Neue Bildungsstandards
Länder einigen sich auf Lernziele für Abiturienten
Deutschlands Abiturienten sollen künftig dieselben Fähigkeiten beherrschen - egal ob das Gymnasium an der Nordsee oder im Allgäu steht. Die Kultusminister haben jetzt Bildungsstandards für die Oberstufe vorgestellt. Von einem echten Zentralabitur wollen sie aber nichts hören.

Gymnasium in Sigmaringen: Gleiche Leistungskriterien für alle.(dpa)

Es ist ein Schritt auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit beim Abitur: Die Kultusminister der Länder haben sich darauf geeinigt, was deutsche Schüler am Ende der Oberstufe können sollten. Am Freitag verkündeten sie die neuen Bildungsstandards, die nun alle Schulen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen, bis zum übernächsten Schuljahr in ihre Lehrpläne einarbeiten müssen. Der Beschluss sei in großer Einigkeit zustande gekommen, hieß es.

Die Leitfäden beschreiben zunächst für die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch, welche Fähigkeiten die Abiturienten bundesweit am Ende der Oberstufe beherrschen sollen. Die Naturwissenschaften sollen später folgen.

Drei Jahre haben die Arbeitsgruppen unter Führung des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gebraucht, um die Bildungsstandards fürs Abitur zu entwickeln. Für jeden Fachbereich - Mathe, Deutsch und erste Fremdsprache - waren Ländervertreter und Bildungsexperten mit der Aufgabe betraut.

Die Kultusminister wollen mit den neuen Vorgaben den Weg dafür ebnen, dass das Abitur endlich vergleichbarer wird. Es ist ihre Antwort auf Forderungen nach einer bundesweiten Zentralprüfung, die an Schüler in Bayern und Bremen dieselben Anforderungen stellen und dem föderalen Chaos beim Abitur ein Ende bereiten würde.

In einem nächsten Schritt wollen sich die Länder auf Grundlage der Bildungsstandards auf einen Pool mit gleich schweren Abituraufgaben einigen, aus dem sich die Länder bedienen können, aber nicht müssen. Ab dem Schuljahr 2016/17 soll er zur Verfügung stehen.

Warum einige Länder vorpreschen wollen
Den Ländern Bayern, Sachsen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern geht das jedoch nicht schnell genug. Sie wollen daran festhalten, schon ab 2014 ähnliche Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch zu stellen. Die jahrelangen Diskussionen seien sehr zäh gewesen, lautet die Begründung für das zeitliche Vorpreschen.

Dieselben Prüfungen für alle Schüler zur gleichen Zeit sieht allerdings keines der Konzepte vor. "Es ist nicht das Zentralabitur", sagte Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Aber durch die Standards würden Schüler aufgrund der gleichen Anforderungen in der Oberstufe leichter von einem Bundesland ins andere wechseln können.

Die Bildungsstandards sind ein Langzeitprojekt der Kultusminister. Sie gehen auf einen Beschluss der KMK vor 15 Jahren zurück, der vorgab, "das deutsche Schulsystem im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen international vergleichen zu lassen".

Im Dezember 2003 verabschiedeten die Länder gemeinsame Bildungsstandards in Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch für den Mittleren Abschluss. Später folgten Leitfäden für die Fächer Biologie, Chemie und Physik, für den Hauptschulabschluss in Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch sowie für Deutsch und Mathe in der vierten Grundschulklasse.

Vergleichsarbeiten, wie sie Schüler aus den niedrigeren Klassenstufen regelmäßig schreiben müssen, sind für die Oberstufe nicht geplant. Ob und wann die Abiturienten die aufwendig erarbeiteten Lernziele erreichen, lässt sich also kaum überprüfen, solange nicht bundesweit zumindest ähnliche Prüfungsaufgaben geschrieben werden.
Quelle

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