierung bis zu 180 Soldaten bereitstellen. 150 weitere Soldaten sind für den Einsatz von Transport- und Tankflugzeugen vorgesehen, mit denen die laufende französisch-afrikanische Offensive gegen islamistische Rebellen unterstützt werden soll. Nach dem Kabinettsbeschluss muss noch der Bundestag darüber abstimmen. Einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten soll es weiterhin nicht geben.

    Die EU-Außenminister hatten sich am Montag darauf verständigt, insgesamt 450 Militärausbilder und andere Soldaten nach Mali zu schicken. Sie sollen die malische Armee beraten und für einen möglichen Einsatz gegen islamistische Extremisten ausbilden. Deutschland wird sich daran voraussichtlich zunächst mit 40 Spezialisten für die Pionier-Ausbildung sowie 40 Ärzten und Sanitätern beteiligen, die ein Feldlazarett betreiben sollen. Falls es notwendig sein sollte, können bis zu hundert weitere Helfer folgen.

    Mit einem zweiten Mandat soll die Unterstützung des laufenden Kampfeinsatzes gegen die islamistischen Rebellen im Norden Malis abgedeckt werden. Bereits seit Mitte Januar bringen deutsche Transportmaschinen vom Typ Transall afrikanische und französische Soldaten ins Land. In der senegalesischen Hauptstadt Dakar wurde eigens dafür ein Stützpunkt eingerichtet. Insgesamt sind derzeit 71 deutsche Soldaten und drei Transall-Maschinen im Einsatz. Auf 78 Flügen haben sie inzwischen fast 500 Soldaten transportiert.

    EU-Ausbildungsmission zunächst auf 15 Monate begrenzt
    Hinzu kommen soll die Hilfe für die Betankung französischer Kampfflieger. Die Luftwaffe verfügt über vier speziell dafür ausgestattete Maschinen vom Typ Airbus A310. Der Bundestag soll bereits an diesem Freitag erstmals über die beiden Mandate beraten. Damit die Fristen eingehalten sind, zog die Regierung ihre Kabinettssitzung auf Dienstag vor.

    Etwa 20 EU-Mitgliedstaaten haben zugesagt, sich an der EU-Ausbildungsmission zu beteiligen. Einige davon müssen jedoch noch über Details entscheiden. Der Einsatz ist zunächst auf 15 Monate angelegt, wird aber nach Einschätzung von Militärs länger dauern. Der Vorsitzende des EU-Militärausschusses, der französische General Patrick de Rousiers, sprach von einer schwierigen Mission. "Es ist auch nicht ungefährlich. Aber es ist aufregend, weil dieser Einsatz helfen wird, den Frieden wieder herzustellen."
    Quelle

    Malische Bibliotheksschätze in Geheimaktion gerettet
    Zerstörte malische Bibliothek "Timbuktu ist das Gedächtnis Afrikas"
    Auspeitschen von Frauen löst Streit bei al-Qaida aus

    Die haben den Knall auch nicht gehört da. :facep:
    Geändert von delle59 (11.11.14 um 08:56 Uhr)
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    USA schicken Drohnen nach Niger
    Vom Niger aus wollen die USA Malis Truppen unterstützen, sie senden Drohnen und Soldaten in das afrikanische Land. Die malischen Islamisten starten neue Attacken auf Gao.


    Eine Drohne von Typ MQ-1 Predator © dpa
    Zur Unterstützung der französischen Truppen im westafrikanischen Mali haben die USA mehrere unbemannte Flugzeuge im benachbarten Niger stationiert. Wie ein Regierungsbeamter mitteilte, befinden sich die Drohnen vom Typ Predator auf einem Militärstützpunkt der Hauptstadt Niamey, wo etwa hundert Soldaten der US-Luftwaffe stationiert sind. Die Drohnen sollen demnach das Konfliktgebiet in Mali überwachen. Sie sollen nur dazu eingesetzt werden, dort Stellungen islamistischer Rebellen auszukundschaften.

    Zuvor hatte Präsident Barack Obama dem Kongress mitgeteilt, dass weitere 40 US-Soldaten in den Niger entsandt wurden. Sie seien zwar zu ihrem Schutz bewaffnet, würden aber lediglich für Aufklärungsaufgaben eingesetzt.

