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    Unser neues Leben in der Echtzeit-Weltordnung

    Unser neues Leben in der Echtzeit-Weltordnung

    Mit den neuen superintelligenten Computern verschwimmt die Grenze zwischen Mensch und Maschine. Der Schutz des Menschen durch Zeit, Raum und Privatsphäre wird aufgehoben. Wohin führt das?


    Am Pfingstwochenende hat erstmals ein Computerprogramm den sogenannten Turing-Test für die Nachbildung menschlichen Verhaltens bestanden. Der Test erfordert, dass ein Computer während eines fünf Minuten dauernden Dialogs aus Textbotschaften den menschlichen Gesprächspartner bei 30 Prozent der Fragen und Antworten gezielt hinters Licht führt, also menschliches Gefühlsverhalten und Täuschungsanfälligkeit erkennt.

    Damit verschwimmt die Grenze zwischen Mensch und Maschine. Schachcomputer hatten Menschen besiegt, aber sie vollzogen ein menschliches Regelwerk nach. Computer mit emotionaler Intelligenz tricksen nun Empfindungen aus. Meldet sich jemand per SMS auf humorvoll-ironische oder gütig-mitleidsvolle Art, kann das in nicht allzu ferner Zukunft auch ein Speicherchip sein, der zwar nicht weiß, was Gefühle sind, der aber Gefühlsregungen berechnet.

    Und wenn dieser Computer per Internet alle Daten des Menschen verfügbar hat, wenn er in den digitalen Zwilling Einsicht nehmen kann, von dem Joachim Gauck sprach – dann kann diese künstliche Intelligenz den großen Schutzschirm aufheben, den der Mensch sich mit der Demokratie seit rund 200 Jahren geschaffen hatte, den Schutzschirm zwischen Macht und Privatsphäre. Wenn Computer sich als ein Mensch ausgeben und mit ihrer geballten Wissensmacht auf unser Tun und Lassen Einfluss nehmen können, kehrt auf eine neue, digitale Art die Monarchie zurück.

    Die Reaktionszeit ist auf null geschrumpft

    Das Internet hebt bereits den Schutz durch Zeit und Raum auf. Darauf verweisen Al Gore und andere in ihren Büchern. Maschinen, die sich als Menschen ausgeben können, mögen in Tahiti stehen, in Würzburg oder in Nowosibirsk – es macht keinen Unterschied mehr, und ein Cyberangriff, ein Aktienverkauf per Computer finden in Bruchteilen einer Sekunde statt.

    In solchen Bereichen geht es darum, Nanosekunden Vorsprung dabei zu gewinnen, eine Absicht zu erkennen oder auf einen Vorgang reagieren zu können. Die ganze Geschichte der menschlichen Gesellschaft und Technik ist zwar auch eine Geschichte rapide schwindender Abstände, Reaktionszeiten und Denkpausen. Aber in den vergangenen 25 Jahren ist der Abstand auf null geschrumpft.

    Gegen Raketen reichte noch ein Frühwarnradar, das eine halbe Stunde Reaktionsfrist bot. Im Cyberwar brauchen Geheimdienste ein Echtzeitradar in die Silos hinein, sprich in die Computer. Im Aktienhandel reichte es 1989 beim Mauerfall, per Telefon die Kurse der New Yorker Börse zu erfahren und telefonisch Aufträge zu geben; die Reaktionszeit bemaß sich nach Minuten. Heute investieren Banken und Hedgefonds und Konzerne Milliarden, um Transaktionen im Moment ihres Entstehens zu erkennen oder, besser noch, ihnen um Sekundenbruchteile zuvorzukommen.

    Kann man menschliches Handeln vorausberechnen?

