Kabel-Deutschland-AGB: Filesharing-Drosselung auf ältere Verträge ausgeweitet


DPA

Kabel Deutschland drosselt Intensiv-Filesharern unter seinen Neukunden die Internetverbindung. Dies könnte bald auch langjährige Kunden treffen.

Wer als Kabel-Deutschland-Kunde online ausgiebig Musik und Filme tauscht, muss damit rechnen, dass seine Internetverbindung langsamer wird. Eine derartige Regelung findet sich in neueren Kabel-Deutschland-Verträgen und hat dem Unternehmen unter anderem Ärger mit dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) eingebracht - wegen teilweise irreführender Werbung.

Nun könnte die Drosselungs-Option auch langjährige Kunden treffen. Das Tech-Magazin "Golem" berichtet, dass Kabel Deutschland derzeit per Brief auf AGB-Änderungen hinweist. "Ein Blick in die vollständigen AGB zeigt, dass darin auch die Internet-Drosselung bei 10 Gigabyte pro Tag festgeschrieben wird, die in meinem bisherigen Vertrag nicht stand", zitiert das Magazin eine Leserzuschrift.

Ein Kabel-Deutschland-Sprecher bestätigt die Änderungen: "Der Telekommunikationsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren extrem weiterentwickelt und verändert, demzufolge auch die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen", sagte er "Golem". "Vor diesem Hintergrund erhalten Kabel-Deutschland-Kunden, die einen Internet- und/oder Telefonvertrag vor August 2009 mit uns abgeschlossen haben, nun auch die aktuellen Allgemeinen Geschäftsbedingungen." Neukunden bekämen schon seit 2012 die neuen AGB.

Nur noch 100 Kilobit pro Sekunde

Kommt es zu einer Drosselung, wird die Internetgeschwindigkeit des Kunden bis Tagesende auf 100 Kilobit pro Sekunde reduziert. Dies soll allerdings keine gewöhnlichen Internetanwendungen betreffen, sondern nur Filesharing-Dienste, über die Nutzer in der Regel Filme oder Musik tauschen, wobei in der Regel größere Datenmengen anfallen. Konkret betroffen sein sollen Peer-to-Peer-Protokolle wie Bittorrent, aber auch sogenannte One-Click-Hoster wie Rapidshare sowie Newsgroups.

Im Kontext des Streits mit dem VZBV hatte Kabel Deutschland im Sommer mitgeteilt, dass die Filesharing-Maßnahme "für 99,5 Prozent und somit die mehr als überwiegende Mehrheit unserer Kunden eine positive Regelung" sei. Nur bei rund 0,5 Prozent der Kunden werde die Filesharing-Regelung angewandt.

Anders als die AGB es nahelegen, soll die Drosselung praktisch nicht bei 10 Gigabyte Filesharing pro Tag einsetzen, sondern erst bei 60 Gigabyte. Dies steht beispielsweise in einem aktuellen Online-Prospekt des Unternehmens, in dem es heißt: "Ab einem Gesamtdatenvolumen von mehr als 10 GB pro Tag ist Kabel Deutschland berechtigt, die Übertragungsgeschwindigkeit für File-Sharing-Anwendungen bis zum Ablauf desselben Tages auf 100 Kbit/s zu begrenzen; aktuell wird eine Drosselung erst ab einem Gesamtdatenvolumen von 60 GB pro Tag durchgeführt."
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