    Die französische Armee ist seit Anfang Januar in Mali. Sie unterstützt die malischen Truppen bei ihrem Kampf gegen Islamisten. Diese hatten im April 2012 nach einem Putsch den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht, darunter auch die Städte Gao, Kidal und Timbuktu.

    Regierungstruppen haben die Städte mittlerweile zurückerobert, vor wenigen Tagen waren aber erneut Islamisten über den Fluss Niger in Gao eingedrungen. Am Freitag wurde die Stadt wieder Ziel der islamistischen Kämpfer: "Die Islamisten haben am Morgen zweimal auf die Stadt Gao gefeuert. Glücklicherweise sind die Raketen in einem unbewohnten Gebiet eingeschlagen", sagte ein Armeesprecher. Die Stadt war zuvor Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Extremisten und Streitkräften gewesen. Dabei starben nach Angaben des nationalen Radios mindestens 16 Rebellen. Sechs malische Soldaten wurden bei den Gefechten verletzt.

    Neue Gefechte in Nord-Mali
    Bei Gefechten mit den Islamisten im Ifoghas-Gebirge an der Grenze zu Algerien kamen auch 13 Soldaten aus dem Tschad ums Leben. Mindestens 65 Islamisten getötet, sagte der Militärchef des Tschad. Das Land stellt mit etwa 2.000 Mann das größte Kontingent unter den afrikanischen Truppen, die in Mali im Einsatz sind. Die Extremisten hätten einem Zweig des Terrornetzes Al-Kaida und der islamistischen Gruppe Ansar Dine angehört, sagte ein malischer Armeesprecher. "Die Situation ist kritisch, aber die Moral unserer Truppen ist gut", sagte er. "Das ist das Wichtigste." Viele Islamisten hatten sich nach Beginn der malisch-französischen Militäroffensive in die schwer zugängliche Region zurückgezogen.

    Ein malischer Armeesprecher bestätigte zudem Medienberichte, wonach Extremisten am Freitag zwei Autobomben in der Nähe von Tessalit an der Grenze zu Algerien gezündet haben. Die Stadt liegt etwa 1.700 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako.

    UN berichtet über Gräueltaten
    Nach UN-Angaben werden in Mali noch immer Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen. "Wir haben erschreckende Berichte über die Verletzung von Menschenrechten erhalten", sagte der Sprecher des UN-Büros für Nothilfekoordination. Die Nothelfer seien besorgt über das Schicksal von mehr als 1,2 Millionen Menschen, die von Militäroperationen betroffen und nur schwer erreichbar seien. Es gebe Berichte über Zwangsrekrutierungen von Kindern als Kämpfern sowie zunehmende sexuelle Gewalt. Dazu, wer die Täter sind, machte der Sprecher keine Angaben.

    Seit der Militärintervention Frankreichs Mitte Januar haben die Vereinten Nationen 16.000 zusätzliche Flüchtlinge registriert, die dringend humanitäre Hilfe benötigten. Große Probleme würden auch Minen und Blindgänger in den Kampfgebieten bereiten.
    Quelle


    Geändert von delle59 (11.11.14 um 08:57 Uhr)
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    „Sicherheit der EU bedroht“
    Erhöhte Terrorgefahr in Europa durch Mali-Einsatz
    Das militärische Eingreifen der EU in Mali erhöht offenbar die Gefahr von Terroranschlägen in Europa. Das geht aus dem Bericht des Antiterrorismuskoordinators der EU, Gilles de Kerchove, hervor, der der F.A.Z. vorliegt. Darin heißt es, die Sicherheit der EU sei „direkt bedroht“.


