Tesco scannt Kundengesichter zu Werbezwecken
Big Brother in Großbritannien: Die Firma Tesco will die Gesichter ihrer Kunden scannen, um diese dann mit passgenauer Werbung zu bombardieren. Datenschützer sind alarmiert.


Die Firma Tesco möchte durch das Scannen von Kunden an Tankstellen das Einkaufserlebnis verbessern
- Kritiker zeigen sich skeptisch© Carl Court/AFP
Der britische Handelsriese Tesco will an seinen 450 Tankstellen künftig die Kunden scannen, um seine Reklame besser nach Alter und Geschlecht steuern zu können. Das System dazu besteht aus einem Hi-Tech-Flachbildschirm an der Kasse, der die Gesichter der Kunden prüft und dann passende Werbeangebote macht. Das System wurde von der Technologiefirma Amscreen entwickelt. Wie die Firma mitteilte, wird auch die jeweilige Tageszeit beachtet, um beispielsweise am Vormittag einen Energydrink anzubieten. Die Zeit, die der Kunde zum Betrachten der Reklame aufbietet, wird ebenso überprüft wie die von ihm schließlich gekauften Waren.

Technologie wie aus einem Science-Fiction-Film
Amscreen-Chef Simon Sugar erklärte, sein Unternehmen wolle "möglichst viele Supermärkte" mit dem System ausrüsten. Die Flachbildschirme sollten außerdem in Krankenhäusern, Flughäfen, Bahnhöfen oder Banken aufgestellt werden. Die Technologie erinnert an den Science-Fiction-Hit "Minority Report" aus dem Jahr 2002, in dem Tom Cruise die Hauptrolle spielt. Darin wird Cruise von personalisierter Werbung bombardiert, während er die Straße entlangläuft. Im Film erledigen das Netzhautscanner - bei Tesco läuft die Reklame auf dem Bildschirm.

Simon Sugar machte in einem Interview mit dem britischen Magazin "The Grocer" keinen Hehl aus gewissen Parallelen: "Ja, es ist wie bei 'Minority Report', aber es könnte den britischen Einzelhandel revolutionieren." Eine Amscreen-Sprecherin beschwichtigte, es kämen weder Netzhautscanner noch andere Identifizierungsmethoden zum Einsatz. Es gehe nur um das Geschlecht und um drei verschiedene Altersstufen, versicherte die Sprecherin. Außerdem werde kein Bild gespeichert und kein Kunde ohne seine Zustimmung überwacht.

"Überwachungsstaat ab der Ladentür"
Datenschützer reagierten dennoch empört auf die Pläne des Unternehmens. Der Trend hin zu zur Nutzung von invasiven Technologien in Geschäften sei besorgniserregend. Nick Pickles von der Organisation Big Brother Watch sprach von einem "enormen Problem". Er warnte davor, dass bereite höher entwickelte Kameratechnologieverfügbar sei, bei der ein Gesichtsabgleich mit Facebook-Profilbildern stattfände. Hierdurch könnten Werbeangebote an die "Likes" von Nutzerprofilen in sozialen Netzwerken angepasst werden.

Datenschützer warnen davor, dass das Sammeln persönlicher Daten leicht außer Kontrolle geraten könnte. "Diese Systeme erfüllen einzig und alleine den Zweck, um durch uns Marketing-Daten zu sammeln." Sollte die Polizei auf die Daten zugreifen können, hätten wir einen "Überwachungsstaat ab der Ladentür", so Pickels.
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