    Das wird leichter, wenn man den Menschen präzise kennt. Die Wirtschaft möchte ihm deshalb in den Kopf gucken, sie will sein Handeln zu jedem Zeitpunkt vorausberechnen und steckt Unsummen in die Echtzeit-Datenanalyse. Wahlkämpfer tun das auch. Sie wissen, dass immer mehr Wähler erst in letzter Minute ihre Entscheidung treffen. Politiker wollen die exakte Lebenswirklichkeit dieser Wähler erfassen, um herauszufinden, welche maßgeschneiderten Parolen Wirkung zeigen. Amerikanische Wahlkampfzentralen sind deshalb zur Hightech-Datenmaschine geworden.

    Weil in der Nanosekunden-Welt alles mit allem zusammenhängt, möchten Geheimdienste und Politiker und Aktivisten sämtliche relevanten Entwicklungen in Echtzeit identifizieren. Also suchen sie zum Beispiel Wege, ungewöhnliche Nachrichtenaufkommen bei Twitter und anderen Kommunikationsseiten so früh wie möglich zu erkennen.

    Zeit und Raum boten die Chance zur Vorwarnung. Sie boten die Zeit, eine Reaktion bedenken zu können, oder überhaupt vor einigen Entwicklungen durch puren Abstand geschützt zu sein. Das ist vorbei. Und nun kann sich der Mensch womöglich nicht mehr sicher sein, ob dieses Internet, das ihm auf die Pelle rückt, nur ihm selber gehorcht oder auch Maschinen, die wissen, was emotionale Regungen sind. Das ist ein Anlass zur Klaustrophobie.

    Die Schizophrenie des vernetzten Menschen

    Der Mensch in seinem Widerspruch reagiert auf die Abschaffung des Schutzschildes aus Zeit und Raum widersprüchlich. Einerseits wehrt er sich gegen Überwachung und will verhindern, dass der Computer ihn heimlich beobachtet. Andererseits will auch der Alltagsmensch überall zuschauen können.

    Er will jetzt und sofort wissen, wo gerade die verspätete S-Bahn nun tatsächlich ist. Er möchte von einem Wohnungseinbruch im Handumdrehen alarmiert werden, per SMS und Kamerabild aufs Handy. Er will beim Sport seinen Körper überwachen. Er will bei der Abfahrt in den Urlaub wissen, wie das Wetter am Zielort ist. Er will die Aktienkurse genauso schnell verfolgen können wie die großen Finanzfirmen.

    Mit dem Wissensdurst zerstört er seine Privatsphäre, denn er holt sich nun Geräte ins Haus, die das zwar alles können – die aber sein Tun und Lassen nonstop nach draußen melden. Mit dem Durchbruch vom Wochenende, der Simulation eines Menschen durch einen Computer, wird die Möglichkeit real, dass die Meldung nicht an Menschen geht, sondern an eine Maschine, die eigene Interessen verfolgt.

    Der Computer agiert, der Mensch schaut hilflos zu

    Es bleibt keine pure Fantasie mehr, dass Computer im Internet menschliches Wollen nachbilden und Ereignisse vorgaukeln, die gar nicht stattfinden – nur um andere Maschinen zu Nanosekunden-Handlungen zu verleiten. Der Mensch schaut dann so hilflos zu wie beim Bankencrash 2008, als den Computer-Wunderkindern die digitalen Finanzvehikel über den Kopf wuchsen, die sie selber geschaffen hatten. Oder er wird noch viel mehr übertölpelt als derzeit bei den automatisierten prorussischen Kommentaren unter Medientexten zur Ukraine.

    Das Zusammenleben in der Echtzeit-Weltordnung nähert sich dem Lebensgefühl in einem überfüllten Fahrstuhl an – einem Fahrstuhl, der auch noch wie das Raumschiff in Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" von einem rebellierenden Computer kontrolliert wird. Wirtschaft, Militär, Politik und immer mehr auch der Alltagsmensch fangen an, einigermaßen beklommen den Verlust des Schutzes aus Raum, Zeit und Privatsphäre durch das Internet zu registrieren.