    Französische Soldaten auf dem zerstörten Markt in Gao im Osten Malis.
    © Reuters
    Das militärische Eingreifen der EU in Mali erhöht offenbar die Gefahr von Terroranschlägen in Europa. Der F.A.Z. liegt ein vertraulicher Bericht des Antiterrorismuskoordinators der EU, Gilles de Kerchove, vor, in dem es heißt, die Sicherheit der EU sei „direkt bedroht“ durch die verbliebenen Rückzugsgebiete der Terroristen in Nordmali, ihren vergrößerten Operationsraum in der Region und die Möglichkeit, dass gut ausgebildete europäische Dschihadisten in die EU zurückkehren könnten. De Kerchove hatte sein Papier am vergangenen Donnerstag in Brüssel den Innenministern der EU in einer nichtöffentlichen Sitzung vorgestellt. Einzelheiten über die Diskussion wurden nicht bekannt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der an dem Treffen teilnahm, wies danach vor der Presse nur darauf hin, dass es Hinweise darauf gebe, dass europäische Dschihadisten vermehrt nach Syrien reisten. Dort kämen sie anscheinend besser zurecht als bei ihren Verbündeten in Afrika.

    Rekrutierung neuer Terroristen
    In dem Papier werden Ermittlungsergebnisse des europäischen Polizeiamts Europol zitiert, wonach im Internet und in den sozialen Netzwerken zahlreiche Terroristen und Extremisten die Lage in Mali und in der Sahelzone, wo sich die EU auch mit anderen Projekten engagiert, ausgiebig für „antifranzösische und antieuropäische Narrative und Drohungen“ nutzten. Die Intervention Frankreichs und die militärische Ausbildungsmission der EU seien von einigen Terrororganisationen als Angriff auf den Islam verurteilt worden. Erschwerend komme hinzu, dass auch einige arabische Länder das europäische Vorgehen kritisiert hätten. Es bestehe die Gefahr, dass diese Kritik an Europa als Mittel zur Rekrutierung von neuen Terroristen genutzt werde und insbesondere zu einer Radikalisierung von in Europa lebenden Ausländern führe, die bisher nicht für die Propaganda von Al Qaida zugänglich waren.

    Die EU hat das Eingreifen Frankreichs und ihre im Aufbau befindliche Ausbildungsmission für die malische Armee, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt, bisher stets als Beitrag bezeichnet, um die Terrorgefahr, ebenso wie den Drogenhandel aus der Sahelzone zu verringern. De Kerchoves Papier, das in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission und dem Auswärtigen Dienst der EU entstand, stellt diese Sichtweise nicht in Frage. Ausdrücklich weist er darauf hin, dass die französische Operation Serval „die größte Bedrohung“ beseitigt habe: dass nämlich Terroristengruppen die großen Städte Nordmalis übernommen hätten und bis in die Hauptstadt Bamako marschiert wären. Allerdings sei immer noch eine „hohe Anzahl“ von gut bewaffneten und gut ausgerüsteten Terroristen im Norden des Landes aktiv, zu deren „Neutralisierung“ noch dauerhafte Anstrengungen nötig seien.

    Gefahr vor allem durch Einzeltäter
    De Kerchove schreibt, dass in Europa vor allem die Gefahr von Angriffen durch Einzeltäter bestehe. Es könnte ein erhöhtes Risiko für Angriffe auf wichtige Infrastruktureinrichtungen bestehen, die sich den jüngsten Überfall auf die Gasanlage von In Amenas in Algerien zum Vorbild nehmen könnten. In Europa sei allerdings eher mit Angriffen von internen Mitarbeitern zu rechnen als mit einer Geiselnahme durch eine Gruppe von auswärtigen Terroristen. Eine „nennenswerte Zahl“ an EU-Bürgern reise derzeit nach Libyen und Syrien, um sich dort für den Dschihad ausbilden zu lassen und zu kämpfen. Diese Reisen könnten in den nächsten Monaten und Jahren noch zunehmen. „Hunderte von gut ausgebildeten Dschihadisten könnten nach Europa zurückkehren und das Risiko für Terroranschläge erhöhen.“

    Die Sicherheitslage in der Sahel-Zone und im Maghreb, die von Europa nur durchs Mittelmeer getrennt sind, wird in dem Papier insgesamt als schlecht bewertet. Die Schwächung oder Abschaffung der Sicherheitsbehörden, zu der es in einigen Ländern nach den Revolutionen des arabischen Frühlings gekommen sei, habe Terrorgruppen einen größeren Operationsraum verschafft. Aus Libyen und Syrien sei „ein Strom“ von Waffen und Kämpfern in die Region geflossen, was durch die mangelhaften Grenzkontrollen noch verstärkt worden sei. Die Anzahl der Terrorgruppen in der Region habe sich erhöht, ebenso wie ihre Verbindungen untereinander.
    Quelle

