Datensicherheit
US-Rüstungskonzern wertet soziale Netzwerke aus
Raytheon entwickelt Software für Persönlichkeitsprofile.


Foto: AFP


Dieses Video kann einen frösteln lassen. Knapp vier Minuten dauert der Clip, in dem ein freundlicher Mitarbeiter des US-Rüstungskonzerns Raytheon die schöne neue Überwachungssoftware des Unternehmens vorstellt. Knapp vier Minuten, und man weiß, dass Menschen, die bei Facebook und Twitter daheim sind, keine Geheimnisse mehr haben. Diese Erkenntnis verdanken wir der britischen Zeitung Guardian.

Das Programm mit Namen Riot (zu Deutsch: Aufruhr) wertet öffentlich zugängliche Daten aus sozialen Netzwerken aus. Mit wenigen Mausklicks lassen sich Persönlichkeits- und Bewegungsprofile erstellen, aus denen sich sogar künftiges Verhalten vorhersagen lässt. Wie das geht, demonstriert Raytheon im Video an einem seiner eigenen Mitarbeiter, einem Mann namens Nick.

Es genügt, den Namen einzutippen, und schon zeigt uns Riot, dass Nick ein sympathischer, bärtiger junger Mann ist, der sich vor allem an der Ostküste der USA und in Texas aufhält. Brian Urch, der Chef-Detektiv von Raytheon, der im Video die Software vorstellt, erklärt auch, woher Riot das so genau weiß: Die Fotos, die Nick per Handy aufgenommen und im Netzwerk publiziert hat, enthalten chiffrierte Informationen über die geografische Länge und Breite der Orte, wo sie gemacht wurden. Diese Informationen werden von Smartphones, die immer mehr Menschen benutzen, automatisch erstellt. Diese Daten kann das vorgestellte Programm auswerten.

Natürlich kann Riot auch aufmalen, mit wem Nick in den soziale Netzwerken Kontakt hält. Und farbige Kuchen- und Säulendiagramme veranschaulichen, an welchen Orten er die meiste Zeit verbringt. Es stellt sich heraus, dass Nick gerne und oft ins Fitness-Studio geht. Montags tut er das besonders häufig, und zwar immer schon um sechs Uhr früh. „Sollten Sie Nick zu fassen kriegen wollen“, sagt Chefdetektiv Urch, „oder sollten Sie seinen Laptop zu fassen kriegen wollen, dann statten Sie doch dem Fitness-Studio am Montag früh um sechs einen Besuch ab.“

Raytheon hat das Programm nach eigenen Angaben bislang nicht an Kunden verkauft. Aber der Konzern räumte ein, dass Behörden und Unternehmen in den USA Zugang zu der Software bekommen hätten. Man sei dabei, gemeinsam ein nationales Sicherheitssystem zu entwickeln, das Billionen von Informationseinheiten aus der digitalen Welt verarbeiten könne.

Das Ungewöhnlichste an der Raytheon-Software dürfte ohnehin die Tatsache sein, dass das Verkaufsvideo in die Öffentlichkeit gelangt ist. Denn andere Organisationen bemühen sich ebenfalls, die Daten aus den sozialen Netzwerken leichter nutzbar zu machen. Der britische Geheimdienst GCHQ schrieb im Herbst 2012 Stellen für Mathematiker, Physiker und Computerexperten aus, um bei der Auswertung dieser Daten zu helfen. Auch die amerikanische NSA nutzt die Daten aus sozialen Netzwerken intensiv.

Neben den Nachrichtendiensten sind auch noch andere privaten Firmen auf diesem Feld aktiv. Die britische IT-Website The Register wies darauf hin, dass auch IBM, SAS und Genesys Software entwickelt hätten, die der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen aus sozialen Netzwerk-Daten dienten und dazu benutzt werden könnten, das Verhalten von Kunden vorherzusagen.

Nick, der sympathische Bartträger mit der Vorliebe für Facebook und Foursquare, ist ein gläserner Mann.
Quelle