    Erfunden vom Pentagon, um nach einem Atomschlag kommunikationsfähig zu bleiben, entwickelt es sich jetzt zu einer eigenen Bedrohung. Der Mensch hat sich wieder einmal selber überlistet. Nun braucht er Vertrauen in seine Fähigkeit, auch hier einen Ausweg zu finden, der die Bedrohung bändigt.

    Quelle
    Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
    Albert Einstein (1879-1955)

  2. Bedankos delle59 bedankte(n) sich für diesen Post
  3. #2
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    Gericht verbietet Fahrdienst Uber bundesweit

    Uber bekommt in Deutschland kräftigen Gegenwind zu spüren. Das Landgericht Frankfurt bremst den Fahrdienst nun mit einer Einstweiligen Verfügung bundesweit aus – zur Freude der Taxi-Unternehmer.

    Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber darf seine Leistungen in Deutschland vorerst bundesweit nicht mehr anbieten. Das Landgericht Frankfurt/Main hat in einem Eilverfahren eine entsprechende Einstweilige Verfügung erlassen.

    Ohne eine offizielle Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz dürfe das Unternehmen keine Fahrgäste mehr über seine App "Uber" und "UberPop" befördern, ordnete das Gericht an. Bei Zuwiderhandlung droht der Firma ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro oder ihren Repräsentanten eine Ordnungshaft.

    Die einstweilige Verfügung ist bereits am vergangenen Donnerstag ohne mündliche Anhörung von Uber ergangen. Das Unternehmen kann Widerspruch einlegen und um Aufhebung des Beschlusses bitten. Bis zum Start einer mündlichen Verhandlung ist in diesem Fall allerdings die Einstweilige Verfügung gültig. Als Klägerin ist die Taxi Deutschland Servicegesellschaft für Taxizentralen vor Gericht gezogen.

    Konkurrenz zur Taxi-Branche

    Uber ist inzwischen in über 200 Städten aktiv. Zuletzt war der Limousinenservice von Uber in einzelnen Städten in Deutschland, unter anderem in Berlin, verboten worden. Das Start-up aus San Francisco mit europäischer Niederlassung in Amsterdam vermittelt über Smartphone-Apps Fahrer und Privatpersonen für die Beförderung und ist vor allem der traditionellen Taxi-Branche ein Dorn im Auge. Gegen die Untersagungsverfügungen wollte das Unternehmen Widerspruch einlegen und bis zu einer Entscheidung den Betrieb weiterlaufen lassen.

    Das Gericht in Frankfurt wirft in dem Beschluss der Uber B.V. in den Niederlanden "unlauteres Wettbewerbsverhalten" vor. Die einstweilige Verfügung sei auch durch die Wiederholungsgefahr begründet. Nach Abmahnung habe das Unternehmen bislang keine Unterlassungserklärung abgegeben, stellte das Gericht fest.

    Der Gesetzgeber lasse das Geschäftsmodell der Fahrgastbeförderung nur nach definierten Standards zu, sagte Dieter Schlenker, Vorsitzender der Genossenschaft Taxi Deutschland eG. "Kein Fahrgast kann Fahrer, Unternehmen und Fahrzeug durchchecken."

    Uber will Entscheidung angreifen

    Das Taxigewerbe kritisiert an dem neuen Dienst, dass Kunden bei einem Unfall nicht ausreichend geschützt seien, dass die Fahrer keine Gesundheitsprüfung absolvieren müssten und dass die Fahrzeug nicht überprüft würden.

    "Wir werden die Entscheidung angreifen und unsere Rechte mit Nachdruck und aufs Äußerste verteidigen", teilte Uber mit.

    "Wir sind der Auffassung, dass Wettbewerb für alle gut ist", so Uber. Fortschritt und Innovation dürften nicht ausgebremst werden. "Es gibt einen Grund, warum Deutschland zu Ubers am schnellsten wachsenden Märkten zählt – Deutschland, und in diesem Fall die Frankfurter, lieben Ubers erstklassige Dienstleistungen."

    Quelle
    Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
    Albert Einstein (1879-1955)

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