    Die EU hat die Entwicklungshilfe für Mali im Februar 2013 wieder aufgenommen.
    Mali zwischen Krieg und Neubeginn
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    Mali vor einem langen Kampf gegen den Terror
    Französische und afrikanische Truppen haben aufständische Rebellen und islamistische Terroristen in Mali zurückgeschlagen. Auch die Bundeswehr ist unterstützend im Land aktiv.


    © AFP
    Als sich die Heckklappe der Bundeswehr-Transall öffnet, schlägt den beiden französischen Soldaten im Inneren der Frachtmaschine heiße, staubige Luft entgegen. Auf dem Rollfeld, über dem die Hitze steht, werden sie schon von ihren Kameraden erwartet. Ein Kontingent der französischen Streitkräfte sichert den kleinen Flughafen der zentralmalischen Stadt Mopti. Die Präsenz der Soldaten aus Frankreich ebenso wie der Militärs aus mehreren afrikanischen Staaten und aus Deutschland verweist auf die fragile Stabilität Malis - obwohl vielerorts Frieden eingekehrt ist. "Die Lage ist ruhig hier, wir haben keine Probleme", betont einer der französischen Soldaten.

    Vor gut drei Monaten sah das noch ganz anders aus. Die Front islamistischer Kämpfer, die zusammen mit Tuareg-Rebellen militärische Erfolge gegen schlecht ausgebildete und ausgerüstete malische Regierungstruppen verzeichneten, war bis auf etwa 50 Kilometer an Mopti herangerückt. Flüchtlinge aus dem Norden strömten in die Stadt, Gerüchte über Gräueltaten der Aufständischen machten unter den rund 100.000 Einwohnern die Runde.

    Ein Militärputsch stürzt das Land in Chaos
    Das nordwestafrikanische Mali, das lange als Musterland für Stabilität und Demokratie galt, stürzte 2012 von einer Krise in die nächste. Nach einem Militärputsch im März 2012 nutzen rebellierende Stämme und al Kaida-Gruppen das Chaos und übernahmen die Macht im Norden des Landes. Als die straff organisierten Islamisten wichtige Städte wie Timbuktu einnahmen und immer weiter Richtung Süden und damit der Hauptstadt Bamako vorrückten, griffen die frühere Kolonialmacht Frankreich und die westafrikanische Gemeinschaft Ecowas militärisch ein.

    Den französischen und afrikanischen Truppen gelang es seit Jahresbeginn, einen Großteil des Landes zurückzuerobern. Frankreich hat zugesagt, etwa 1000 Soldaten langfristig zur Verfügung zu stellen, die Ecowas möchte ihr Kontingent der bereits entsandten 3000 Soldaten auf bis zu 5000 Mann aufstocken. Die Sicherheitslage im Land bleibt angespannt. Denn die Islamisten schlagen nach ihrer Vertreibung zumindest aus den Städten mit blutigen Terroranschlägen zurück, so erst am Osterwochenende in Timbuktu.

    Es muss für Sicherheit und Stabilität gesorgt werden
    "Wir müssen akzeptieren, dass wir uns immer noch im Krieg gegen Terroristen befinden", betont Malis Außenminister, Tieman Hubert Coulibaly, in der Hauptstadt Bamako. Daher sei die Hilfe befreundeter Staaten nun besonders wichtig, etwa deutsche Bundeswehrausbilder für die malische Armee. "Gerade weil wir wissen, dass Deutschland das nicht überall macht, ist dies ein Zeichen großen Vertrauens für uns."

    Die Regierung setze nun alles daran, die Rückkehr der Flüchtlinge und der Verwaltung in den Norden des Landes zu ermöglichen, so der Minister. Neben der Befriedung seines Landes müsse es auch um die wirtschaftliche Entwicklung der Region gehen. "Terroristen können sich dort festsetzen, wo Armut herrscht und Demokratie noch nicht fortgeschritten ist", sagt Coulibaly.

    Auch der Gouverneur der Region Mopti, Ibrahima Hamma Traoré, weiß, dass die Stabilität noch fragil ist. "Terroristen und Kriminelle haben hier zehn Monate lang die Bevölkerung in einer Art und Weise unterdrückt, die wir so nie gekannt hatten", erläutert er. "Aber die Menschen haben Stärke und Durchhaltevermögen bewiesen." Nun sei die internationale Gemeinschaft gefordert, zusammen mit malischen Truppen für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Andernfalls drohe ein Bürgerkrieg, warnt Traoré. "Wenn Terroristen in ein Dorf einfallen und dort Frauen vergewaltigen, Menschen Köpfe und Gliedmaßen abhacken, Kindern zu Waisen machen, dann kann man sich vorstellen, dass unsere sonst friedliche, tolerante und gastfreundliche Bevölkerung sich auch irgendwann bewaffnet."
    Quelle

    Frankreich bleibt mit 1000 Mann im Land
    EU-Ausbilder starten Trainingsmission in Mali
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    Tuareg-Rebellen beenden Waffenstillstand
    In Mali wollen die Tuareg wieder gewaltsam gegen die Regierung vorgehen. Grund ist ein mutmaßlicher Beschuss von Demonstranten durch die Streitkräfte der Regierung.

    Die Tuareg-Rebellenorganisation MNLA in Mali hat das Waffenstillstandsabkommen mit der Zentralregierung in Bamako aufgekündigt. Die UN-Friedenstruppen in Mali nehmen diesen Schritt der Separatisten im Norden Malis sehr ernst, wie ein Sprecher der Vereinten Nationen mitteilte. Zuvor hatte ein MNLA-Sprecher in Paris, Moussa Ag Assarid, der Nachrichtenagentur dpa gesagt, das sogenannte Ouagadougou-Abkommen vom Juni über den Waffenstillstand sei angesichts der jüngsten Ereignisse nicht mehr gültig.

    Der Vizepräsident der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA), Mahamadou Djeri Maiga, sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Wo wir die Armee finden, werden wir sie angreifen. Die Warnungen sind vorüber."

    Die Rebellen reagierten damit auf einen Vorfall vom Donnerstag auf dem Flughafen von Kidal. Dort hatten Hunderte Tuareg gegen Premierminister Oumar Tatam Ly demonstriert und seine Landung verhindert. Die Streitkräfte eröffneten nach Darstellung der Rebellen das Feuer auf die friedlichen Demonstranten. Nach Angaben der MNLA wurde ein Mensch getötet, zudem seien drei Frauen und zwei Kinder verletzt worden.

    "Wir werden ihnen diesen Krieg liefern"
    "Was sich ereignet hat, ist eine Kriegserklärung. Wir werden ihnen diesen Krieg liefern", sagte Maiga. Die MNLA hatte im Juni nach 18 Monaten Bürgerkrieg einen Waffenstillstandsvertrag mit den Streitkräften geschlossen. Dies hatte die Organisation der Präsidentschaftswahl ermöglicht. In den vergangenen Wochen haben die Spannungen im Norden des Landes aber wieder zugenommen.

    Nach dem Militärputsch und dem Sturz des Präsidenten im März 2012 hatten Tuareg-Rebellen und mehrere islamistische Gruppen vorübergehend den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Erst die von Frankreich geführte militärische Intervention im Januar stoppte den Vormarsch der Islamisten nach Süden und vertrieb sie aus den Städten.

    Ein erster Schritt in Richtung einer Normalisierung der Verhältnisse war die Präsidentschaftswahl in diesem Sommer. Aus der Stichwahl am 11. August ging der frühere Regierungschef Ibrahim Boubacar Keita als Sieger hervor. Er hofft nun bei der Parlamentswahl auf eine Mehrheit für seine Sammlungsbewegung für Mali, um Reformen auf den Weg bringen zu können. Die zweite Runde der Parlamentswahl ist für den 15. Dezember festgesetzt.
    Quelle

    Al-Qaida bekennt sich zu Mord an französischen Reportern
    Seit über einem Jahr versucht Mali wieder zur Demokratie zurückzukehren.



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